[21.12.2018]

Erzählen ist eine anthropologische Grundkonstante zur Selbstvergewisserung und Kulturschaffung. In der gegenwärtigen Medienkultur nutzen Erzählungen in der Regel mehr als nur einen semiotischen Modus (gesprochene/geschriebene Sprache; stehendes/bewegtes Bild; Audio inkl. Musik/Geräusch, vgl. Schmitz 2016) und sprechen mehrere Modalitäten der Sinneswahrnehmung (Sehen, Hören etc.) an. Daraus resultieren im Vergleich zum rein verbalsprachlichen Erzählen veränderte Produktionsbedingungen und Rezeptionshaltungen sowie neue literale Praktiken: Wer multimodale Texte sinnstiftend und textkritisch entschlüsseln will, benötigt multimodale Kompetenzen (multimodal literacy, multi-literacies). Die 34. Tagung der AG Medien im Symposion Deutschdidaktik e.V. an der Universität zu Köln widmet sich vom Do. 26.09. bis Fr. 27.09.2019 der Rolle des multimodalen Erzählens im Deutschunterricht.

Aus deutschdidaktischer Perspektive stellt sich im Hinblick auf multimodales Erzählen erstens die Frage, welchen Einfluss die Zeichenmodalität auf die erzählte Geschichte in Tex- ten verschiedener medialer Form besitzt. Zweitens richtet sich der Blick auf die Rezeption und Produktion multimodaler narrativer Texte, insbesondere bei der Nutzung digitaler Lese-, Schreib- und Gestaltungsmedien. Drittens ist zu klären, wie multimodale Kompetenzen von der Primar- bis zur Oberstufe im Deutschunterricht gefördert werden können und welche Rolle hierbei Bild-Schrift-Medien (z.B. Bilderbuch, Comic, multimodaler Roman), Bild-Ton-Medien (z.B. Spielfilm, Theaterinszenierung) und Bild-Ton-Schrift-Medien (z.B. Computerspiel, Erklärfilm, Digital Storytelling) spielen.

Ansatzpunkte für Beiträge zur Tagung könnten sein:

  • Was versteht man unter "multimodalen Kompetenzen" im Rahmen des sprachlichen, literarischen und medialen Lernens im Deutschunterricht?
  • Welches analytische (semiotische, narratologische, medien-/kulturwissenschaftliche) Instrumentarium steht für die Erschließung und Interpretation multimodaler Erzählungen zur Verfügung?
  • Wie verändern sich Lese- und Medienkompetenzen im Hinblick auf das nicht-lineare Lesen multimodaler Texte und wie können zukünftige Lehrkräfte darauf vorbereitet werden?
  • Welche Chancen bieten multimodale Erzähltexte zur Bewältigung von 'Lesekrisen' im Rahmen der Lesesozialisation?
  • Welche medienkritischen Rezeptionsformen müssen für den Umgang mit multimodalen Erzählmedien erlernt werden?
  • Welches deutsch- und mediendidaktische Potenzial bietet multimodales Erzählen für inklusive Unterrichtssettings?
  • Wie lassen sich im Blick zurück - Archäologie der Medienwirkung - Aussagen für die zukünftige diskursive Gestaltung von Medien und Modi treffen?

Als Keynote-Referenten für die Tagung haben zugesagt: Prof. Dr. Ulrich Schmitz (Univer- sität Duisburg-Essen) und Prof. Dr. Wolfgang Hallet (Justus-Liebig-Universität Gießen).

Literatur

  • Hallet, Wolfgang: The Rise of the Multimodal Novel. Generic Change and Its Narratological Implications. In: Ryan, Marie-Laure/Thon, Jan-Nöel (Eds.): Storyworlds across Media. Towards a Media-Conscious Narratology. Nebraska: University of Nebraska Press 2014, S. 151-172.
  • Jewitt, Carey (Hg.): The Routledge Handbook of Multimodal Analysis. London: Routledge 2011.
  • Klug, Nina Maria / Harmut Stöckl (Hg.): Handbuch Sprache im multimodalen Kontext. Berlin: De Gruyter 2016.
  • Sachs-Hombach, Klaus / Bateman, John / Curtis, Robin / Ochsner, Beate / Thies, Sebastian: Medienwissenschaftliche Multimodalitätsforschung. In: MEDIENwissenschaft 16 (2018), H. 1, S. 8-26. DOI: https://doi.org/10.17192/ep2018.1.7708.
  • Schmitz, Ulrich: Multimodale Texttypologie. In: Klug / Stöckl (Hg.): 2016, a.a.O., S. 327-347.
  • Serafini, Frank: Reading the Visual: An Introduction to Teaching Multimodal Literacy. New York: Teacher's College Press 2013.
  • Stöckl, Hartmut: Sprache-Bild-Texte lesen. Bausteine zur Methodik einer Grundkompetenz. In: Diekmannshenke, Hajo / Klemm, Michael / Stöckl, Hartmut (Hrsg.): Bildlinguistik. Berlin: Erich Schmidt Verlag 2010, S. 43-70. Online: http://stoeckl.sbg.ac.at/Stoeckl/Publikationen_2_ files/Stoeckl_%20Sprache-Bild-Texte_2010.pdf

Hinweise zur Einreichung:

Willkommen sind Vorschläge für Vorträge von 25 Minuten mit Bezug zum Tagungsthema. Bitte senden Sie Ihr Abstract (max. 350 Wörter) per E-Mail an das Organisationsteam (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) in Form eines PDFs bis zum 01. März 2019.
Die Beiträge werden im Nachgang zur Tagung in der Open-Access-Zeitschrift MiDU - Medien im Deutschunterricht publiziert.

Informationen zur Tagung:

Am Donnerstagabend, 26.09.2019, findet ein Werkstattgespräch mit der Autorin Nadia Budde zum Tagungsthema statt. Anschließend wird es ein gemeinsames Abendessen mit kölschem Buffet geben. Die Tagung endet am Freitagnachmittag, 27.09.2019 gegen 15:30 Uhr, anschließend findet die Mitgliederversammlung der AG Medien statt. Weitere Informationen zur Anmeldung und zum Programm ab April 2019 unter: http://idsl2.phil-fak.uni-koeln.de/ag-medien2019.html

[Quelle: CfP]

 


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