[29.05.2018]

Die Kinder- und Jugendliteratur findet in den Literatur- und Kulturwissenschaften und auch in der Übersetzungswissenschaft zunehmend Beachtung. Die von der "Forschungsgruppe zur Übersetzung und Rezeption von Kinder- und Jugendliteratur" der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań und dem Institut für Slavistik der Universität Kiel vom 10. bis zum 11.01.2019 veranstaltete Tagung fokussiert transkulturelle Prozesse in der Übersetzung und Rezeption von Kinder- und Jugendliteratur. Themenvorschläge aus der Übersetzungswissenschaft, Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft und der Comicforschung können bis zum 1. September 2018 eingereicht werden.

Auf der Tagung soll der Begriff der kulturellen Diversität im Zentrum stehen und mit neuen Inhalten gefüllt werden. Die Existenz eines internationalen Marktes für Kinder- und Jugendliteratur impliziert ja keineswegs, wie von O’Sullivan (2000) nachgewiesen, eine Begegnung zwischen den Kulturen der einzelnen Länder. Die Frage, ob in den Gegebenheiten des globalen Marktes überhaupt noch Raum für Alteritätserfahrungen und genuine Kulturkontakte bleibt, soll am Beispiel der Übersetzung und Rezeption von KJL zugespitzt werden.

So soll untersucht werden, wie sich in der Kinder- und Jugendliteratur die Heranführung an das Fremde vollzieht und Fremdheitserfahrung 'eingeübt' wird. Hier geht es zunächst um die Repräsentation der eigenen und fremden Kultur und deren Konstanz und Wandel. Gerade Übersetzungen legen hier kulturelle Unterschiede offen, die beispielsweise Kindheitsbilder betreffen. Asymmetrien in den jeweiligen kinder- und jugendliterarischen Traditionsbildungen können Barrieren oder Defizite in der Rezeption bewirken, die jeweiligen Traditionslinien können aber auch ineinandergreifen und sich gegenseitig bereichern. So können die im jeweilig anderen Land rezipierten Texte eine Rezeptionslücke schließen, indem sie Bedürfnissen der Leser entgegenkommen, die von der eigenen Literatur nicht befriedigt werden. Rezeptionsbarrieren können aber auch von divergierenden Wertvorstellungen abgeleitet werden. Übersetzungen können hier zementierend, aber auch ausgleichend wirksam werden. KJL tritt damit als komplexes Handlungsgefüge (Ewers) hervor, in das auch Übersetzung und Rezeption eingebettet sind. Angesichts der sich seit längerem vollziehenden Verwischung der Grenze zwischen Übersetzungen und Adaptationen erscheint es legitim, Übersetzung und Rezeption zusammenzudenken bzw. Übersetzung als Rezeptions- oder Intertextualitätsphänomen (Koppenfels 1985) in den Blick zu rücken.

Der natürliche kindliche Wunsch nach Alteritätserfahrungen trifft zunehmend auf eine ethnozentrische Übersetzungspraxis. Die Homogenisierung, Einebnung kultureller Vielfalt, wie sie von Venuti (1995) als Effekt einbürgernder Übersetzungsstrategien benannt wurde, die oftmals die Grenze zur Adaptation überschreiten, wird durch die Anbindung der Literatur an andere mediale Vermittlungen wie den Film forciert. Angesichts der immer häufigeren Einbettung von Literaturübersetzung in Superproduktionen, die auf den globalen Markt angelegt sind, soll der Frage nachgegangen werden, ob kulturelle Vielfalt in einer globalen Hyperkultur überhaupt noch möglich ist. Hier ist die Frage zu stellen, ob Übersetzungen und andere Rezeptionsphänomene als Aushandlungszone von kulturellen Differenzen wirksam werden können, oder ob angesichts der neuen medialen Rahmenbedingungen das Konzept der Übersetzung als Kulturvermittlung neu überdacht werden muss.

Die Beiträge sollten die vielfältigen Implikationen dieses Themenkomplexes sowohl aus theoretischer als auch gegenstandsorientierter Perspektive in seinen unterschiedlichen medialen Gestaltungsformen (Erzählungen, Bilderbücher, Comics, Graphic Novels, Filme) diskutieren. Schwerpunktmäßig sollen transkulturelle Prozesse im deutsch-polnischen Transfer untersucht werden, Beiträge zu anderen Sprachpaaren sind aber durchaus erwünscht.

Mögliche Themen, Aspekte, Zugänge und Schwerpunkte wären:

  • Neuübersetzungen von Klassikern der KJL,
  • Übersetzungsreihen,
  • kulturelle Aspekte der Kanonbildung,
  • das Kinderbuch als Medium der Fremdheitserfahrung,
  • kulturelle Aspekte der Übersetzung von Comics und Graphic Novels,
  • Rezeptionsbarrieren, Übersetzungsstrategien,
  • Tabu-Themen in der realistischen KJL,
  • fantastische KJL in Polen und Deutschland und ihre Wechselwirkungen.

Über das Schwerpunktthema hinaus sind offene Beiträge zur Kinder- und Jugendliteratur aus theoretischer Perspektive möglich.

Die Tagungssprachen sind Deutsch, Englisch und Polnisch. Für jeden Vortrag sind 20 Minuten sowie weitere 10 Minuten für die anschließende Diskussion eingeplant. Als keynote-Speaker haben Prof. Dr. Brigitte Schultze und Prof. Dr. Hans-Heino Ewers ihre Teilnahme zugesagt.

Das Abstract (ca. 400 Wörter) sowie eine Kurzvita (ca. 200 Wörter) inklusive Kontaktdaten bitte bis zum 01. September 2018 an:

  • Prof. Dr. Michael Düring (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)
  • Dr. Anna Fimiak-Chwiłkowska (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Die Tagungsgebühr beträgt 400 PLN bzw. 100 Euro. Sie beinhaltet: Konferenzmaterialien, Snacks während der Pausen, ein Abendessen am ersten Konferenztag, die Druckkosten eines Tagungsbandes. Anreise- und Übernachtungskosten können leider nicht übernommen werden.

[Quelle: CfP]


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