[06.08.2018]

Seit Donald Trump den Mikroblogging-Dienst Twitter zum zentralen Kommunikationsmedium seiner Politik gemacht hat, ist ununterbrochen von "fake news" und "alternativen Fakten" die Rede. Ob wir heute wirklich in einem "postfaktischen Zeitalter" leben, sei erst einmal dahingestellt, es besteht jedoch kein Zweifel darüber, dass das Spiel mit Fakten und Fiktionen in der medialen Öffentlichkeit eine neue Stufe der Inszenierung und Stilisierung erreicht hat. Die Beiträge für den dritten Jahrgang des Jahrbuchs für Kinder- und Jugendmedienforschung sollen die vielfältigen Implikationen des Themenkomplexes "Fakt, Fake und Fiktion" sowohl aus theoretischer wie gegenstandsorientierter Perspektive in den Blick nehmen und diesen in seinen unterschiedlichen medialen Gestaltungsformen (Erzählungen, Bilderbücher, Comics, Graphic Novels, Filme, Fernsehen, Computerspielen und Apps) aufgreifen. Abstracts können bis zum 10.10.2018 eingereicht werden.

Für die Literatur zeichnet sich ein anderes Bild: Denn ein fiktionaler Text definiert sich ja gerade dadurch, dass er keinen Anspruch darauf erhebt, an der außersprachlichen Wirklichkeit überprüfbar zu sein. Samuel Taylor Coleridge formulierte bereits 1817, dass "willing suspension of disbelief" (die willentliche Aussetzung von Ungläubigkeit) die Voraussetzung für die Lektüre und das Verstehen eines literarischen Textes darstelle. Doch wie gestaltet sich der Fiktionsvertrag zwischen AutorIn und LeserIn, wenn die histoire einer Erzählung beispielsweise explizite oder implizite Unwahrheiten enthält und/oder auf der Ebene des discours eine unzuverlässige Erzählinstanz vorhanden ist? Wie gehen RezipientInnen mit literarischen und medialen Täuschungen und Lügen um?

Die Frage nach der Relation zwischen Fakt und Fiktion stellt sich jedoch auch für das Sachbuch: Jeder Blick auf die Welt und ihre Dinge ist selektiv und perspektiviert. Wo befinden sich die Grenzen zwischen Wahrheit und Erfindung, zwischen Faktualem und Fiktionalem? Wie weit darf die Reduktion von Komplexität im Kindersachbuch gehen, bevor aus der Vereinfachung eine Verzerrung, eine Täuschung wird?

Mögliche Themen, Aspekte, Zugänge und Schwerpunkte, jeweils mit Bezug auf Kinder- und Jugendliteratur bzw. -medien, wären:

  • Grenze zwischen Roman und Sachbuch, hybride Formen dazwischen
  • Grenze zwischen Spielfilm und Dokumentation, hybride Formen dazwischen
  • Motive: Täuschung; Lüge; Maskerade; Verkehrte Welt
  • Figur des Hochstaplers/der Hochstaplerin im weiteren Sinn
  • Gattungen: Lügengeschichte; Lügenmärchen; Münchhausiade; Schelmenroman;
  • Schlaraffenland-Dichtung; Nemoliteratur; alternate history, scripted reality
  • unzuverlässiges Erzählen
  • Erzählen mit kontrapunktischen Bild-Schrifttext-Kombinationen
  • Pseudoübersetzungen im Spannungsfeld zwischen Fake und Fiktion
  • AutorInnen- und HerausgeberInnenfiktionen

Über das Schwerpunktthema hinaus sind zudem bis zu drei offene Beiträge zu kinder- und jugendliterarischen/-medialen Fragestellungen aus historischer wie theoretischer Perspektive erwünscht; auch hier bitten wir um entsprechende Vorschläge.

Formalia:
Die GKJF hofft auf große Resonanz und bittet bei Interesse um die Zusendung von entsprechenden Angeboten für themenbezogene bzw. offene Beiträge – zunächst (d.h. bis zum 10.10.2018 in Form eines Abstracts von nicht mehr als 300 Wörtern). Die Abstracts sollten außer einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung Angaben über die Fragestellung machen, den Bezug zu theoretischen Positionen herstellen sowie die Literatur nennen, auf die sich der Beitrag stützt.

Die Beiträge selbst sollten einen Umfang von 40.000 Zeichen (incl. Fußnoten und Literaturverzeichnis) nicht überschreiten und den HerausgeberInnen spätestens bis zum 01.03.2019 als Word-Dokument vorliegen.

Bitte senden Sie Ihre Abstracts an:

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Ein Style Sheet wird nach Annahme der Abstracts verschickt.

[Quelle: CfP]


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