Braun, Dieter: Die Welt der wilden Tiere im Norden / Die Welt der wilden Tiere im Süden

von Tanja Lindauer

Aus der Masse der Bilderbuchneuerscheinungen hervorzustechen ist gar nicht so einfach. Dieter Braun allerdings ist dies mit seinen beiden Tierbüchern gelungen. Der erste Band, Die Welt der wilden Tiere im Süden, wurde zu Recht zu einem der schönsten Bücher des Jahres 2015 gekürt.

Braun, Dieter: Die Welt der wilden Tiere im Norden / Die Welt der wilden Tiere im Süden
München, Knesebeck, 2015/2014
je 144 S., 29,95 €
ISBN 978-3-86873-822-3 / -734-9

 Inhalt

Dieter Braun reiste etliche Jahre um die Welt, um Tiere aus nächster Nähe zu erforschen. Herausgekommen sind dabei zwei kongeniale Bildbände: In seinen beiden Tier-Bildbänden Die Welt der wilden Tiere im Norden und Die Welt der wilden Tiere im Süden stellt Dieter Braun so dem jungen Leser verschiedenste Tiere aus der nördlichen und südlichen Hemisphäre vor. Sind wir "im Süden" noch in Südamerika, Australien, Asien, Afrika und der Antarktis auf Safari, so wird der zweite Band in drei Kapitel unterteilt: Nordamerika, Europa und Asien. Von A wie Amerikanischer Hummer (Norden) oder Adeliepinguin (Süden) bis Z wie Zweifingerfaultier (Süden): Zu einigen Tieren hat Braun neben seinen Illustrationen auch die verschiedensten Informationen zusammengetragen. So erfährt man über die Goldstumpfnase, Rhinopithecus roxellana, dass der Affe sein Fell etwas länger trägt als seine Verwandten, da es in Zentralchina mitunter auch einmal kühl werden kann. Der Schnabel des Riesentukans ist eine Art Klimaanlage und das Langschwanzwiesel wechselt das Fell je nach Jahreszeit. Dabei ernähren sie sich vor allem von Mäusen, Kaninchen, Vögeln und auch Reptilien. Die Informationen zu den einzelnen, allerdings nicht allen. Tierarten sind also recht unterschiedlich und es wird lediglich das erwähnt, was der Autor für erwähnenswert erachtet. Das kann mal der Lebensraum, die Feinde, Essgewohnheiten, die Größe etc. sein.

Kritik

Ein Wolf, der den Betrachter eindringlich ansieht, eine Gottesanbeterin, die majestätisch auf der Buchseite erscheint, riesige Elefanten und ein Eichhörnchen, das mit lebendigen Augen zu blinzeln scheint – mal auf einer Einzelseite, mal auf einer Doppelseite. Dieter Braun hat mit seinen beiden Büchern wahre Kleinode geschaffen und jedes der dargestellten Tiere wirkt lebendig und realistisch. Dies ist auch deshalb so faszinierend, weil grafische Elemente, klare Linien und Formen dafür verantwortlich zeichnen. Die Flecken des Geparden bestehen aus Dreiecken und Vierecken, das Nashorn etwa aus Ovalen und Halbkreisen. Der Kodiakbär schaut einen aus seinen kreisrunden Augen eindringlich an. Sie alle erinnern an die Plakate der 1950er, wobei der Retro-Touch am PC entsteht. Auch die Stiftung Buchkunst wurde von Dieter Braun in seinen Bann gezogen und kürte seinen Titel Die Welt der wilden Tiere im Süden zu einer der schönsten, bibliophilen Ausgaben 2015.

Der erste Band ist farbenfroh, von Rot und Pink über Blau bis Grün: Die Tierwelt der südlichen Hemisphäre ist farbenprächtig. Ganz anders gestaltet sich die Farbgestaltung in Die Welt der wilden Tiere im Norden: Grau, Weiß und Schwarz sind die dominierenden Farben, Farbe kommt dann ins Spiel, wenn wir die Eislandschaften verlassen und die Waldtiere erkunden: So mischen sich nun auch grüne und braune Farbtupfer unter.

Der Leser erfährt viel Wissenswertes über die einzelnen Gattungen und Arten. Natürlich darf auch eine Ermahnung im Vorwort "zum Norden" nicht fehlen, und dieses völlig zu Recht. Denn: "Fast ein Drittel der Tiere in diesem Buch sind in ihrem Fortbestand gefährdet, einige sogar unmittelbar vom Aussterben bedroht. Und auch wenn die Menschheit vielleicht ohne sie auskommt, so stirbt mit jeder Art ein Stück der bunten Vielfalt unseres Lebens."

Doch wirken die Texte, ganz im Gegensatz zu den Illustrationen, mitunter etwas zu bemüht und holprig. Ziehen die Bilder den Leser in das Buch hinein, so sorgen die Texte für Distanz. Wieso man nicht zu jedem Tier etwas erfährt, bleibt ebenfalls unklar. So heißt es zum Mähnenwolf etwa: "Mähnenwolf // Chrysocyon brachyurus. Rothaarig wie ein Fuchs, langbeinig wie ein Reh – dieser Mähnenwolf ist schon ein schickes Tier! Die namensgebende Mähne, die ihm an Nacken, Schnauze und Beinen wächst, ist meistens schwarz gefärbt. Der Mähnenwolf ist der größte Wildhund Südamerikas und unterscheidet sich in einem Punkt sehr von allen seinen Verwandten: Er lebt nicht im Rudel, sondern allein. Schade." Der Japanische Serau allerdings steht kommentarlos da. Leser ab sechs Jahren, die wissbegierig alle Informationen regelrecht verschlingen, werden also nicht vollends befriedigt. Wie Dieter Braun so treffend schrieb: Schade. Doch das Buch lebt vor allem durch die Illustrationen, die einzigartig und faszinierend sind.

Fazit

Vor allem Bibliophile werden von Dieter Brauns Bildwelten begeistert sein. Ob auch junge Leser sich für die Illustrationen derart begeistern werden und sie zu schätzen wissen, sei einmal dahingestellt. Doch Spaß am Entdecken werden Kinder ab sechs Jahren allemal haben und so werden Jung und Alt mit schönen Bildern und wissenswerten Details belohnt.

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