von Jula Endler


Was würdest du tun, wenn eines Tages ein Stinktier vor deiner Tür säße? Dem Mann in der Geschichte Das Stinktier passiert genau dies. Ihm wird mulmig. Was will das Tier von ihm und wie kann er es wieder loswerden? Der bekannte Kinderbuchautor Mac Barnett erzählt darüber eine kurzweilige Geschichte.


Inhalt

Barnett, Mac (Text); McDonnell, Patrick (Bild): Das Stinktier.         A. d. Englischen von Barbara Küper.
Tulipan, München, 2016.
44 Seiten, 13 €
ISBN 9783-86429-278-1.
Empfohlen ab 5 Jahren.

Ein Mann tritt aus seiner Tür und erblickt ein Stinktier. Vorsichtig weicht er ihm aus und geht los. Doch nach zwei Kilometern bemerkt er, dass sie nicht zufällig den Weg teilen: Das Stinktier folgt ihm! Eine Verfolgungsjagd beginnt. Der Mann rennt, doch auch das Stinktier rennt; der Mann trödelt, doch auch das Stinktier trödelt; der Mann schlägt Haken, doch er kann dem hartnäckigen Tier nicht entkommen. Er versucht es mit Bestechung, doch weder Apfel, Milch, noch Uhr bewegen das Tier dazu, wegzugehen. Also wieder Flucht! Mit dem Taxi zum Opernhaus und dort die große Erleichterung: Das Stinktier ist fort. Doch mitten in der ersten Arie kommt es hinein und lässt sich auf dem Kopf einer Frau im Publikum nieder. Weiter geht es also über den Friedhof und das Riesenrad und durch die Kanalisation bis in einen anderen Teil der Stadt, wo der Mann sich ein neues Haus kauft und erleichtert eine Willkommensfeier mit lauter fröhlichen Menschen gibt.
Doch muss er dauernd an das Stinktier denken. Also verlässt er seine Einweihungsparty und sucht verzweifelt in der Kanalisation, auf dem Riesenrad, … Als er das Stinktier schließlich findet, gibt er sich nicht zu erkennen. In seinem Versteck schwört er sich, dass er das Tier im Auge behalten wird, nur um sicherzugehen, dass es ihm nicht mehr folgt.

Das Stinktier
Kritik

Die Geschichte über das Stinktier mutet sehr drollig an. Sie ist amüsant und merkwürdig zugleich. Auf den 30 Seiten wird sie sehr knapp erzählt, pro Seite maximal sechs kurze Sätze, zumeist eher ein oder zwei. Somit bietet sich das Buch für Erstleser an. Die Sprache ist einfach gehalten und eindrücklich durch viele Wiederholungen. Erzählt wird die Geschichte untypischerweise aus der Ich-Perspektive des erwachsenen Mannes. Sie bleibt allerdings ohne wirkliche Auflösung und schwebt sozusagen in der Luft. Woher das Stinktier kommt, was es will und die weitere Zukunft der beiden, all dies verheimlicht Mac Barnett seinem Leser. Der Sinn der Erzählung wird nicht klar, die Handlung lässt viele Interpretationsebenen offen.
Die Illustrationen des Buches von Patrick McDonnel bestechen durch ihren Minimalismus. Sie erinnern an die Karikaturen aus Zeitungen als Unterhaltung für Erwachsene und sind untypisch für Kinderbuchillustrationen. Dennoch werden sie auch Kindern gefallen.
Das gesamte Buch ist einheitlich in den Farben schwarz, weiß und rot gestaltet. Auch der Vorsatz nimmt die Optik an und spiegelt einmal das gestreifte Stinktier wieder und einmal den Mann mit seinem Frack über dem weißen Hemd und der roten Fliege. Bis zu der Willkommensfeier in dem neugekauften Haus werden nur diese Farben verwendet. Während der Verfolgungsjagd gibt es unterhaltsame Ähnlichkeiten zwischen dem Mann und dem Stinktier zu entdecken. Die beiden laufen auf die gleiche Art und Weise, z. B. ist die Beinstellung dieselbe und die Nase des Stinktieres ist genauso rot wie die Fliege des Mannes. Wenn dieser sich später nicht mehr von den Gedanken an das Stinktier lösen kann, verändert sich die mit ihm tanzende Frau in stinktierähnliche Weise. Ihre Haare sind schwarz-weiß gestreift und ihr Zopf erhält die gleiche Form wie der Schwanz des Stinktieres. Solche Details sind sowohl für Kinder eine tolle Entdeckung wie auch für die erwachsenen Leser.


Fazit

Das Buch bietet durch die kurzweilige Geschichte und die amüsanten Illustrationen einen Spaß für Erwachsene wie für Kinder ab fünf Jahren und ist geeignet zum Vorlesen. Die Farbgestaltung der Illustrationen bietet Kindern den Spaß, die Parallelen zwischen Stinktier und Mann zu entdecken.
Bezüglich des Inhaltes bleiben einige Fragen offen, die im Anschluss an die Lektüre zwischen Eltern und Kindern besprochen werden können. Weshalb ist das Tier ausgerechnet ein Stinktier? Steht es vielleicht für etwas ganz anderes, schließlich ist es als Tier sehr negativ konnotiert? Wieso rennt der Mann vor ihm weg? Und wieso sucht er es, nachdem er es endlich losgeworden ist? Das Stinktier spiegelt äußerlich den Mann wieder, gilt das auch für dessen Eigenschaften?
Zielt man auf eine eindeutige Aussage ab, so wird Das Stinktier dieses Ziel nicht erfüllen, da es seinen Lesern eine eindeutige Antwort schuldig bleibt. Nichtsdestotrotz ermöglicht es über eine einfache Geschichte vortreffliche Diskussionen. Auch erfreut die Optik des Buches den erwachsenen Leser, der dieses gerne in sein Regal aufnehmen wird.

 

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