von Mirijam Steinhauser

Wer schwedische Weihnachten Anfang des 20. Jahrhunderts nachempfinden möchte, ist mit diesem Bilderbuchklassiker der Autor-Illustratorin Elsa Beskow richtig beraten. Der letzte Band aus der Reihe um die Waisenkinder Peter und Lotta, die bei Tante Grün, Tante Braun und Tante Lila ein Zuhause voller Geborgenheit finden, kann nostalgisch gelesen werden, vermittelt heutigen Kindern aber auch zeitlose Werte und unterhält zugleich in Text und Bild gut.

Beskow, Elsa: Weihnachten mit Peter und Lotta.
A. d. Schwedischen von Diethild Plattner.
Urachhaus, Stuttgart, 2017.
36 Seiten, 16 €
ISBN 978-3-8251-7507-8.
Empfohlen ab 5 Jahren.

 Inhalt

Die Zwillinge Peter und Lotta leben im Haus der drei Zieh-Tanten, die so heißen, wie sie gekleidet sind. Auch die Vorlieben der drei Frauen entsprechen den namengebenden Farben: Tante Grün, die stets ein grünes Kleid trägt, kümmert sich um den Garten, Tante Braun backt in brauner Kleidung Pfefferkuchen und kocht Karamell, Tante Lila, die Romantikerin im lilafarbenen Kleid, ist zuständig für Saft und Marmelade und stickt die schönsten Veilchen. Zum Haushalt gehören auch der kleine schwarze Pudel Prick und die Katze Esmeralda. Ein häufiger Gast ist der etwas umständliche und ernste Lehrer Onkel Blau.
Die Handlung von Peter und Lotta feiern Weihnachten, dem letzten der fünf Bücher aus der Tanten-Reihe, umfasst ein ganzes Jahr. Es beginnt mit den Vorbereitungen für das Weihnachtsfest in dem gemütlichen Haushalt. Für die Kinder, die vor der Aufnahme bei den drei gutherzigen Frauen bei der alten Wäscher-Kristin leben und hart arbeiten mussten, sind die Festbräuche ungewohnt und schön: Sie dürfen beim Pfefferkuchenbacken und Baumschlagen dabei sein, tanzen um die geschmückte Tanne und fürchten sich vor dem Weihnachtsbock, der früher in Schweden den Kindern die Geschenke brachte. Tante Lila erzählt den Geschwistern am Abend, es handle sich bei dieser Figur um einen verzauberten Prinzen, der im Wald wohne, wunderschön zur Laute singe, und alljährlich zur Weihnachtszeit in die furchterregende Gestalt verwandelt würde.
Diese Geschichte beschäftigt die Kinder über das ganze Jahr und als im Herbst die Milchbäuerin aus dem Waldbauernhof nicht zu ihnen kommt, freuen sie sich, zu ihr gehen und auf dem Weg nach dem Weihnachts-Prinzen suchen zu können. Tatsächlich treffen sie im Wald einen Mann, der vor seiner Köhlerhütte sitzt und zur Gitarre singt. Sie sehen in ihm dem Weihnachtsbock und beauftragen ihn damit, den Tanten zum nächsten Weihnachtsfest ihre Geschenke zu bringen. Im Waldbauernhof angekommen, finden sie die Bauersfrau mit einem gebrochenen Bein im Bett vor. Sie kann weder die Milch ausfahren, noch ihre kleinen Zwillinge versorgen. So kümmern sich Peter und Lotta um die beiden Kleinkinder und nehmen sie schließlich mit zu den Tanten. Da die Kleinen den Haushalt ordentlich aufmischen, haben die größeren Kinder fortan viel zu tun. Die Zwillinge machen Peter und Lotta aber auch viel Freude, bis die Mutter wieder genesen ist. Nun haben die jungen Protagonisten gerade noch genügend Zeit, um die Weihnachtsgeschenke für die Tanten und Onkel Blau zu basteln und sie dem Weihnachtsbock bringen zu lassen.
Am zweiten Heiligabend der Geschichte kommen merkwürdigerweise gleich zwei Weihnachtsböcke mit Geschenken bei Peter, Lotta und den Tanten vorbei: Während sich einer davon als Onkel Blau entpuppt, gibt sich der zweite als Köhler und Waldbauer zu erkennen. Letzterer ist zugleich der Vater der kleinen Zwillinge, um die sich die Kinder so liebevoll gekümmert hatten, und bringt Peter und Lotta zum Dank je ein Paar Skier mit, über die sie sich sehr freuen. Zusätzlich zum Glück des Beschenktwerdens erleben die Kinder in diesem Jahr aber auch diejenige des Schenkens, als Tanten und Onkel ihre selbstgebastelten Gaben auspacken.


Kritik

Die schwedische Bilderbuchkünstlerin Elsa Beskow (1874-1953) gehört in ihrem Heimatland zu den bekanntesten Größen des Kinderbuchmarktes, beeinflusste dort auch Künstler wie John Bauer oder Carl Larsson und wurde darüber hinaus sogar weltweit bekannt. In Deutschland ist bis heute vor allem ihr Bilderbuch Hänschen im Blaubeerwald (i. O.: Puttes äventyr i blåbärsskogen, EA: 1901) populär. Daneben gerieten ihre anderen Werke – unter ihnen die fünf Bände der Tanten-Reihe, die im Original zwischen 1918 und 1947 erschienen, – hierzulande eher in Vergessenheit. In den 1970er Jahren wurden die Bände um die Waisenkinder Peter (i. O. Petter) und Lotta allerdings bei Carlsen aufgelegt. Aktuell nimmt sich der anthroposophisch ausgerichtete Verlag Urachhaus der Reihe an. Peter und Lotta feiern Weihnachten (i. O.: Petters och Lottas jul) erschien dort bereits 2005, die zweite Auflage kam nun 2017 heraus. Das Bilderbuch wurde in Schweden erstmals 1947 veröffentlicht. Der erste Teil der Reihe (Tante Grün, Tante Braun und Tante Lila, schwed.: Tant Grön, Tant Brun och Tant Gredelin, EA: 1918) erzählt von der Aufnahme der beiden Waisenkinder bei den gutherzigen Tanten. Weiterhin erschienen Tante Brauns Geburtstag (schwed.: Tant Bruns födelsedag, EA:1925), Peter und Lotta auf dem Jahrmarkt (schwed.: Petter och Lotta på äventyr, EA: 1929) sowie Onkel Blaus neues Boot (schwed.: Farbror Blås nya båt, EA: 1942). Für die drei erwachsenen Protagonistinnen der Reihe standen Beskows eigene Tanten Porträt, die eine Reformschule führten und in deren Haushalt die Künstlerin als Jugendliche mit ihrer Familie lebte. Ein Bruder von Beskows Mutter war Onkel Blaus Vorbild.
Dieser Band der Reihe, der mit seinem Weihnachtsthema besonders dazu geeignet ist, den heutigen erwachsenen Leser nostalgisch zu stimmen, folgt in seinem Aufbau dem typischen Gepräge der Bücher von Elsa Beskow. Die sorgfältige Ausstattung des Buches mit Leinenrücken entspricht derjenigen des schwedischen Originals. Die 16 Doppelseiten im Buchinneren enthalten jeweils links einen für aktuelle Verhältnisse langen Schrifttext sowie darunter befindlich eine schwarze Vignettenzeichnung. Die rechte Seite zeigt eine farbig aquarellierte Zeichnung mit weißem Rahmen, die jeweils ein bis zwei Szenen darstellt. Detaillierte Interieurs führen dem Rezipienten einen gutbürgerlichen schwedischen Haushalt zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor Augen, mehrere Waldszenen wecken die Sehnsucht nach unberührter Natur. Erwartet der Leser angesichts des Titels zuerst, dass es in diesem Buch um ein Weihnachtsfest bei Peter und Lotta geht, wird er von der jahrumfassenden Handlung überrascht. Erst diese dramaturgische Entscheidung erlaubt es Beskow jedoch, den Lernprozess zu veranschaulichen, den die jungen Protagonisten des Buches zwischen den beiden dargestellten Christfesten durchleben: Sind sie zu Beginn des Buches einfach nur glücklich, ein erstes fröhliches Weihnachten zu erleben und nehmen die märchenhaften Erzählungen ihrer Tante zu diesem Zeitpunkt völlig ernst, so sind sie am Ende selbst zu Schenkenden geworden und durchschauen das Brauchtum als menschengemacht. Auch ihre "gute Tat", die Aufnahme der kleinen Zwillinge, spiegelt die Hilfe durch die Tanten, die Peter und Lotta selbst widerfahren ist. Neben fröhlichen Schilderungen aus dem Alltag zweier Kinder vor langer Zeit geht es hier also auch um einen Reifungsprozess, den gegenwärtige junge Leser noch immer gut nachvollziehen können.


Fazit

Weihnachten mit Peter und Lotta kann bis heute Kinder ab ca. fünf Jahren ansprechen. Für jüngere Kinder ist es aufgrund des langen Textes nicht zu empfehlen. Die Geschichte, die sich sehr gut zum Vorlesen eignet, kann zum Ausgangspunkt für intergenerationelle Gespräche über Weihnachten im Wandel der Zeiten sowie in verschiedenen Kulturen werden. Besonders passend ist es aber auch für erwachsene Schweden-Fans, die sich gerne an die Vergangenheit erinnern.

Dieses Bilderbuch können Sie im Rahmen unserer Adventskalender-Aktion bei einer Verlosung gewinnen. Schreiben Sie uns hierzu eine eMail mit Ihrem Namen, Ihrer Adresse und dem Titel dieses Buchs am 24.12. an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. 

 

Erstveröffentlichung: 06.11.2017

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