von Mirijam Steinhauser

Genau hinsehen, Gefühle beschreiben, Details entdecken – dazu werden die kleinen Leser in Guido van Genechtens neuem Tierbilderbuch angeregt. Das ist lustig, aber keine neue Idee.

van Genechten, Guido (Text und Bild): Wer ist glücklich, wer ist froh?                                                                                                                  A. d. Niederländischen von Martin Rometsch.
aracari, Zürich, 2016.
18 Seiten, 13,90 €
ISBN 9783-9059-4561-4.
Empfohlen ab 2 Jahren.

Inhalt

Auf der ersten Doppelseite sieht man elf identische Eisbären im Schneegestöber. Identisch? Nein, nicht ganz. Darauf weisen vier Fragen hin, die zwischen den Tieren verteilt abgedruckt sind: "Wer ist verlegen? Wer ist sehr verlegen? Wer hat eine Schneeflocke auf der Nase? Und wer geht in den Winterurlaub?" Tatsächlich haben fünf Bären etwas rötere Wangen, einer eine Schneeflocke auf der Nase und ein Bär eine Pudelmütze auf dem Kopf. Zornige Nashörner, traurige Spinnen und ängstliche Schildkröten bevölkern die weiteren Seiten des Pappbilderbuches. Immer gibt es leichte Abstufungen im Gefühlsausdruck der Tiere, eines, das sich in einem weiteren Detail von der Masse abhebt, und ein Tier mit einem winterlichen Attribut. Auf der letzten Doppelseite sind die Winterurlauber in einer Schneelandschaft zu sehen mit der Unterschrift "Winterliche Grüße aus den Bergen".

Kritik

Der Autor-Illustrator Guido van Genechten ist geübt darin, Bilderbücher für die Kleinsten zu gestalten, die unterhaltsam sind, gleichzeitig aber auch einen Lerneffekt haben. Wer ist glücklich, wer ist froh? wird damit beworben, dass es die Sprachentwicklung fördert. Daneben regt es vor allem das genaue Hinsehen an.
Dabei wird auf ein altbewährtes Vorgehen zurückgegriffen, die Reihung einer Vielzahl von Tieren, die sich in winzigen Details voneinander unterschieden. Etwas variantenreicher, komplexer und dadurch lustiger hat das bereits vor einigen Jahren der Moritz-Verlag mit Wer versteckt sich? von Satoru Onishi (2010) vorgemacht. Van Genechten überträgt die Methode aufs Pappbilderbuch und bringt sie gleich in Serie heraus: In Belgien ist Wer ist glücklich, wer ist froh? als Teil der buitenbeentjes-Reihe erschienen, was soviel wie "Außenseiter" oder "Einzelgänger" bedeutet. Auf demselben Prinzip basierend legen die vier bislang erschienen Bände unterschiedliche Schwerpunkte: Mal müssen Körpermerkmale wie Flecken oder Punkte gezählt werden ("8, 9 und 10"), mal weichen die Positionen der Tiere voneinander ab ("darauf und darin") oder es gibt Unterschiede im Körperumfang ("dick und dünn"). Wenn Wer ist glücklich, wer ist froh? Erfolg hat, wird der aracari-Verlag sich möglicherweise auch an Lizenzen der anderen Bände wagen.

Die nahezu identischen Tiere sind gedruckt aus immer wiederkehrenden Einzelteilen. Attribute und sparsam eingesetzte Hintergrundelemente sind gezeichnet. Die Tiere wirken freundlich und einfach. Die zu entdeckenden Emotionen sind nicht immer eindeutig zu erkennen, dafür müssen Kinder und Erwachsene genau hinsehen. Etwas merkwürdig ist die Idee, die Tiere in den Winterurlaub zu schicken. So ergibt sich zwar ein weiteres durchgehendes Element, von den wesentlicheren Gefühlsausdrücken wird jedoch abgelenkt.

Fazit

Wer ist glücklich, wer ist froh? eignet sich für Kinder ab zwei bis drei Jahren, die Freude am Entdecken von Details haben. Die erwachsenen Begleiter können es nutzen, um mit ihnen darüber zu sprechen, woran man Gefühle erkennt. Dabei kann der Wortschatz erweitert und das genaue Hinsehen geschult werden. Außerdem kann das Bilderbuch dazu anregen, selbst einfache Drucktechniken wie den Kartoffeldruck auszuprobieren und dabei das Prinzip der Vervielfachung zu erproben.


catchme refresh
Joomla Extensions powered by Joobi

Veranstaltungen

Oktober 2018
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 31 1 2 3 4