[14.04.2020]

Die 15. Jahrestagung der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) möchte versuchen, über den Begriff der medialen 'Handlungsmacht' bzw. 'Handlungsinitiative' (Agency) einen Dialog zwischen den verschiedenen disziplinären Zugängen zum Medium Comic und verwandten populären narrativen Bildern (etwa Mangas, Graphic Novels oder Cartoons) herzustellen. Zu diesem Zweck sollen bspw. Perspektiven der seit den 1990er Jahren boomenden Akteur-Netzwerk-Theorie und einer daran anschließenden Akteur-Medien-Theorie für die Comicforschung produktiv gemacht werden, um die Komplexitäten medial verteilter Handlungsmacht im Kontext historischer wie gegenwärtiger Comickulturen zu rekonstruieren. Abstracts für die vom 08. bis 10. Oktober 2020 an der Universität Tübingen stattfindenden Tagung können bis zum 31. Mai 2020 eingereicht werden.

Eine Akteurin/ein Akteur ist hier jede Entität, die in komplexen Verflechtungen aus Handlungsketten als Auslöser erkennbar wird und der sich Agency in diesem allgemeinen Sinne zuschreiben lässt. Konfigurationen, in denen eine solche Agency wirksam wird, können in 'neomaterialistischen' Zugängen neben 'natürlichen' Personen gleichermaßen Materialitäten, Apparate, Inskriptionen oder Programme umfassen. Die Jahrestagung wird dabei die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen (Gruppen von) individuellen, kollektiven und institutionellen bzw. industriellen Akteurinnen und Akteuren fokussieren – und dabei nicht zuletzt Unterscheidungen wie die zwischen Produzentinnen und Produzenten sowie Konsumentinnen und Konsumenten von Comics als Effekte der Distribution von Agency innerhalb historisch gewachsener medialer Konfigurationen zum Vorschein bringen.

Agency steht schließlich auch auf dem Spiel, wenn Rezipierende sich den hegemonialen Bedeutungen bzw. Deutungsmuster multimodaler Texte widersetzen und gegenläufige Positionen beziehen, wobei Autorinnenschaft und Autorenschaft als Attribution von Deutungshoheit zwischen diversen Instanzen – wie etwa Szenaristinnen und Szenartisten, Zeichnerinnen und Zeichnern, Koloristinnen und Koloristen und anderen Künstlerinnen und Künstlern, aber auch Herausgeberinnen und Herausgebern oder Rechteinhaberinnen und Rechteinhabern, Verlagen oder Konglomeraten und natürlich Rezipierenden oder Fans – verstanden werden kann. Entsprechend lassen sich aus der skizzierten Perspektive Aspekte der Produktion von Comics (Autorinnen- und Autorschaft und Institutionalisierung) auf Aspekte ihrer Rezeption (Appropriation und Diskursivierung) ebenso wie auf Aspekte ihrer Zirkulation (Partizipation und Kanonisierung) sowie auf ihre Potentiale zur Transmedialisierung und Öffentlichkeitsbildung beziehen.

Vor diesem Hintergrund freuen sich die Veranstalterinnen und Veranstalter über Beitragsvorschläge auch – aber keineswegs ausschließlich – zu den folgenden thematischen Bereichen:

  • (De-)Konstruktion von Autorinnen- und Autorschaft
  • Untersuchungen zu Produktionsvorgängen
  • Fan-Diskurse und Rezensions-Mechanismen
  • Probleme der kulturellen Teilhabe und Partizipation
  • Kanonisierung sowie Einschlüsse und Ausschlüsse aus Continuity-Fragen
  • Kontrolle über transmediale Franchises, Storyworlds und Figuren
  • Einflüsse wandelbarer Techniken und Technologien auf Praktiken der Produktion, Distribution und Rezeption von Comics
  • Der Einfluss ökonomischer Aspekte und Comic-Kulturen
  • Fragen unterschiedlicher Öffentlichkeitsbildungen mit und durch Comics

Formalia

Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Die Tagungsbeiträge sollen eine Länge von 20 Minuten plus Diskussion nicht überschreiten. Eine Publikation ausgewählter Beiträge ist geplant. Für die Einreichung eines Beitragsvorschlags ist die Mitgliedschaft in der ComFor nicht erforderlich. Die Teilnahme von Nicht-ComFor-Mitgliedern ist herzlich willkommen!

Die ComFor verfolgt über die je spezifischen Tagungsthemen hinaus das Ziel, die Zusammenarbeit und den Austausch in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Comics zu stärken. Zusätzlich zum Tagungsthema bietet die Jahrestagung daher ein thematisch offenes Forum, auf dem angedachte und laufende Forschungsprojekte aller Art vorgestellt und gemeinsam konstruktiv diskutiert werden können. Das Format richtet sich an Kolleginnen und Kollegen in allen Phasen und von Forschungsprojekten, von Abschlussarbeiten über Promotions- und Habilitationsprojekte bis zu freien und außerakademischen Vorhaben. Vorträge im Rahmen des Forums sollen 15 Minuten plus Diskussion nicht überschreiten.

Bitte schicken Sie ein Abstracts von etwa 500 Wörtern als PDF- und Word-Datei mit kurzen biobibliographischen Angaben in deutscher oder englischer Sprache bis zum 31. Mai 2020 an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Markieren Sie bitte, ob es sich um einen Vorschlag für einen Vortrag zum Tagungsthema oder einen Diskussionsbeitrag zum Forum handelt.

[Quelle: Call for Papers]


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