Auch wenn Themen des Umwelt- und Naturschutzes schon seit Jahrzehnten gesellschaftliche Diskurse prägen, haben sie in den vergangenen Jahren noch einmal einen deutlichen Konjunkturschub erlebt. Und gerade Kinder und Jugendliche haben sich hier als Akteur*innen und Triebkräfte einer intensiven Streitkultur profiliert. Gleichzeitig spaltet das Thema das Land, die Diskussion wird von verschiedenen Seiten mit drastischen, teils auch populistischen Mitteln geführt. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die Zahl der Neuerscheinungen im Feld der ökologischen Kinder- und Jugendliteratur jüngst wieder stark angestiegen ist. Grund genug, das Thema in kjl&m im Rahmen eines Themenschwerpunkts wiederaufzugreifen.

 

Editorial

Als Deutschland am 1. Juli 2020 die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, sind 50% der Deutschen der Meinung, die Bewältigung des Klimawandels sei ein vordringliches Schwerpunktthema dieser Amtsperiode; selbst in Zeiten der Corona-Krise wird kein anderes Thema annähernd häufig benannt.  Auch wenn Themen des Umwelt- und Naturschutzes schon seit Jahrzehnten gesellschaftliche Diskurse prägen, haben sie in den vergangenen Jahren noch einmal einen deutlichen Konjunkturschub erlebt. Und gerade Kinder und Jugendliche haben sich hier als Akteur*innen und Triebkräfte einer intensiven Streitkultur profiliert; z. B. im Kontext der Bewegung Fridays for Future.
Gleichzeitig spaltet das Thema das Land, die Diskussion wird von beiden Seiten mit drastischen, teils auch populistischen Mitteln geführt: Von Klimaschweinen ist die Rede, ebenso von Klimahysterie. Und wissenschaftliche Erkenntnisse werden – nicht selten unzulässig vereinfacht – für ganz persönliche Ziele in Anspruch genommen. Umso wichtiger scheinen Aufklärung und Bildung und eine unabhängig-kritische Auseinandersetzung mit den unzweifelhaft wichtigen Fragen einer nachhaltigen Entwicklung zu sein. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die Zahl der Neuerscheinungen im Feld der ökologischen Kinder- und Jugendliteratur jüngst wieder stark angestiegen ist. Grund genug, das Thema in kjl&m im Rahmen eines Themenschwerpunkts wiederaufzugreifen.
Einführend kontextualisiert Björn Milbradt den Schwerpunkt in einer soziologischen Perspektive auf Kindheit und Jugend heute. Jana Mikota und Claudia Maria Pecher bieten danach einen einführenden Überblick über aktuelle Tendenzen im Feld der KJL. Diese konkretisieren Michael Stierstorfer und Susanne Drogi (Wolf und Bienen) anhand konkreter Tierarten und Jana Mikota am Beispiel von Sachbüchern zur Klimakrise. Danach rückt Stephanie Jentgens mit Bibi Dumon Taks Sachliteratur eine besondere Form des Schreibens über Natur- und Umweltfragen in den Blick; sie arbeitet die essayistischen Strukturen dieser besonderen Sachbücher heraus. Spezielle Gattungen nehmen Inger Lison (Dystopie bzw. Future Fiction), Heike Elisabeth Jüngst (Comic) und Alexandra Ritter (Bilderbuch) in den Blick. Didaktische Fragen von Umweltbildung thematisiert Elisabeth Hollerweger am Beispiel eines Kindertheaterstücks, bevor mit dem Berliner Museum für Naturkunde (Astrid Faber und Mathias Zilch) und den Hessener Jugendbuchwochen der GEW (Marion Zweckstetter) konkrete Angebote für Kinder- und Jugendliche in den Blick rücken. Und in der Rubrik kurz gefragt führt Julia Benner diesmal ein Interview mit Kay Hedrich, der mit seinem Verlag Matabooks Umweltfragen nicht nur inhaltlich bearbeitet.
Im Beitrag des Spektrums diskutiert schließlich Nicola König die Frage, wie die aktuellen Digitalisierungsbemühungen mit einem didaktischen Konzept wie dem handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht in Beziehung zu setzen sind.
Dieses Themenheft ist in einer Zeit entstanden, in der viele Autor*innen von erheblichen Mehrbelastungen aufgrund der Coronakrise betroffen waren. Ein herzliches Dankeschön an alle Mitwirkenden daher an dieser Stelle, dass das Heft dennoch so reibungslos und pünktlich erscheinen konnte!

Michael Ritter

 

 

Inhaltsverzeichnis

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