von Sabine Planka

Egon Schwein macht zusammen mit seinen Freunden einen Ausflug an den Strand. Weil keiner mit ihm spielt, beschließt er, für immer mit dem Schlauchboot wegzufahren. Doch dann passieren viele Dinge, die Lesern ab vier Jahren zeigen: Egon ist nicht allein…

Wewer, Iris: Egon Schwein spielt ganz allein.
ArsEdition, München, 2015.
32 Seiten, 12,95 €
ISBN 978-3-8458-0426-2.
Empfohlen ab 4 Jahren.

Inhalt

Als Egon Schwein mit allen anderen Tierkindern zum Strand gefahren ist, muss er feststellen, dass sein bester Freund auf einmal mit anderen Tieren spielt – und er selbst allein ist. Trotzig beschließt Egon: "'Ich fahre weg' […]. 'Für immer!'" (o.P.). Er packt seinen Teddy, eine Angel, Schwimmflossen, eine Schweinepiratenfahne und ein kleines 'Nachziehbötchen' in sein grünes Schlauchboot, zieht das Boot Richtung Meer und sticht in See. Mit gehisster Fahne paddelt Egon nun über das Meer – und sieht plötzlich aus den Fluten zwei Pfoten auftauchen, die einem Löwen gehören, der Egon neugierig anschaut und zu ihm ins Boot klettert. Der Löwe berichtet Egon, dass auch er mal allein war und "erzählt […] vom Weggehen und vom Wiederkommen, vom Meeresrauschen und von goldenen Krokodilstränen" (o.P.). Egon Schwein ist noch ganz beeindruckt vom Löwen, als plötzlich ein Bär mit seinem U-Boot auftaucht:

"Was gibt’s denn hier zu reden?", fragt der Bär. Der Löwe zeigt auf Egon und sagt: "Er ist traurig. Sein Freund spielt mit einem anderen." "Ach, das habe ich auch schon mal erlebt", sagte der Bär und kletterte ins Boot. Dann erzählte er vom Liebhaben und von den Seepferdchen, vom Singen der Wale und dem Klatschen der Wellen. (o.P.)

Nach und nach füllt sich Egons Schlauchboot: Ein Pinguin, eine Giraffe, eine Kuh, ein Schaf, ein Fuchs und eine Gans sind zugestiegen ebenso wie in Küken und ein Dachs und erzählen wild durcheinander vom Alleinsein, aber auch von Freundschaft, Zusammenhalt und Gemeinsamkeiten – als plötzlich ein Hai auftaucht und sich das kleine Küken an Bord bedroht fühlt. Gemeinsam können die Tiere den Hai in die Flucht schlagen und wieder an den Strand zurückrudern, wo Egon schon von Frau Hase erwartet wird, die ihm einen Kuchen gebacken hat: "'Weil du doch so allein bist.'" (o.P.) Aber: "Ist Egon denn allein?" (o.P.) …

Kritik

Iris Wewer ist mit ihrem Bilderbuch Egon Schwein ist ganz allein ein wunderbares, liebevoll illustriertes Bilderbuch gelungen, das sich der Thematik des Alleinseins und der Freundschaft ebenso annimmt wie Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt. Es zeigt: Jeder kann mal allein sein, weil sich daraus wiederum so wundervolle neue Freundschaften ergeben können, wenn man nur offen durch die Welt geht und Begegnungen zulässt. Gleichzeitig veranschaulicht sie, dass gemeinsames Erleben zusammenschweißt und eine neue Gemeinschaft entstehen lässt, in der jeder für den anderen da ist.
Im Präsens und in einfachen kurzen Sätzen erzählt Wewer ihre Geschichte, die die fast ausschließlich doppelseitigen farbigen Bilder ergänzt und Egon Schwein ins Zentrum stellt.
Sowohl durch die textuelle, besonders jedoch durch die visuelle Erzählung – die Geschichte würde vermutlich auch ohne Text problemlos bestehen können, was für die Qualität der Illustrationen spricht – werden die aufgegriffenen Themen dem kindlichen Leser nahegebracht. Auf den bunten Bildseiten kann man eine Menge entdecken und natürlich schnell feststellen, dass Egon keineswegs allein ist, sondern sogar ziemlich schnell neue Freunde findet.
Zusammenhalt und Gemeinschaft werden nicht nur als solche aufgegriffen, sondern besonders hervorgehoben durch die 'Mischung' der Tiere, die aufeinandertreffen: So trifft der Löwe auf das Schwein, der Fuchs auf die Gans und der Bär auf das Schaf. Als einzige Bedrohung erscheint der Hai, vor dessen – vermeintlichem – Angriff sich die Gemeinschaft erfolgreich schützen kann.
Besonders Egon als Protagonist verdient es, hervorgehoben zu werden. Iris Wewer gelingt es ganz vorzüglich, Egons Trauer über den Verlust des Freundes ebenso wie seinen trotzigen Entschluss zu gehen einzufangen und dem Leser zu vermitteln – und ihn damit auf einer emotionalen Ebene anzusprechen: Welches Kind kennt es nicht, wenn der beste Freund/die beste Freundin plötzlich mit anderen Kindern spielt und man selbst allein zurückbleibt und so gar nicht weiß, was man machen soll? Besonders Egons Mimik ist hervorragend getroffen: Neben den – zugegebenermaßen typischen – herunterhängenden Mundwinkeln hängen auch seine Schweinsohren herunter, seine Augen sind traurig aufgerissen und die Augenbrauen hochgezogen, als er erkennt, dass er allein spielt. Die Neugierde bei den Begegnungen mit neuen Freunden, die sein Schicksal auch schon einmal geteilt haben, sieht man an seinen aufgestellten Ohren und der offenen Gestik, mit der er neue Tiere in seinem Boot aufnimmt und mit denen er schließlich seinen Kuchen teilt – denn Freunde teilen alles miteinander.

Fazit

Iris Wewer gelingt es in Egon Schwein spielt ganz allein zu zeigen, dass man neue Freunde finden kann, an Orten, an denen man nicht mit ihnen gerechnet hat. Die gewählte Thematik und die visuelle Umsetzung ist für Kinder ab vier Jahren geeignet. Sie können in den detailreichen Bildern vieles entdecken. Mit Egon Schwein wird ihnen ein Protagonist angeboten, mit dem sich kleine und größere Leser identifizieren können.

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