von Dr. phil. Sabine Planka

Ein Wimmelbuch der anderen Art für Leser ab vier Jahren: Prinz Balthasar von Bommelblitz vergisst sein Schwert bei Prinzessin Primula auf Schloss Prisselplüsch – und die Prinzessin soll es ihm bringen. Eine abenteuerliche Reise durch das Land beginnt…

Büchel, Simak (Text); Friedeberg, Fides (Bild): Liebe Prinzessin, ich bin`s, Dein Prinz.
Bohem, Münster, 2016.
32 Seiten, 14,95 €
ISBN 9783-95939-034-7.
Empfohlen ab 4 Jahren.

Inhalt

Der Inhalt dieser Geschichte ist kurz erzählt. Prinzessin Primula bekommt Post von Prinz Balthasar von Bommelblitz:

"Liebe Prinzessin, ich bin’s, Dein Prinz!
Du, ich habe eine große Bitte an Dich. Letztes Mal beim Spielen habe ich mein Schwert bei Dir im Schloss liegen lassen. Kannst Du mir das bitte bringen? Ich brauch es ganz dringend! Ein Prinz ohne Schwert, Du, das geht nicht. Das ist schlimmer als nackig! Komm schnell, bitte!
Mit Gruß und Kuss!
Dein Prinz Balthasar von Bommelblitz!"

Die Prinzessin sucht ihr Reisegepäck im Schloss zusammen und macht sich auf den Weg durch den Wald der wilden Wagnisse mit den "ulkigen Ungetüme[n]" (o.P.), durch das Zipfelzacken-Gebirge mit den Zipfelzackenzwergen, durch den Weiler Wachtelklecks, einen weltbekannten Wallfahrtsort für Wanderratten, durch den Ozean der orangefarbenen Oktopusse, durch die Grotte mit den Grottenolmen, durch die Großstadt und über die Urzeitinsel, auf der sie den Weltenfahrstuhl nimmt und bei Prinz Balthasar ankommt, der sie schon sehnlichst erwartet und ihr sagt, dass sie etwas verloren hat…

 

Kritik

Mit dem Bilderbuch, dessen Idee von der Illustratorin Fides Friedeberg stammt, ist dem Autorenduo eine wunderbare Geschichte gelungen, die auf mehreren Ebenen besticht.

Es greift die Idee des Wimmelbuches auf und lädt die LeserInnen nicht nur dazu ein, versteckte Dinge in den doppelseitigen Bildern zu suchen, sondern auch, die kleine Prinzessin auf ihrer Reise zu begleiten, so dass das Buch strenggenommen mehr ein Suchbuch als ein Wimmelbuch ist. Die Reise führt durch die unterschiedlichsten Welten, die wiederum allesamt bis ins kleinste Detail liebevoll ausgestaltet sind. Die Gegenstände, die es zu suchen gilt, richten sich nach jeder Welt/Landschaft, die die Prinzessin mutig durchqueren muss. Als sie den Brief von Prinz Balthasar erhält, steht sie vor dem Schloss. Der Leser wird hier entsprechend aufgefordert, zehn Purpur-Spatzen zu suchen, die sich überall versteckt haben. Im zweiten Bild, das die Prinzessin in ihrem Schloss beim Packen zeigt und durch einen Text begleitet wird, werden neun Gegenstände aufgezählt, die sie mitnehmen will und sucht – und die LeserInnen gleich mit ihr. Die Zahl der Gegenstände, die es zu finden gilt, minimiert sich in den Texten, je näher die Prinzessin an Balthasars Schloss kommt. Das erinnert an Zählgeschichten, auch Zählreime genannt, die entweder auf- oder – wie in diesem Fall – absteigend zählen.

Erweitert wird das Wimmelbuch durch eine fortlaufende Geschichte, die die einzelnen Welten miteinander verbindet – zusätzlich durch den absteigenden Abzählreim, der sich ebenfalls durch die Bilder fortsetzt und auf textueller Ebene die Bilder begleitet, jedoch nicht beschreibt. Das ermöglicht es den LeserInnen, sich auf die Bilder zu konzentrieren und so einer primär visuell erzählten Geschichte zu folgen, die sich auf optischer Ebene immer wieder verändert und so gleichsam fordert und anregt, das 'Drumherum' zu entdecken.

Schön ist, dass sich das Buch nicht nur an Mädchen richtet, wie der Beginn zunächst andeuten mag: Man sieht das klischeehaft rosafarbene Schloss der Prinzessin, das im Inneren zusätzlich himmelblau, mintgrün und zitronengelb gestaltet ist. Dann aber wandeln sich die Farben recht schnell: Der Wald der wilden Wagnisse weist schon mehr Grün als Violett auf. Das Zipfelzackengebirge vermischt violette Töne mit Ocker und Braun, bis die Bilder zunehmend bunter werden und schließlich, je näher die Ankunft bei Prinz Balthasar rückt, immer stärker ins Blaue changieren, eine deutliche Reminiszenz an die Jungen oftmals zugeschriebene – klischeehafte – Farbgebung.

LeserInnen können in die gezeichneten Welten abtauchen, die jede für sich ihren ureigenen, liebevollen Charme haben. Die Illustratorin hat dabei jede einzelne Welt per Hand entwerfen und mit Aquarellfarben koloriert: Ausgehend von einer groben Ideenskizze hat sie diese dann in Originalgröße ausgearbeitet (siehe Abb. 1) und in einem nächsten Schritt mit der farblichen Gestaltung begonnen. Dazu wurde über die Skizze auf dem Leuchttisch ein Blatt Aquarellpapier gelegt und festgeklebt. Zum Schluss vollendete die Bleistiftoutline das Bild (Abb. 2), bevor es vom Verlag eingescannt wurde.

Abb. 1

 

Abb. 2


Innerhalb der Bilder bezieht sich die Illustratorin immer wieder auf sich selbst und lässt Gegenstände aus vorigen in späteren Bildern auftauchen. So sind besonders in der futuristischen Großstadt zahlreiche Verweise auf vorige Welten zu erkennen: Der Wald ist zu einem Museum geworden, der Ozean zu einem Aquarium und die kleinen ulkigen Ungetüme aus dem Wald fliegen herum. In Balthasars Schloss findet man die Dinosaurier aus der Urzeitwelt als kleine Spielzeugtiere im Regal, ein Modell des Zipfelzackengebirges steht auf seinem Schreibtisch und hängt als Bild an der Wand, ergänzt um eine Zeichnung eines Zwerges.

Die Protagonistin der Geschichte, Prinzessin Primula, erscheint als toughes kleines Mädchen, das sich selbstverständlich und unbekümmert durch die Welten bewegt. Einziger kleiner Wermutstropfen: Die Prinzessin, die unabhängig erscheint und in ihrem eigenen Schloss wohnt, 'folgt' tatsächlich der Aufforderung des Prinzen und schlägt sich durch die Welt, um ihm sein Schwert zu bringen. Das hätte er sich doch auch selbst abholen können?

Fazit
Fides Friedeberg und Simak Büchel gelingt es, mit ihrem Bilderbuch anzuknüpfen an andere ‚Bilderbuchjagden‘ wie z.B. Die Torte ist weg oder Mona Lisa ist weg: Nicht nur einfach unter ein Motto gestellt, z. B. Abenteuer in der Großstadt o. Ä., wird durch das Buch hinweg konsequent eine fortlaufende Geschichte erzählt, der LeserInnen ab vier Jahren folgen können. Das Suchen und Zählen von Dingen, während man die Prinzessin begleitet, macht das Betrachten der Bilder zu einem wahren Abenteuer. Immer wieder kann man neue kleine Details finden und auch bei der fünften Betrachtung wird es nicht langweilig. Bitte mehr davon!

 

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