[22.10.2018]

"Verinnerlichte Vergangenheit findet ihre Form in der Erzählung". (Jan Assmann)

Für die  32. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung (GKJF) unter dem Thema Kulturelles Gedächtnis reloaded? (Re-)Inszenierungen von Erinnerung in Kinder- und Jugendmedien vom 30.5 bis zum 1.6. 2019 im Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter (AZK) können bis zum 11.01.2019 Abstracts eingereicht werden. 

Der Blick in die Vergangenheit erfreut sich nicht nur auf dem Buchmarkt einer bemerkenswerten Popularität, sondern ist in allen Medien stark präsent: Das Spektrum reicht von so unterschiedlichen Formaten wie den (umstrittenen) Geschichtsdokumentation Guido Knopps über Fernsehserien wie Babylon Berlin, über historische Romane wie Hertha Müllers Atemschaukel oder Daniel Kehlmanns Tyll bis hin zu Computerspielen wie Through the Darkest Time. Die gesellschaftliche Bedeutung der – im Unterschied zum Gedächtnis – eher präsentischen Erinnerung zeigt sich zudem symbolisch in der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels an die Erinnerungsforscher Aleida und Jan Assmann. Dabei belegt schon das Eingangszitat Assmanns die Untrennbarkeit von Narration und Erinnerung für das kulturelle Gedächtnis, wobei auch in der medialen Re-Inszenierung von Geschichte in Geschichten der klassische Aristotelische Widerspruch von 'objektiver' Geschichtswissenschaft und Dichtung zwischen den Polen Referenzialität und einem neuen Interesse am vermeintlich Authentischen sowie der Fiktionalisierung von Fakten zum Tragen kommt.

Dieser Widerspruch gilt auch bzw. in besonderem Maße für die geschichtserzählenden Kinder- und Jugendmedien in ihrem spezifischen Spannungsfeld von ästhetischer und (latenter) historischer (pädagogischer oder ideologischer) Horizontbildung und -erweiterung, die stetig neu kontextualisiert, revidiert und aktualisiert werden, aber auch und in weiteren Dimensionen für das (auto-)biographische Erzählen. Daher setzt es sich die 32. Tagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung (GKJF) zum Ziel, diesen Veränderungen der ästhetischen Verfahren und der Erinnerungsgegenstände nachzuspüren. Dabei sollen neben den epischen kinder- und jugendliterarischen Traditionsmedien – erzählende Literatur, historische und zeitgeschichtliche Romane, (autofiktionale) Biographien – sowie Drama und Lyrik auch Bilderbücher, Comics, Filme und Serien oder Computerspiele in den Blick genommen werden.

Mögliche Themen – immer mit Bezug auf die Kinder- und Jugendmedienforschung – sind:

  • Positionen der Forschung
  • Medien und Formen der Erinnerung
  • national/international/transnational tradierte und neue Gegenstände
  • geschichtserzählender Kinder- und Jugendmedien (in diachroner und synchroner Perspektive) wie bspw. Kriege, Revolution, Holocaust, Flucht und Vertreibung, Staatengründungen, Mauerbau, Mauerfall und Deutsche Einheit, Europäische Einigung, Globalisierung
  • (inter-)generationelle Kommunikation/generationelle Ordnung
  • Progressionen/Regressionen dominanter Wertungsmuster und ethische Dimensionen von Geschichtsfiktionen
  • Narrative und ästhetische Strategien/Kontinuitäten, Veränderungen, Entwicklungen
  • Genrehybridisierungen/Gattungstransgressionen (Zeitreiseromane, historische Kriminalromane etc.)
  • Unzuverlässigkeit der Erinnerung bzw. (Grenzen der) Erfindung von Erinnerung/Zeitzeugenschaft
  • Autobiographisches und biographisches Schreiben
  • Kindheit und Jugend erinnern
  • Deutungshoheit, Kanonisierung, Gegengedächtnis in unterschiedlichen Gesellschaftsformen


Vortragsangebote (von maximal 30 Minuten Dauer) können bis zum 11.01.2019 eingereicht werden. Dem Vorschlag sollte ein kurzer Aufriss des Vortragsthemas beigefügt sein. Bitte beachten Sie bei der Einreichung Ihrer Abstracts (von ca. 300 Wörtern) folgende Anforderungen:

Die Abstracts sollen in einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung den Bezug zu theoretischen Positionen herstellen sowie die Literatur und ggf. Primärquellen nennen, auf die sich der Vortrag stützt. Damit die Vorträge zu einem Programm im oben beschriebenen Sinn zusammengestellt werden können, sollte sich der geplante Vortrag einem der oben aufgelisteten Schwerpunkte zuordnen lassen.

Bitte senden Sie Ihre Vorschläge per E-Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

[Quelle: Call for Papers]

 


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