Call for Papers: "MehrSpracheN" - Interdisziplinäre Tagung zu Lehren und Lernen in Schule und Unterricht

"MehrSpracheN"

Interdisziplinäre Tagung zu Lehren und Lernen in Schule und Unterricht

18.-19.02.2016, München

Abstracts für Beiträge können bis zum 01. August 2015 eingereicht werden.

Eine Zunahme sprachlicher Vielfalt ist in der bundesdeutschen Gesellschaft infolge der Arbeitsmigration seit den 50er-Jahren offenkundig. Diese Entwicklung spiegelt sich bis heute auch in Schulklassen wider, da die Anzahl der Schüler(innen) mit anderen Erstsprachen als dem Deutschen kontinuierlich steigt. Immer wieder wurde und wird die Forderung laut, diesem Umstand institutionell Rechnung zu tragen und die gesellschaftliche und schulische Sprachenvielfalt zu berücksichtigen. Somit konnotiert(e) sprachliche Vielfalt häufig Migration und Migrationsgesellschaft. Spricht man von "schulischer sprachlicher Heterogenität", werden die Erstsprachen und sozialen Lagen von Schüler(inne)n mit Migrationshintergrund in den Blick genommen. Dabei ist sprachliche Vielfalt seit jeher Bestandteil des deutschen Schulsystems. Sei es in Gestalt des Fremdsprachenunterrichts, sei es in der schulischen Einbindung der klassischen Philologien – das deutsche Schulsystem beherbergt seit Langem verschiedene (Fremd-)Sprachen. Im Fach Deutsch bietet der Lernbereich "Sprache untersuchen" die Möglichkeit, sich mit anderen Facetten der sprachlichen Vielfalt innerhalb des deutschen Sprachsystems auseinanderzusetzen, indem Sprachregister (Schulsprache, Bildungssprache, konzeptionelle Mündlich- sowie Schriftlichkeit etc.) und -varietäten (Dialekt, Ethnolekt, Soziolekt etc.) thematisiert werden. (Fach-)Sprachliche Kompetenzen und die Relevanz ihrer Förderung im Kontext des Fachunterrichts genießen seit einiger Zeit zu Recht eine hohe Aufmerksamkeit. Auch aus historischer Perspektive lässt sich sprachliche Vielfalt innerhalb des deutschen Sprachraums aufspüren: Es zeigt sich, dass bereits früh ein selbstverständliches Mit- und Nebeneinander verschiedener Sprachen existiert hat – ein Umstand, der die Konzepte von Mehrsprachigkeit durchaus relativieren und zu ihrer Reflexion beitragen kann.

So gesehen stellt sprachliche Vielfalt ein vielschichtiges Phänomen dar, das

  • sowohl im Kontext der Migrationsgesellschaft als auch im Rahmen des deutschen Sprachsystems,
  • sowohl individuell als auch institutionell,
  • sowohl aus der Perspektive der Muttersprachendidaktik als auch aus dem Blickwinkel der Zweitsowie Fremdsprachendidaktik und
  • sowohl historisch als auch gegenwartsbezogen erfasst und erforscht werden kann und soll.

Diesem Umstand Rechnung tragend nimmt die Tagung "MehrSpracheN" sprachliche Vielfalt aus der Perspektive verschiedener Disziplinen in den Blick. Leitend ist die Frage nach der Bedeutung von Sprache(n) für Lehr- und Lernprozesse in Schule und Unterricht, verbunden mit methodologischen Fragen ihrer Erforschung.

Ziel der Tagung ist es, das kreative Potenzial und damit einhergehende Herausforderungen sprachlicher Vielfalt für Schule und Unterricht interdisziplinär zu erschließen. Ein vernetzender Blick auf Sprache(n) zielt auf die Modellierung von Lehr- und Lernprozessen, die Migration und gesellschaftlichen Wandel ebenso wie historische Sichtweisen berücksichtigt. Solchermaßen entwirft die Tagung ein Panorama von MehrSpracheN und ihrer produktiven Bedeutung für Lehren und Lernen in Schule und Unterricht. 

Forscher(innen) aller Qualifikationsstufen und verschiedener Disziplinen (Fachdidaktiken, Fachwissenschaften, Fremdsprachendidaktiken, Pädagogische Psychologie, Erziehungswissenschaft, historische Bildungsforschung u. a.), Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter(innen) sind eingeladen, sich mit diesen Fragen in fünf verschiedenen Panels zu befassen.

Panel I: MehrSpracheN und Erwerbsprozesse

Mit Blick auf Erwerbsprozesse stellt sich die Frage nach Kontakt und Zusammenspiel von Erst-, Zweit-, Dritt- und Fremdsprachen, die auch das Lernen im schulischen und gesellschaftlichen Kontext prägen. Welcher Stellenwert kommt Erkenntnissen aus Hirnforschung und Neurolinguistik bei der Modellierung von Spracherwerbsprozessen zu? Welche Auswirkungen hat Sprachkontakt auf Lernende und die Entwicklung sprachlicher Systeme? Welche Faktoren begünstigen den Erwerbsprozess? Wie ist vor dieser Vielfalt sprachlicher Wirklichkeit der Sprachunterricht zu gestalten?

Panel II: MehrSpracheN im Fach

Neben der systematischen Vermittlung von (Fremd-)Sprachenunterricht wird aktuell die Relevanz von Sprache(n) im Fachunterricht reflektiert. In der Fremdsprachendidaktik etablieren sich CLIL (Content and Language Integrated Learning) und bilingualer Sachfachunterricht; in der Fachdidaktik Deutsch wird das Konzept der Bildungssprache näher ausgeführt. Wie ist Bildungssprache im (Fach-)Unterricht zu vermitteln? Wie kann sprachsensibler (Fach-)Unterricht modelliert werden? Wie sind fachliche und sprachliche Inhalte aufeinander zu beziehen? Welche Erkenntnisse der Fremd- und Mehrsprachigkeitsforschung sind inhaltlich und methodisch bedeutsam?

Panel III: MehrSpracheN als Varietäten des Deutschen

Die Klage über den "Verfall" der Sprache Kinder und Jugendlicher ist nicht neu und wird insbesondere im mündlichen Sprachgebrauch "hörbar". Im schulischen Kontext stellt sich die Frage nach der Bedeutung von Dialekten, Regiolekten, Soziolekten und Ethnolekten für Lernprozesse. Welchen Einfluss haben Varietäten auf Bildungskarrieren? Welche Konventionen der Verwendung haben sich in Geschichte und Gegenwart herausgebildet? Welches Verhältnis zu sprachlichen Normen spiegelt sich darin?

Panel IV: MehrSpracheN im Zeichen der Migration

Migrationsbedingte Mehrsprachigkeit führt auch zu gesellschaftlichen Veränderungen. In jüngster Zeit werden diese Veränderungen unter dem Begriff der "Superdiversity" zusammengefasst, um sprachliche Veränderungen einer globalisierten Welt zu beschreiben. Inwiefern ist die Vorstellung von Superdiversity für schulisches Lehren und Lernen hilfreich? Welche Methoden eignen sich für die Erforschung von Superdiversity in schulischen Kontexten? Inwiefern kennzeichnen Machtasymmetrien das Verhältnis verschiedener Sprachen im schulischen Kontext?

Panel V: MehrSpracheN im historischen Wandel

Der Diskurs über Lehren und Lernen im Zeichen von Mehrsprachigkeit wird um die historische Perspektive erweitert. So zeigt sich in Luthers Tischgesprächen ein Wechsel zwischen deutscher und lateinischer Sprache; auch Lehr- und Lernmaterialien nehmen mehrere Sprachen auf (vgl. z. B. Orbis sensualium pictus von Comenius). Welche Spuren von Mehrsprachigkeit finden sich in historischen und aktuellen Lernmedien sowie historischer und aktueller Literatur für Kinder und Jugendliche? Welche Auffassungen von Mehrsprachigkeit prägen Lehr- und Lernprozesse im Wandel der Zeit? Inwiefern verändert die historische Perspektive den Blick auf Mehrsprachigkeit heute? 

Gewünschte Angaben für das Abstract

  • Verfasser, Universität/Einrichtung, Fachrichtung, E-Mail-Adresse
  • Titel des Beitrages und Panel-Zuordnung
  • Form des Beitrages: Vortrag und/oder Poster
  • Umfang: max. 1.500 Zeichen
  • Frist: 01. August 2015

Anmeldeverfahren

Als Teilnehmer(in) mit Beitrag melden Sie sich bitte bis zum 01.08.2015 über das Formular auf der Tagungshomepage an: www.lmu.de/mehrsprachen2016

Teilnehmer(innen) ohne Beitrag können sich bis zum 30.01.2016 per E-Mail anmelden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Beteiligte Wissenschaftler(innen)

  • Prof. Dr. Anja Ballis (Fachdidaktik Deutsch)
  • Prof. Dr. Renata Behrendt (Deutsch als Zweit- und Fremdsprache)
  • Dr. Monika Budde (Sprachdidaktik Deutsch)
  • Prof. Dr. Angela Hahn (Anglistik/Mediendidaktik)
  • Dr. Nazli Hodaie (Didaktik des Deutschen als Zweitsprache)
  • Prof. Dr. Claudia M. Riehl (Deutsch als Fremdsprache, Mehrsprachigkeit)
  • Prof. Dr. Stefan Ufer (Fachdidaktik Mathematik) 

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