von Mirijam Steinhauser

Zählbilderbücher gibt es viele. Meistens werden damit die Kleinsten in die Welt der Zahlen eingeführt. Mit Die Null ist eine seltsame Zahl zeigt Henriette Boerendans, dass sich dahinter manchmal aber auch ein Kunstwerk und gleichzeitig ein Sachbilderbuch verbergen kann.

Boerendans, Henriette: Die Null ist eine seltsame Zahl.                       A. d. Niederländischen von Martin Rometsch.
aracari, Zürich, 2016.
30 Seiten, 14,90 €
ISBN 978-3- 905945-62-1.
Empfohlen ab 3 Jahren.

Inhalt

Ein Elefantenkalb, zwei Eisbärenjunge, drei kleine Braunbären… Diese Aufzählung klingt nach einem bekannten Muster aus Zählbüchern für kleine Kinder. In Die Null ist eine seltsame Zahl werden nach diesem Prinzip auf dreizehn Doppelseiten verschiedene Tierarten dargestellt, sortiert nach der Anzahl ihrer Jungen. Auf der rechten Seite befindet sich jeweils ein Farbholzschnitt, der die Tierkinder mit ihrem Mutter- (oder Vater-)Tier zeigt. Links werden in einem kurzen Text Informationen zu den Aufzuchtgewohnheiten der dargestellten Art gegeben. Zuzüglich befinden sich dort eine große farbige Zahl und eine Fußspur pro Tierkind. Die Lesenden erfahren unter anderem, dass Storcheneltern ihren Kindern nicht nur Futter, sondern sogar Wasser mit dem Schnabel bringen, oder dass Kaninchenbabys ihre Mutter nur fünf Minuten am Tag sehen. Nach den Tieren, die den Zahlen von eins bis zehn zugeordnet werden, folgen noch 50 (Tintenfischeier), 100 (Seepferdchenjunge) und null (Eier des ausgerotteten Dodos). Das Buch schließt mit einem Inhaltsverzeichnis, in dem die Zahlen und die entsprechenden Holzschnitte noch einmal im Kleinformat gezeigt werden.

Kritik

Schon der poetische Titel verheißt, dass Die Null ist eine seltsame Zahl kein gewöhnliches Zählbilderbuch ist. Hier steht weniger das Zählenlernen im Vordergrund als zum einen die Information über verschiedene Tierarten, zum anderen die fantastischen farbintensiven Holzschnitte der Bilderbuchkünstlerin Boerendans. Insofern handelt es sich eigentlich um ein Tierbilderbuch, das Zahlen als Strukturierungsmittel und künstlerisch eingesetzten Bildbestandteil verwendet.
Die ausgewählten Inhalte sind kindgerecht formuliert, dabei jedoch auch für Erwachsene nicht langweilig: Wer weiß schon, dass Tintenfische drei Herzen oder Ferkel ihren festen Zitzenplatz haben? Nachdenklich stimmt der Text über den Dodo, der vor langer Zeit lebte, bis "ein Boot mit Affen" kam, die alle Eier des Vogels aufaßen: "Die Null ist eine seltsame Zahl. Null bedeutet eigentlich, dass etwas, was du suchst, nicht da ist. Heute gibt es keine Dodos mehr. Das ist traurig." Der jungen Zielgruppe entsprechend endet das Buch versöhnlich mit einem Hinweis auf neue Tierarten unter Wasser und auf Bergen, die bislang kein Mensch entdeckt hat.
Wirklich besonders sind die Holzschnitte, die in Farbigkeit und Komposition abwechslungsreich gestaltet wurden und auf engem Raum warme, liebevolle Bilder von tierischer Elternschaft zeigen. Sie heben sich in ihrer sichtbar handgemachten, traditionell grafischen Technik ab von den zunehmend am Computer gestalteten Illustrationen in Neuerscheinungen. Das ist zwar noch nicht selbstredend positiv, in diesem Falle aber überzeugend umgesetzt. Nicht ganz schlüssig ist, dass jedem Tierjungen unabhängig von der Zahl seiner Füße nur eine Pfotenspur zugeordnet wird, hier wird der Zähl-Aspekt dem biologischen Kontext übergeordnet. Ansonsten ist das Buch auf jeder Ebene durchdacht. Zur ausgezeichneten Gestaltung tragen neben dem bildlichen Inhaltsverzeichnis die mit Zahlen bedruckten Vorsatzpapiere und die Ausstattung mit Leinenrücken bei.

Fazit

Die Null ist eine seltsame Zahl ist ein ruhiges, durchkomponiertes Sachbilderbuch. Es besticht durch seine gekonnten farbintensiven Holzschnitte und bringt zugleich inhaltlich interessante Aspekte ins Zählbuchgenre ein. Kinder in einer breiten Altersspanne von ca. drei bis zehn Jahren erhalten darin Informationen über Tiere und bekommen einen Augenschmaus gleich mit dazu. In den Niederlanden sind bereits zwei weitere Tier-Bücher von Boerendans erschienen, ein Abecedarium und ein Buch über die Schlafgewohnheiten verschiedener Tiere. Es bleibt zu hoffen, dass der aracari-Verlag diese Werke mit ihren ganz besonderen Bildern ebenfalls bald auf den deutschen Markt bringt.


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