von Philipp Schmerheim

Zum 37. Mal begeben sich Asterix und Obelix auf ein Abenteuer – diesmal schicken Jean-Yves Ferri und Didier Conrad die unbeugsamen Gallier auf ein Wettrennen quer durch Italien. Asterix-Liebhaber werden viele Reminiszenzen an klassische Geschichten wie Tour de France oder Asterix bei den Olympischen Spielen entdecken, trotzdem bleibt die Geschichte weit hinter den vorherigen Bänden des neuen Asterix-Autorenteams zurück.

Ferri, Jean-Yves (Text) und Conrad, Didier (Bild): Asterix in Italien.
A. d. Französischen von Klaus Jöken.
Berlin: egmont-ehapa, 2017. 46 S., 12,00 € (Gebundene Ausgabe)
ISBN 978-3-7704-4037-5

Inhalt

Nichts funktioniert im römischen Verkehrsministerium: Während der Herr Minister Lactus Bifidus mehr mit seinen Orgien als mit der beruflichen Pflicht beschäftigt ist, kratzen die überhandnehmenden Schlaglöcher im imperialen Straßennetz am Image der Weltmacht. Um eine Blamage im römischen Senat zu vermeiden, ruft Bifidus kurzerhand, während einer Senatsdebatte aus dem Nickerchen hervorschreckend, ein Straßenrennen quer durch die italienischen Ländereien aus, das der Welt den tadellosen Zustand der römischen Schnellstraßen offenbaren soll. Was als listiges Ablenkungsmanöver gedacht war, wird vom Imperator Gaius Iulius Caesar schnell als geniales Marketinginstrument erkannt: Wie sonst könne man schließlich besser die "Einheit aller Völker der italienischen Halbinsel" (5) zeigen als mit einem landesweiten Wettrennen?

Ortswechsel: Asterix, Obelix und Methusalix schlendern in Darioritum über den berühmten Markt für Celtisches Brauchtum und Innovative Technik (CEBIT), wo sie einen Arzt für den unter Zahnschmerzen leidenden Dorfältesten finden wollen. Zufällig lässt sich Obelix von einer Hellseherin die Hand lesen, die ihm eine Zukunft als umjubelter Held auf einem geflügelten Wagen vorhersagt. Ebenso zufällig erblickt Obelix einen solchen beim Gebrauchtwagenhändler, und als er in der Sonderausgabe der "Gallischen Revue" auch noch die Ankündigung für das "Transcaliga"-Wagenrennen quer durch Italien  entdeckt, steht das nächste Gallier-Abenteuer fest: Diesmal will Obelix endlich mal der Held sein und, von Asterix begleitet, das Rennen gewinnen.

Dieses führt von Modicia (Monza) bis zum Fuß des Vesuv bei Neapel. Während des Rennens müssen die beiden gallischen Helden verschiedene Herausforderungen und vor allem Sabotageversuche vonseiten der Römer und anderer Konkurrenten aus aller Herren Länder überstehen und dabei auch antiken Versionen der Mona Lisa und Silvio Berlusconi über den Weg laufen, bis sie schließlich in Pompei ins Ziel einfahren – und wie üblich dem siegesgewissen Caesar eine empfindliche Lektion erteilen.

Kritik

Die Fußstapfen der Asterix-Erfinder Goscinny und Uderzo sind groß, doch in den Bänden Asterix bei den Pikten und Der Papyrus des Caesar bewies das neue Autor-Illustrator-Tandem Jean-Yves Ferri und Didier Conrad, dass sie die Kult-Comicreihe nicht nur weiterführen, sondern ihr auch neue Impulse verpassen können. Asterix in Italien ist demgegenüber ein Rückschritt: Wenngleich alle bekannten und bei der Leserschaft beliebten Ingredienzen vorhanden sind, will das 37. Abenteuer der tapferen Gallier nicht so ganz begeistern.

Das liegt nicht nur daran, dass die Gallier recht unmotiviert eine Station des Rennens nach der anderen abklappern, sondern vor allem an der misslungenen Exposition der Geschichte: Da denkt sich ein fauler römischer Senator als Marketing- und Ablenkungsmaßnahme ein Wagenrennen aus und zeitgleich kommt ein urplötzlich auf das Rampenlicht des Helden erpichter Obelix durch eine Verkettung banaler Zufälle auf die Idee, an diesem Rennen teilnehmen zu wollen. Von dem charmanten Irrsinn früherer Asterix-Abenteuer ist das weit entfernt: Weder wollen die Gallier Caesar mithilfe einer ausgedehnten Prügelreise durch befestigte Römerlager beweisen, dass sie der tapferste Keltenstamm sind (wie in Asterix bei den Belgiern), noch mit einer Schnitzeljagd quer durch Frankreich zeigen, dass die römische Besatzungsmacht gegen den Freiheitswillen der gallischen Dorfbewohner nichts ausrichten kann (Tour de France). Kurz: es gibt keinerlei existenzielle Herausforderung – weder das Fortbestehen des Dorfes noch das Leben oder die Ehre einzelner Gallier stehen auf dem Spiel.

Der etwas beliebige Gesamteindruck wird auch durch die diesmal wenig prägnanten Dialoge verstärkt: Asterix und die Römer schwingen große Reden, Caesar führt in dritter Person Selbstmonologe und alle Figuren brüllen einander regelmäßig an, unterlegt von überdimensionierten onomatopoietischen Schriftzügen. Dieses Stilmittel wird bei Goscinny/Uderzo noch eher strategisch genutzt, diesmal jedoch flippt beispielsweise Caesar bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus (und nicht mehr dann, wenn seine Geduld oder seine Autorität so sehr strapaziert worden sind, dass er sich nur noch mit Wutausbrüchen behelfen kann). Dadurch wirkt der Band insgesamt krawallig und gehetzt – grundsätzlich nicht verkehrt bei einer Geschichte, die um ein Wagenrennen kreist, hier wirkt es aber so, als ob die inszenierte Hektik die bereits angesprochenen Grundprobleme der Geschichte kaschieren soll.

Dabei gibt es eine vielversprechende Grundidee: Diesmal will Obelix der Held sein, womit ein Motiv aus Obelix GmbH & Co aufgegriffen wird, wo Asterix’ bester Freund zum Hinkelsteingroßhändler und reichstem Mann im Dorf wird und zumindest kurzfristig die Bodenhaftung verliert. Das erzählerische Potenzial von Obelix’ Heldenwunsch wird von Conrad und Ferri aber schnell aus der Hand gegeben: So wehrt sich Asterix nur kurz gegen Obelix’ Idee und bemüht sich dann für den Rest der Reise, seinen großen Freund so oft es geht in einem guten Licht erscheinen zu lassen. Einen langanhaltenden Konflikt kann es wohl auch, wie Patrick Bahners schreibt, gar nicht geben, dazu sind die beiden Gallier viel zu eng miteinander.

Schade eigentlich, denn wie zuvor haben Conrad und Ferri viele pfiffige Einfälle, wobei wieder ihre Neigung zu Anekdoten rund um die Medienlandschaft auffällig ist: Gesponsert wird das Rennen von einem antiken Gewürzfabrikanten, der entlang der Strecke penetrante Werbeplakate anbringen lässt, begleitet wird der Tross von naseweisen Reportern, die ihre Fragen mit einem "Die Römer haben das Recht auf Informationen" (S. 12) beschließen und nicht zuletzt ist es die Nachricht in einer Zeitungsausgabe, die Obelix auf die Idee bringt, an dem Rennen teilnehmen zu wollen. Dennoch: all diese Einzelteile ergeben keine überzeugende Geschichte.

Fazit

Nach zwei gelungenen Bänden zeigen Ferri und Conrad erstmals Schwächen beim Umgang mit der Asterix-Reihe. Comic-Liebhaber werden dennoch ihren Spaß haben: Für Erwachsene haben die Franzosen (und ihr Übersetzer) wieder viele Anspielungen auf unsere Zeit versteckt, und kleinere ComicleserInnen ab etwa acht Jahren dürften sich von dem rasant skizzierten Abenteuer gut unterhalten fühlen.


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