König Ambrosius liebt und sammelt alles, was glitzert und funkelt. Als ihm eines Tages bei einer Präsentation seines Geschmeides ein Vogel auf den Kopf macht, beschließt er, König des Himmels zu werden. Fliegen will er können – und ist bereit, dafür alles zu geben. Ein modernes Märchen über Gier, Besitz und wahren Reichtum.

Mett, Christoph: König der Lüfte.
Bohem, Münster, 2017.
52 Seiten, 16,95 €
ISBN 978-3-95939-039-2.
Empfohlen ab 4 Jahren.
 
Inhalt

König Ambrosius regiert sein Königreich und "liebte alles, was teuer war und glitzerte. Deshalb wurde er von seinem Volk ‚König Klunker‘ genannt." (o.P.) Er will alles besitzen: Funkelnde, glänzende, leichte und schwere Sachen – alles sammelt er. Doch schnell zeigt sich, dass ihn sein Besitz bedrückt und im wahrsten Sinne des Wortes nach unten zieht:
 
Zu gerne hätte er mit seiner Tochter, der Prinzessin Rosi, getanzt! Aber seine unzähligen Goldketten, Armreifen, Ringe und Edelsteine machten ihn schildkrötenlahm. An seiner Stelle ließ er einen Meistertänzer kommen und sah zu, wie die beiden vergnügt durch den Ballsaal wirbelten. (o.P.)
 
Ambrosius nimmt sich alles, was ihn fasziniert, seine Gier ist unerschöpflich: Jemand, der schnell ist, wird als Bote eingestellt, jemand, der stark ist, als Allesträger und Aufpasser, und ein kluger Kopf erklärt ihm alles, was er nicht versteht. Der König wird dafür gefeiert, doch als er eine Rede halten will, macht ihm ein Vogel auf den Kopf und das ganze Land lacht über Ambrosius. Diese Schmach kann er nicht auf sich sitzen lassen: Wütend beschließt er, dass er "König des Himmels" sein will (o.P.).
Vögel werden auf seinen Befehl hin eingesperrt – und er will das Fliegen lernen, koste es, was es wolle. Alle möglichen Leute, etwa ein Schneider und ein Yogalehrer, einige Reporter und Wissenschaftler, versuchen nun, dem König das Fliegen beizubringen, bis sich
 
[e]ines Abends [ein] sonderbares Männlein vor dem König [verbeugte] und […] ihm etwas ins Ohr [flüsterte]: „Wer fliegen will, muss alles ablegen, was er besitzt. Dann soll er in
Bienenhonig baden und sich bei den Vögeln entschuldigen!“ (o.P.)
 
Der Wunsch des Königs, Fliegen zu lernen, ist so groß, dass er tut, wie ihm geheißen: Er entkleidet sich, badet in Honig und geht zu den Vögeln, die vor Angst flattern und schnattern und den König unwillentlich mit einem Federkleid ausstatten, mit dem er davon fliegt. Aber seine Freude hält nicht lange: Während sich das Männlein als diebische Elster entpuppt und fortan das Königreich regiert, wäscht ein Regenschauer das Federkleid des Königs ab. Doch statt traurig zu sein, fühlt er sich erleichtert und schwebt auf der Erkenntnis davon, dass nichts zu besitzen als sich selbst das Geheimnis des Fliegens ist. Glücklich, wie er nun ist, fliegt er davon – und pfeift morgens als ‚Zaunkönig‘ sein Lied.
 
 
Kritik

Mit König der Lüfte ist Christoph Mett eine Geschichte gelungen, die vor allem von ihren aufwendigen Bildwelten lebt, die Mett kunstvoll als gemaltes und schließlich dreidimensional arrangiertes Papiertheater entworfen und gestaltet hat. Dem Prinzip der Guckkastenoptik folgend und unter Zuhilfenahme digitaler Technik hat er auf besondere Art und Weise eine Räumlichkeit entstehen lassen, die den Betrachter sofort in ihren Bann zieht und verzaubert. Besonders schön ist, dass Mett den Rezipienten am Ende der Geschichte an diesem Entstehungsprozess teilhaben lässt und ihm einen Einblick hinter die Kulissen gewährt: Auf Skizzen folgt das Storyboard und anschließend die Gestaltung der Papierkulissen sowie die digitale Collage. (o.P.)
Neben der Art der Gestaltung ist es auch die Detailverliebtheit der Bilder, die zur näheren Betrachtung einlädt: Die Dinge, die der König sammelt, wirken auf den ersten Blick wie dunkle Maschinen und metallene Gegenstände, ein genaueres Hinsehen offenbart jedoch einen Drachen, ein Auto, einen Elefanten, überdimensionale Schrauben, Muttern und Federn, sogar ein Schiff ist am rechten Bildrand zu erkennen. Auch in den anderen Bildern zeigt sich die Liebe zum Detail: Der Schneider, der dem König das Fliegen beibringen soll, ist umgeben von einer Nähmaschine, einer Schere, einer Schneiderpuppe, ein Maßband hängt um seinen Hals, während er den König in dessen neu geschneidertem Hemd an einer Angel hält und ihn fliegen lässt. Auch Ungewöhnliches lässt sich finden: Die Unterweisungen des königlichen Yogalehrers, der dem König rät: "Um am Himmel spazieren zu können, muss man die Welt nur auf den Kopf stellen" (o.P.), sind auf dem Kopf stehend dargestellt – ebenso wie der auf dem Kopf stehende Yogi und der König –, so dass der Betrachter unter Umständen das Buch selbst umdrehen muss, um den Text lesen zu können.
Gleichzeitig wird der Blick auf Nostalgisches gelenkt: Bei der Befragung der Reporter sind eine Schreibmaschine und ein altertümlicher Fotoapparat mit Blitzlicht bzw. Vögelchen zu sehen, aber auch eine Filmkamera und ein ‚neumodischer‘ Fotoapparat sind zu erkennen. Hier spiegelt sich innerbildlich, was auf der Ebene der Buchgestaltung zu erkennen ist: Traditionelles Handwerk wird durch moderne Technik ergänzt und verfeinert und zeigt, dass sich Altes und Neues nicht ausschließen müssen, um symbiotisch etwas Schönes und Wunderbares zu erzeugen.
Zudem finden sich Anspielungen unterschiedlichster Art: Ein Torbogen, durch den zahlreiche Wissenschaftler entschwinden, die dem König das Fliegen nicht haben zeigen können,  weist den Schriftzug "Mensch ärgere dich nicht" auf, der Yogalehrer steht Kopf auf dem Schriftzug "Kulturzonen", ganz oft tauchen kleine Globen auf, die den Herrscherwillen des Königs symbolisieren.
All dies verbildlicht die simple wie einfache und doch nachhaltige und tiefbedeutende Botschaft, die schon in so manchem Märchen der Brüder Grimm und anderer Dichter zu finden ist und die von Mett mit grandioser Leichtigkeit in detaillierten Bildern und einfacher und doch nicht kindlicher Sprache vermittelt wird: Nichts zu besitzen als sich selbst macht wirklich glücklich und zufrieden.

Fazit

Mit König der Lüfte ist Christoph Mett wahrlich ein modernes Märchen gelungen, das Alt und Jung, Groß und Klein in seinen Bann zieht. Nachhaltig vermittelt es die Botschaft, dass zu viel Besitz nicht glücklich macht und wahre Freiheit dem Besitzlosen zuteilwird. Die Bilder des Buches bezaubern und laden Betrachter ab vier Jahren ein, die Geschichte immer wieder zu betrachten – und erklären auf amüsante Art und Weise, wer der Zaunkönig wirklich ist.
 
Literatur

Bohem-Verlag, Katalog Neuerscheinungen und Gesamtprogramm Herbst 2017, o.P.

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