Call for Papers: Der Comic und das Populäre

 

[13.13.2017]

Das Verhältnis des Comics zu seiner Popularität ist gegenwärtig zwiegespalten. Die Dialektik von Exklusion und Inklusion, von Zugänglichmachung und Ausschließung, will die Tagung Comics und das Populäre vom 01. bis zum 03.12.2017 an der Universität Bonn behandeln.

Auf der einen Seite ermöglicht die Popularität des Comics sehr vielen Menschen Zugang zu einem beliebten Unterhaltungs- und zunehmend auch Informationsmedium, auf der anderen Seite wird gerade dieses Merkmal der leichten Zugänglichkeit von vielen mit Misstrauen beäugt. Weltweit befürchteten Eltern und Erzieher spätestens Mitte der 1950er Jahre, dass der Comic Kinder und Jugendliche auf Abwege bringt, und sorgten für Zugangsbeschränkungen, die das Medium lange Zeit in seiner formalen und inhaltlichen Entwicklung hemmten. Gerade die Kindgerechtheit und Harmlosigkeit wiederum brachte den Comic in den Verruf, keine geeignete Lektüre für Erwachsene zu sein, und brachten weite Teile des Publikums mit dazu, ihn aus dem bildungsbürgerlichen Kanon auszuschließen.

In den 1970er Jahren wurde das Medium gerade deswegen als subversiv empfundenes Ausdrucksmittel neu entdeckt. Der Versuch, unter dem Label 'Graphic Novel' neue Publikumsschichten zu erreichen, wird deshalb zwiespältig beurteilt: Sieht die traditionelle, Außenstehende eher ausgrenzende Fanszene sich damit in ihrer Identität bedroht und wesentliche Teile ihrer Lesekultur ausgeschlossen, so sehen Verlage, Feuilletons und der Buchhandel dadurch die Möglichkeit, ein anderes Publikum zu erreichen und damit eine neue Popularität zu gewinnen. Die akademische Wissenschaft entdeckt teilweise erst mit dieser Annäherung an Hochkultur den Comic als Forschungsobjekt.

Mögliche Themenstellungen für Konferenzbeiträge: 

  • Kontrollmechanismen und Kontrollinstanzen in historischer und gegenwärtiger Perspektive; Zensur politischer Meinungsäußerungen, ethnischer und Genderstereotypen sowie sexueller und religiöser Tabuverletzungen vs. Kunst- und Meinungsfreiheit
  • die unterschiedlichen Rezipientengruppen und Publika des Comics und ihre identitären Praktiken
  • unterschiedliche Kanonisierungspraktiken dieser Gruppen (Bestenlisten, Preisverleihungen, Editionen), Archivpraktiken von Sammlern vs. Bibliotheken und Museen, Fanforschung vs. akademische Forschung
  • populäre vs. hochkulturelle Ästhetik im Comic, Genres und Stil, Normerfüllung vs. Normbrechung, immersives vs. langsames und wiederholtes Lesen
  • nationale und globale Aspekte des Populären, kulturelle Unterschiede und transkulturelle Entwicklungen von Inklusions- und Exklusionsprozessen 
  • Aspekte populärer vs. hochkultureller Autorschaft, Habitus und Selbstinszenierung von ComickünstlerInnen

Call for Papers zum offenen Forum

Die Gesellschaft für Comicforschung verfolgt über die spezifischen Tagungsthemen hinaus das Ziel, die Zusammenarbeit und den Austausch in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Comics zu stärken. Zusätzlich zur Tagung über Comics und das Populäre soll daher 2017 in Bonn wieder ein thematisch offenes Forum stattfinden, in dem angedachte und laufende Forschungsprojekte aller Art vorgestellt und gemeinsam konstruktiv diskutiert werden können. Das Format richtet sich an Studierende/Promovierende/ForscherInnen in allen Projektphasen und -formen, von Abschlussarbeiten über Promotions- und Habilitationsprojekte bis zu freien und außerakademischen Vorhaben.

Themenvorschläge für Vorträge (bis zu 20 Minuten in deutsch oder englisch) in beiden Formaten werden bis zum 30.04.2017 mit Einsendung eines aussagekräftigen Abstracts (ca. 300 Wörter) und einer Kurzvita an die Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erbeten.

[Quelle: Newsletter H-Germ]

 

Newsletter