Neben den Vampiren und anderen fantastischen Gestalten sind Hexen in der Kinder- und Jugendliteratur omnipräsent. Hexen sind keine literarische Erfindung des 20. Jahrhunderts, sondern blicken auf eine lange Tradition zurück und waren lange Zeit negativ konnotiert, bevor sie von der Zweiten Frauenbewegung positiv und mit einem emanzipatorischen Impetus besetzt wurden. Seit der frühen Neuzeit dagegen landeten sie auf den Scheiterhaufen und wurden von der Inquisition verfolgt. Ein solches Bild der Hexe als böse und hässliche Frau fand Eingang in die europäische Literatur, die den Bogen von Shakespeares Macbeth zu den Hexen von Eastwick spannt. Erst mit Otfried Preußlers Die kleine Hexe (1957) wurde das Bild der bösen Hexe in der KJL relativiert, so dass die Hexe plötzlich als gute Hexe erscheint und seitdem aus den Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken ist. Preußler bricht mit den gängigen Klischees und verwandelt die Hexe in ein sympathisches Wesen mit Identifikationspotential für den kindlichen Leser.

Dabei wird deutlich, dass Geschichten mit Hexen für Kinder und Jugendliche sämtliche Altersstufen umfassen, von der Erstleserliteratur bis hin zu Romanen für jugendliche Leser, und auch Film und Hörbuch greifen die Hexe auf. Die aktuelle Kinder- und Jugendmedienlandschaft kennt gute und böse Hexen und hat durchaus das Preußlersche Hexenbild weiterentwickelt und auch neu interpretiert. Insbesondere anhand der Figur Bibi Blocksbergs zeigt sich die vielfältige Verbreitung einer Hexe im Medienverbund für Kinder und Jugendliche. Und auch der us-amerikanische Markt kennt die Hexe. In TV-Serien wie Verliebt in eine Hexe, Sabrina oder Charmed ist es die charmante und schöne Hexe, die die Medienlandschaft prägt. Demgegenüber nehmen die Walt Disneys Studios wiederum andere Hexenbilder auf, die nur scheinbar mit den Hexen in den Realfilmen übereinstimmen. Neben dem us-amerikanischen Markt findet sich eine ausdifferenzierte literarische Darstellung der Hexe im europäischen Raum (Skandinavien, Großbritannien, Beneluxstaaten, Österreich, Schweiz, Osteuropa).

Das Ziel der geplanten interdisziplinär und auch komparatistisch ausgerichteten Konferenz besteht darin, Wissenschaftler aus verschiedenen Fachrichtungen (Medienwissenschaft, Literaturwissenschaft, Pädagogik) zusammenzubringen, um auf diese Weise die aktuelle Forschung zum Bild der Hexe zu bündeln und neue Fragestellungen, die für eine künftige Kinder- und Jugendliteraturforschung von Relevanz sind, zu entwickeln.

Datum: 5.-7.03.2012

Ort: Universität Siegen
Philosophische Fakultät
Adolf-Reichwein-Str. 2
57068 Siegen

Organisatorinnen:
Dr. Jana Mikota, Dr. Sabine Planka

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