[12.02.2020]

Die Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien 2020 gehen an Kristin Höller für ihren Roman Schöner als überall (Suhrkamp) und an Dita Zopfel für ihr Debüt Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte (Hanser Verlag). Beide Autorinnen erhalten ein jeweils sechsmonatiges Stipendium in Höhe von 12.000 Euro. Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien gehen die Stipendiatinnen zudem auf eine deutschlandweite Lese-Tour.

Die Auszeichnung wird vom Deutschen Literaturfonds in Kooperation mit dem Arbeitskreis für Jugendliteratur vergeben, die Übergabe der Auszeichnungen erfolgt auf der Leipziger Buchmesse: am 12. März 2020, um 14.00 Uhr, im Saal 1 des Congress Centers. Mitglieder der Jury sind Christine Knödler (Freie Journalistin), Ralf Schweikart (Vorsitzender des Arbeitskreis für Jugendliteratur) und Prof. Dr. Jan Standke (Vorsitzender der Kritikerjury zum Deutschen Jugendliteraturpreis).

Die Stipendiatinnen und ihre ausgezeichneten Bücher

Kristin Höller studiert seit 2015 Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften in Dresden. Seit Oktober 2017 ist sie Mitveranstalterin von OstKap, der Dresdner Lesereihe für junge Literatur. Schöner als überall ist ihr erster Roman.

Aus der Jurybegründung:

"Es gibt Sätze, die stehen als sattsam bekannte Weisheiten in der Welt herum. "Am Ende ist man allein", ist ein solcher Satz. Bis Kristin Höller sich seiner annimmt und ihn auserzählt.
Folgerichtig lässt sie auf dem Münchner Königsplatz die bronzene Athene sozusagen demontieren. Danach ist der Speer abgebrochen und Martin und sein Sandkastenkumpel Noah brausen im Auto durch die Nacht, mit dem Speer im Gepäck. Der muss schließlich weg, sonst gibt’s Ärger. Sie landen in der Kleinstadt, in der sie groß geworden sind, treffen alte Freunde an alten Orten ihres alten Lebens, aus dem sie herausgewachsen sind wie aus alten Kleidern. Martin zumindest. Überall ist es schöner! Doch in München knirscht die Einsamkeit in den Zimmerecken, und Mugo, Martins erste große Liebe und ansteckende Aufbrecherin in die weite Welt, jobbt jetzt an der Tankstelle am Ortsausgang. Oder ist es der Eingang?

Dieser Art sind die Koordinaten und Fragen, zwischen die Kristin Höller ihre Geschichte stellt. Präzise beobachtet, mit enormem Gespür für adäquate Situationen und (Sprach-)Bilder, lässt sie Erwartung los auf Enttäuschung, Träume auf Gewöhnung, Leben auf Lebenslüge, und macht aushaltbar, dass es nebeneinander gilt. Das ist klug und weise, witzig und voller Zärtlichkeit – schöner als überall. Nicht unbedingt ein Jugendbuch, aber unbedingt für Jugendliche, erzählt Kristin Höller von einem Sommer voller Abschiede. Der von der Kindheit ist einer davon. Am Ende allein, ist es ein großer Anfang. Ein erstaunliches Debüt."

Dita Zipfel lebt mit ihrer Familie im Süden Frankreichs und im Norden Deutschlands. Sie schreibt Bilderbücher, Theaterstücke, Drehbücher und mit Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte ihr Jugendbuchdebüt.

Aus der Jurybegründung:

"Manche Geschichten gewinnen mit den ersten Sätzen, weil sie so souverän wie lustvoll mit Erwartungen brechen, mit Geschlechter-Stereotypen etwa oder mit dem, was erlaubt ist in der Literatur für junge Leserinnen und Leser.

Verboten ist, dass ein sehr resolutes Mädchen bei einem alten Mann, pardon, bei einem verrückten alten Mann, Herrn Klinge, klingelt, um mit dem Hund Gassi zu gehen. – Dita Zipfel fängt damit an! Ihre Protagonistin Lucie will zur Ex-Freundin ihrer Mutter nach Berlin ziehen, weil Mamas neuer Freund, der "Glückskeks-Michi", eine so unglaubliche Nervensäge ist. Auch sonst geht Lucies Leben mehr drunter als drüber. Ihr Bruder stinkt, die Mädchen um sie herum verblöden schneller als man gucken kann, sie selbst verguckt sich und verrennt sich in der Liebe, kurz: Der Wahnsinn regiert. Zu dem gehört auch, dass der alte Klinge ihr ein Kochbuch diktiert, top secret, schließlich ersinnt er neue Wörter für Rezepte mit Zauberkraft. Zweibeln, Aalivenoil, Zeitronie und so. Alles klar? Nö, wieso! Das ist ja der Witz – und witzig ist das. Wortwitzig, sprachspielerisch, temporeich, und dialogstark – die Autorin hat bisher fürs Theater geschrieben. Voll schräger Einfälle und Pointen verhandelt sie en passant wesentliche Themen: Was normal ist, was wirklich, was wunderlich oder wundervoll. Was Wörter vermögen. Und wie Taten folgen. Ein kühnes Debüt."

Die Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien werden seit 2010 jährlich vergeben. Sie dienen dazu, deutschsprachige Jugendbuchautoren, die bereits erste überzeugende Titel veröffentlicht haben und eine positive literarische Entwicklung erkennen lassen, in ihrer Position zu stärken. Unabhängig von den Anforderungen des Marktes und unter finanziell gesicherten Lebensumständen ermöglichen sie ihnen, ein nächstes Buchprojekt zu verwirklichen.

Zum 10-jährigen Jubiläum der Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendien gehen die Stipendiatinnen von Mai bis November mit je drei Lesungen auf Deutschlandtour. Die Veranstaltungen richten sich an Jugendliche mit unterschiedlichen Bildungshintergründen. Interessierte Institutionen, Schulen, Buchhandlungen oder Bibliotheken können sich bis zum 31. März 2020 für einen solchen Termin bewerben. Die Auswahl der Stationen liegt beim Arbeitskreis für Jugendliteratur, gefördert wird die Tour vom Deutschen Literaturfonds.

Kontakt: Arbeitskreis für Jugendliteratur, Evi Nagler, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, (089) 45 80 80 82.

[Quelle: Pressemitteilung]


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