Die Welt der Kinder. Weltwissen und Weltdeutung in Schul- und Kinderbüchern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts 

Internationale Tagung an der Universität Zürich vom 4. bis 6. Februar 2016 

Veranstalter: 

  • Universität Zürich – Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft (ISEK) und Schweizerisches Institut für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM)
  • Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung Braunschweig; 
  • German Historical Institute Washington D.C. 

Die Tagung will neuere Forschungen zur Geschichte populären Wissens mit kulturgeschichtlichen Forschungen zu schulischen Bildungsmedien sowie zur Kinder- und Jugendliteratur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zusammenführen und dabei auch den Austausch mit Experten aus historisch orientierten Feldern der Digital Humanities fördern. Abstracts für Beiträge können bis zum 15. Mai 2015 eingereicht werden.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert erleben Wissen und Bildung große Veränderungen – neben dem rasanten technologischen Wandel setzen sich Buchkultur und Schulpflicht durch. Schulbücher tragen als staatlich geprägte Massenmedien in erheblichem Maße zur „Nationalisierung der Massen“ und damit zu verengten Repräsentationen von der Welt bei. Zugleich ist dies jedoch eine Zeit beschleunigter Globalisierung und einer enormen Erweiterung des gesellschaftlichen Wissens über die Welt. Die Tagung will diese sowohl gegenläufigen als auch verschränkten Prozesse aus wissensgeschichtlicher Perspektive aufnehmen und fragen, mit welchem Wissen und mit welchen Bildern von der Welt Kinder und Jugendliche in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg aufgewachsen sind. 

Schul- und Kinderbücher stehen aus drei Gründen im Zentrum des Interesses: Zum ersten handelt es sich für eine Zeit, in der sich die große Mehrheit der Menschen weder durch eigene Reisen noch durch audiovisuelle Medien ein Bild von der Welt um sie herum machen konnten, um zentrale Quellen, wenn Historiker*innen gesellschaftliche Wissens- bzw. Diskursfelder jenseits gelehrten Wissens vermessen wollen. Zum zweiten sind Forschungen zu schulischen und außerschulischen (Bildungs-)Medien bisher kaum aufeinander bezogen und in ihrer Quellenspezifik reflektiert worden. Und zum dritten liegen für diese Forschungsgegenstände inzwischen ausreichend große digitale Quellenkorpora vor, die es gestatten, Chancen und Grenzen digitaler Forschung konkreter als vielfach üblich auszuloten: Digitale Werkzeuge und Methoden können und sollen auf der Tagung explizit unter Bezug auf spezifische historische Fragestellungen und Perioden, auf zeitgebundene Begriffe, besondere Adressaten (Heranwachsende) und je eigene semantische Strukturen (sehr verdichtete und zugleich komplexitätsreduzierte Sprache in Schulbüchern; literarische Texte und damit wenig redundante, nicht serielle Texte in Kinderbüchern) diskutiert werden. 

Hier schließt die Konferenz an das Leibniz-geförderte Forschungsprojekt Welt der Kinder an, in dem seit 2014 sieben wissenschaftliche Institute und Bibliotheken unter Federführung des Georg-Eckert-Instituts zusammenarbeiten. Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen untersuchen über 6.000 deutschsprachige Schul- und Kinderbücher des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, um Wissen, Repräsentationen und Deutungen der Welt für eine Periode zu erforschen, die durch eine enorm beschleunigte Wissenserzeugung und -distribution sowie eine spezifische Verflechtung von Nationalisierungs- und Globalisierungsprozessen geprägt wurde. Hiervon ausgehend wurden zunächst vier Untersuchungsaspekte definiert, die für die in Zürich stattfindende öffentliche Tagung keineswegs verpflichtend sind, aber als thematische Anregung verstanden werden können: 

(1) Relevantes gesellschaftliches Wissen – Nichtwissen – delegitimiertes Wissen über die Welt; 

(2) Alteritäts- und Identitätskonzepte und deren Verräumlichung; 

(3) Vorstellungen von Gewalt und Zivilität, Macht und Gerechtigkeit; 

(4) Einbettung neuen Wissens in Fortschritts- und Modernisierungsnarrative bzw. Kontexte ubiquitärer Beschleunigung. 

Darüber hinaus soll es auf der Konferenz um digitale Sammlungen von relevanten Kinder- und Jugendmedien des 19. Jahrhunderts gehen. Diskutiert werden soll, welche Möglichkeiten entsprechende Korpora bieten und welche digitalen Werkzeuge für die Analyse nichtserieller Quellen des 19. Jahrhunderts im Allgemeinen und für an Kinder gerichtete Quellen im Besonderen sinnvoll nutzbar sind. Damit verbindet sich die grundlegende Frage, inwieweit digitale Tools und Methoden der Historizität und der Gattungsspezifik der genannten Quellen tatsächlich gerecht werden können. 

Aus forschungspragmatischen Gründen konzentriert sich die Tagung zunächst auf deutschsprachige Quellen in drei Forschungsfeldern, die – gerahmt und aufeinander bezogen durch Fragestellungen einer Geschichte (populären) Wissens – miteinander ins Gespräch kommen sollen: 

  • Historische Kinder- und Jugendliteraturforschung 
  • Historische Forschungen zu schulischen Bildungsmedien 
  • Digitale Quellen und Methoden historisch orientierter Digital Humanities 

Willkommen sind wissenschaftliche Beiträge (je 25 Minuten Vortrag und 20 Minuten Diskussion) aus allen genannten Forschungsfeldern. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Reise- und Aufenthaltskosten für die Referent*innen werden übernommen. 

Wir bitten alle Interessierten, Abstracts von maximal 300 Wörtern auf Deutsch oder Englisch sowie Kontaktdaten und kurze biografische Informationen bis zum 15. Mai 2015 per E-Mail zu senden an: Prof. Dr. Ingrid Tomkowiak (Universität Zürich): Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Der Call in kann hier heruntergeladen werden (deutsch/englisch).

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