von Mirijam Steinhauser

Nicht minder abenteuerlich als das Leben des kleinen Prinzen, einer der bekanntesten Figuren der Literatur, war das Leben seines Schöpfers Antoine de Saint-Exupéry. Dies zeigt der Bilderbuchkünstler Peter Sís in Der Pilot und der kleine Prinz, einer Lebensgeschichte in großartigen Bildern und mit intelligent integriertem Text.

Sís, Peter: Der Pilot und der kleine Prinz.
Das Leben des Antoine de Saint-Exupéry.
A. d. Englischen von Brigitte Jakobeit.
Aladin, Hamburg, 2014.
48 Seiten, 19,90 €
ISBN 9783-8489-0003-9.
Empfohlen ab 8 Jahren.

Inhalt

"Um die Wende zum 20. Jahrhundert kam in Frankreich ein kleiner Junge zur Welt, der später Abenteurer wurde." Dieser Junge hieß Antoine de Saint-Exupéry und sollte später ein berühmter Pilot und ein noch viel bekannterer Schriftsteller werden. Peter Sís erzählt in seiner Bild-Biografie von Saint-Exupérys Traum, zu fliegen. Schon als Kind flog dieser bei einem anderen Piloten mit, später erlernte er selbst das Fliegen und war zunächst als Luftpostpilot tätig. Im zweiten Weltkrieg musste er als Kriegspilot fliegen. Als Frankreich von Deutschland besetzt wurde, floh Saint-Exupéry und lebte für eine Weile in New York, wo er sich nicht wohlfühlte und schließlich zu Wasserfarben und Stift griff. Das Ergebnis ist bekannt: "Im April 1943 erschien Der kleine Prinz. Darin beschrieb er einen Planeten, der unschuldiger war als der seine, mit einem Jungen, der sich weit fort von zu Hause wagte, viele Fragen stellte und Antworten suchte." Kurz darauf meldete sich der Autor wieder zum Kriegsdienst, um über Frankreich fliegen zu können. Von einem Feindbeobachtungsflug am 4. Juli 1944 kehrte Saint-Exupéry nicht mehr zurück: "Manche sagen, er habe seine Sauerstoffmaske vergessen und sei im Meer verschwunden. Vielleicht fand Antoine seinen eigenen glitzernden Planeten bei den Sternen."

Kritik

Auf dem Cover des wertig ausgestatteten Buches (Umschlag, Einband mit eingeprägtem Flugzeug, illustrierte Vorsatzpapiere) sind sie beide zu sehen: der großäugige kleine Prinz mit wehendem Schal und sein Erfinder, der Pilot Saint-Exupéry. Einander zugewandt stehen sie auf einem gelb leuchtenden Planeten, inmitten von himmlischem Blau. Innerhalb der poetischen Illustrationen von Peter Sís verschmelzen sie manchmal zu einer Figur: Der Autor-Illustrator stellt Saint-Exupéry als Kind und im Angesicht des Todes ebenso dar wie den kleinen Prinzen auf dem Cover. Insgesamt liefert Sís auf den vielseitig durchkomponierten Seiten ein sehr persönliches Bild des begeisterten Fliegers und Literaten. Zu dieser einfühlsamen Lebensschilderung passt auch der Klappentext, in dem Sís von seinem persönlichen Bezug zu Saint-Exupéry schreibt. Neben der emotional-poetischen Ebene des Buches wird der Leser darin aber auch über die Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts informiert, von den fliegerischen Erfindungen um die Jahrhundertwende bis zu den Schrecken des zweiten Weltkrieges. Dies geschieht überwiegend auf der Bildebene. Wesentliche Elemente der Illustrationen sind dabei Landkarten und Flugzeuge. Häufig enthalten die Darstellungen mehrere Ebenen: So ist beispielsweise auf einer Doppelseite, die Saint-Exupérys Flüge über Westafrika visualisiert, in den Umrissen eines Flugzeuges die Karte der überflogenen Länder zu sehen. Durch kleine Medaillons, die von schriftlichen Erläuterungen umgeben sind, gelingt es Sís, hier wie in vielen weiteren Illustrationen noch zusätzliche Angaben einzubringen. Damit wird dem fortlaufenden Text, der sich im unteren Bereich der meisten Doppelseiten befindet, weitaus mehr Text gegenübergestellt, der – sehr klein geschrieben – in die Illustrationen integriert ist und somit zum gestalterischen Element wird. Der Rezipient kann dabei selbst entscheiden, wie viele Informationen er bei einer Begegnung mit dem Buch aufnehmen möchte. Will er alles lesen und betrachten, so kann er sich mehrere Stunden mit Der Pilot und der kleine Prinz befassen.

Fazit

Peter Sís beweist sich in Der Pilot und der kleine Prinz wieder einmal als einer der herausragendsten Bilderbuchkünstler der Gegenwart. Sein Buch über Saint-Exupéry ist ein Kunstwerk und zugleich ein Sachbuch in seiner besten Gestalt, das Emotion, Narration und Information äußerst gelungen miteinander verwebt. Damit eignet es sich für Kinder ab etwa acht Jahren sowie auch für Erwachsene zum sehr intensiven und immer wiederkehrenden Betrachten und inspiriert zur weiteren Auseinandersetzung mit seinen verschiedenen Themenwelten. 2015 wurde es zu Recht in der Sparte Sachbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.


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