von Judith Ammon, Lisa Haberstroh, Corinn Holder, Laura Oser und Felicitas Röhrle

"Schatten, die auf unser Leben fallen, sind nichts anderes als ein sicheres Zeichen dafür, dass es irgendwo ein Licht geben muss, das es sich lohnt zu suchen." (Jochen Mariss) Diese Erfahrung macht auch die Protagonistin in Shaun Tans außergewöhnlichem Bilderbuch.

Tan, Shaun: Der rote Baum.                                                                       A. d. Englischen von Eike Schönfeld.
Aladin, Hamburg, 2013.
32 Seiten. 16,90 €
ISBN 9783-8489-0038-1.
Empfohlen ab 7 Jahren.

Inhalt

"Manchmal beginnt der Tag ohne Aussicht auf etwas Schönes", denkt sich die kleine weibliche Hauptfigur aus Der rote Baum beim Aufwachen eines Morgens. Sie gerät daraufhin in einen Strudel negativer, düsterer Gedanken und Gefühle und es scheint immer schlimmer zu werden. Über den Tag hinweg  kann sie an keinem Ort Mut schöpfen. Im Glauben, dass der Tag so schrecklich endet, wie er begonnen hat, kehrt sie nach Hause zurück und findet dort ihre Hoffnung wieder.

Der rote Baum

Kritik

Zunächst mutet das künstlerische Buch sehr düster, depressiv, melancholisch und trostlos an. Im ersten Moment ist es schwer vorstellbar, dass dieses Werk für Kinder geeignet ist, da es mit der klassischen Bilderbuchwelt bricht.

Vor allem die Illustrationen verstärken diesen Eindruck. Diese zeichnen sich durch realistische Darstellungen, die durch surrealistische Elemente gebrochen sind, aus. Die verwendeten Farben sind größtenteils dunkel und gedeckt. In einem der Bilder sitzt das Mädchen beispielsweise eingepfercht, mit einem vorzeitlichen Taucherhelm auf dem Kopf, in einer übergroßen Flasche. Der dunkle, blaugraue Strand im Hintergrund lässt Assoziationen zu Caspar David Friedrichs Werk Der Mönch am Meer (1808-1810) zu. Genau wie das Gemälde drückt dieses Bild Isolation und Einsamkeit aus. Generell ziehen sich derartige visuelle Metaphern durch die gesamte Geschichte. Auch durch den Detailreichtum und die Größe der Bilder, die sich meist über eine Doppelseite erstrecken, werden die erlebten Gefühle des Mädchens verstärkt an den Leser weitertransportiert. Trotz der Anonymität der Protagonistin kann man auf diese Weise sehr eindrücklich Empathie entwickeln.

Des Weiteren werden die dominierenden Illustrationen durch kurze Textpassagen unterstrichen. Dabei ist es durch die direkte Adressatenansprache in Du-Form für den Rezipienten möglich, sich mit dem Mädchen zu identifizieren.

Am Ende des Buches jedoch wandelt sich die Stimmung. Bei der Rückkehr nach Hause findet die Heldin einen großen, rot leuchtenden Baum vor, welcher für die wiedergefundene Hoffnung steht.

Beim zweiten Betrachten des Buches fällt schließlich auf, dass die Hoffnung die ganze Zeit allgegenwärtig war. So taucht auf jeder Seite unverhofft ein kleines, rotes Blatt des Baumes auf.

Fazit

Dieses melancholische Buch ist nicht unbedingt für Kinder zum selbstständigen Durchblättern geeignet, sondern erfordert eine behutsame Herangehensweise. Um die starke Symbolhaftigkeit des Werkes verstehen zu können, ist eine Anschlusskommunikation unabdingbar. Daher ist eine begleitete Lektüre mit Kindern ab etwa sieben Jahren möglich.

Im Gesamten eignet sich Der rote Baum gut, um zu verdeutlichen, dass traurige Phasen zum Leben gehören, die Hoffnung einen aber nie verlässt, auch wenn man sie vielleicht gerade nicht sieht.


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