von Dr. Corinna Norrick-Rühl und Dr. Anke Vogel

Begriffsdefinition

Minibilderbücher sind eine Sonderform (und die typischste Ausprägung) des Minibuchs. In der Regel handelt es sich bei Minibilderbüchern um kleinformatige (ca. 10 x 10 cm), klammergeheftete, seriell erscheinende, günstige Publikationen mit flexiblem Einband und meist nicht mehr als 30 Seiten. Im Minibilderbuch besteht eine enge Verbindung zwischen Text und Bild; es richtet sich vordergründig an Kinder im Vorschulalter, weshalb es meist durchgehend vierfarbig gedruckt wird. In Anlehnung an die erfolgreichste Minibilderbuchserie weltweit, die seit 1954 im Carlsen Verlag erscheint, ist der Begriff "Pixi" oder "Pixibuch" zu einem generischen Markennamen für Minibilderbücher avanciert. Doch schon seit vielen Jahrzehnten gibt es zahlreiche Konkurrenzreihen aus anderen Verlagen (Pevau-Büchlein, Jussi-Bücher, Benny Blu usw.)

Explikat

Vom Format ausgehend können Minibilderbücher auch als Miniaturbücher eingeordnet werden. Als Miniaturbücher werden solche Bücher bezeichnet, deren Buchblock nicht größer als 10 x 10 cm ist (Blume 2015, 281). Allerdings widmet sich die vorhandene Forschung zum Miniaturbuch eher den häufig hochwertig ausgestatteten bibliophilen Miniaturbuchausgaben und weniger populären Gebrauchsgütern wie den üblicherweise erhältlichen Minibilderbüchern. Die Vertriebsform legt eine Annäherung über die Definition des Taschenbuchs nahe; so beschreibt etwa der Carlsen Verlag seine Minibilderbücher im Umschlag als "erste[ ] Taschenbücher für jedes Kind". Minibilderbücher erfüllen tatsächlich einige Kriterien der Definition von modernen Taschenbüchern: sie erscheinen in regelmäßigen Abständen in sehr hohen Auflagen, immer im gleichen Format, mit normierten Seitenmengen und einem flexiblen Umschlag. Bis Ende des 20. Jahrhunderts war der Fortsetzungsbezug noch ein wichtiges Merkmal des Taschenbuchs; auch viele Minibilderbücher erscheinen in geschlossenen Serien mit einer standardisierten Ausstattung, wodurch eine Mindestabnahme seitens des Buchhandels gewährleistet wird. Durch diese verschiedenen Rationalisierungsmaßnahmen haben Minibilderbücher (wie die klassischen Taschenbücher) einen sehr niedrigen Preis (in Deutschland üblicherweise unter der psychologischen Hemmschwelle von 1€). 

Wenn man jedoch die Inhalte in den Blick nimmt, ist weder die Herangehensweise über die Miniaturbuch-Definition noch über die Taschenbuch-Definition hinreichend; man muss zusätzlich bei Definitionen des Bilderbuchs und bei populären Lesestoffen ansetzen. Minibilderbücher bieten als kleine Bilderbücher jungen Leserinnen und Lesern ein "Wechselverhältnis von Bild und Text" (Sevi 2012) und sind in der Regel als populäre Lesestoffe zu verstehen. Kinder im Vorschul- und Vorlesealter bilden die Zielgruppe der Minibilderbücher, wobei sich nicht selten auch Mehrfachadressierungen attestieren: Inhalte und Marketingbemühungen sind sowohl an Kindern wie auch Gatekeepern (Eltern, Großeltern sowie Personen in Bildungs-einrichtungen) ausgerichtet und auch erwachsene Sammlerinnen und Sammler zählen durchaus zu den Rezipienten. Zudem ist nicht nur bei vielen Verlagen, die Minibilderbuchserien herausbringen, eine Diversifikationsstrategie zu beobachten. Die ursprüngliche Minibilderbuchreihe bringt Ableger hervor, bei denen die Zielgruppen weiter variieren: es gibt Produkte, die für etwas ältere Leserinnen und Leser konzipiert sind (etwa kleine Sachbücher) oder auch für Babies und Kleinkinder (in veränderter Ausstattung). Zudem wandern die ursprünglich mit dem Minibilderbuch verbundenen Marken ins App-Geschäft, oder Charaktere und Figuren aus den Minibilderbüchern finden sich in anderen Verlagsprodukten wieder (zum Beispiel im Carlsen Verlag die beliebte Conni-Figur). 

Forschungsgeschichte

Minibilderbücher stellen im nationalen wie im internationalen Kontext ein Forschungsdesiderat dar. Als populäre Lesestoffe, die vorrangig an Vorschulkinder gerichtet sind, liegen Minibilderbücher und Minibilderbuchserien außerhalb der üblichen Forschungsbereiche von Literatur- und Buchwissenschaft. 

Die ursprünglichen "Pixie Books" sind um 1950 im nordamerikanischen Raum entstanden und erst anschließend nach Europa gekommen. Jahrzehntelang wurden auch die Inhalte in den mitteleuropäischen Minibilderbüchern (im Carlsen Verlag in Dänemark und Deutschland) aus angloamerikanischen Lizenzpools gespeist (vgl. Norrick-Rühl/Vogel 2013, 120-121). Seit einigen Jahren betreibt der Carlsen-Mutterkonzern Bonnier eine aktive Internationalisierungsstrategie der Marke Pixi. Insofern gibt es für eine international ausgerichtete Buch- und Kinder- und Jugendliteraturwissenschaft historisch wie aktuell gesehen viel Forschungspotenzial. Mit einem Fokus auf die Entwicklungsgeschichte der bekanntesten Minibilderbuchreihe im deutschsprachigen Raum, den Pixi-Büchern des Carlsen Verlages sind 2013 im Jahrbuch Kinder- und Jugendliteraturforschung (Norrick-Rühl/Vogel 2013) sowie 2014 in Imprimatur. Jahrbuch für Bücherfreunde (Norrick-Rühl/Vogel 2014) erstmals Forschungsbeiträge zu Minibilderbüchern erschienen.  


Literatur

  • Blume, Julia: Miniaturbuch. In: Reclams Sachlexikon des Buches. Hrsg. von Ursula Rautenberg. 3., vollständig überarbeitete und aktualisierte Aufl. Stuttgart: Reclam, 2015. S. 281.
  • Norrick-Rühl, Corinna und Anke Vogel: Sammelleidenschaft zum Quadrat. 60 Jahre Pixi-Buch. In: Imprimatur XXIV (2015). S. 101–130.
  • Norrick-Rühl, Corinna und Anke Vogel: Kleine Bücher mit großer Wirkung. Prolegomena zur Erforschung des Pixi-Buchs. In: Kinder- und Jugendliteraturforschung 2013/14. Hrsg. von Bernd Dolle-Weinkauff, Hans-Heino Ewers und Carola Pohlmann. Frankfurt: Peter Lang, 2014. S. 119–131.
  • Sevi, Annika: Bilderbuch. In: KinderundJugendmedien.de. Fachlexikon/Sachbegriffe. http://www.kinderundjugendmedien.de/index.php/begriffe-und-termini/281-bilderbuch  (20.05.2012). 

Erstveröffentlichung: 09.12.2015


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