von Scarlett Saurat

Der kleine Panda Pai ist höchst zufrieden mit seinem Leben im Wildpark – bis ihm eines Tages ein anderer Panda die Aufmerksamkeit stiehlt. Dieser Neue kommt aus einem fernen Land und sieht auch ganz anders aus als Pai. So nimmt Pais neuestes Abenteuer über Toleranz und den Mut, auf andere zuzugehen, seinen Lauf.

Hula, Saskia/Schoene, Kerstin: Kleiner Panda Pai - ein Freund aus der Fremde.
Loewe, Bindlach, 2018.
32 Seiten, 12,95 €
ISBN 978-3-7855-8859-8.
Empfohlen ab 3 Jahren.

Inhalt

Zu Beginn begegnen wir dem kleinen Pandajungen Pai, der ganz zufrieden mit sich ist. Er hat gerade erst ganz allein das Kaninchenkind gefunden, das im Park verschwunden war. Diese Einleitung bezieht sich auf das Abenteuer aus dem vorangegangen Band der Reihe Kleiner Panda Pai – auf leisen Tatzen. Die Kanincheneltern und auch das Dickhornschaf von nebenan schwärmen von einem "tollen Kerl", der "so schlau" sei. Zunächst denkt Panda Pai, die anderen Tiere würden über ihn sprechen. Doch als von einem entzückenden Akzent die Rede ist, geht ihm ein Licht auf: Die anderen reden gar nicht über ihn, sondern über den Neuen im Tierpark. Der ist zwar auch ein Panda, aber im Gegensatz zu Pai einer von der großen, schwarz-weißen Sorte.

Es passt Pai gar nicht, dass der Neue so viel Aufmerksamkeit bekommt und so zieht er los, um seine Freundin Wanda zu suchen. Diese hat den anderen Panda, Robert, bereits kennengelernt. Pai ist empört. Seiner Meinung nach gehören große Pandabären in den Zoo und nicht in den Tierpark. Am besten sollen sie eigentlich gleich in China bleiben, wo sie herkommen. Wanda weist Pai darauf hin, dass auch seine Familie aus einem fremden Land stammt. Dieses Argument lässt der kleine Panda aber nicht gelten. Sie seien schon viel länger hier und außerdem bräuchte er kein besonderes Futter oder ein spezielles Gehege. Wanda, die sich auf diese Diskussion nicht einlassen möchte, verschwindet zu Roberts Willkommensfest.

Enttäuscht und wütend sucht Pai nach anderen Tieren, die seine Meinung über den Fremden teilen. Aber selbst der alte Pelikan freut sich über den Neuankömmling. Der griesgrämige Dachs will sich ebenfalls nicht mit dem kleinen Bären gegen dessen Rivalen verschwören, sondern lediglich seine Ruhe haben. Auf seinem weiteren Weg begegnet der verdrossene Pai immer mehr Tieren, die sich fröhlich zu Roberts Willkommensfest aufmachen. 

Schließlich hofft Pai, in der stets lästernden Truthenne eine Gleichgesinnte zu finden. Die hat es jedoch auf ihn abgesehen und löchert den kleinen Pandabären, woher er denn käme und was er im Wildpark zu suchen hätte. Aus Asien, erklärt ihr Pai, aber der Wildpark sei nun sein Zuhause. Die Truthenne spuckt ihm daraufhin die gleichen Vorwürfe entgegen, die er zuvor dem Neuen gegenüber geäußert hat. Für die „Bambusfresser“ müsse auf einmal neues Futter her und der Park umgebaut werden. Dem kleinen Pai wird klar, dass er niemals so sein möchte wie die gehässige Truthenne. In diesem Moment findet ihn eines der Erdmännchen und will ihn zu Roberts Willkommensfest mitnehmen, denn: alle Tiere sind eingeladen. Mit jedem Schritt, den Panda Pai nun Richtung Fest geht, wird ihm leichter ums Herz und schließlich heißt er den Neuankömmling aufrichtig willkommen.

Kritik

Bei Ein Freund aus der Fremde handelt es sich um den dritten Band der Reihe über den kleinen Panda Pai. Der wiedererkennbare, niedliche Pandabär mit dem blauen Halstuch ist sicherlich ein dankbarer Protagonist, der viele Kinder anspricht. Das hier besprochene Bilderbuch ist ein Gewinn für Fans des kleinen Bären, funktioniert aber auch als eigenständige Geschichte.

Dieser Band beschäftigt sich mit dem Thema Toleranz und der Offenheit gegenüber Fremden. Unaufdringlich und kindgerecht werden hier die Vorurteile des Protagonisten hinterfragt, dessen Wurzeln ebenfalls in einer fremden Kultur liegen. Mit dieser Thematik trifft Ein Freund aus der Fremde den Nerv der Zeit. Dieses Bilderbuch kann als wichtige Hilfe für Pädagogen und Eltern dienen, um ein Gespräch über den multikulturellen Alltag der Kinder zu beginnen. Gerade in Zeiten der großen Einwanderungsbewegungen sind Bilderbücher, die sich mit dem Thema Integration beschäftigen, unerlässlich, denn diese beginnt bereits bei den Kleinsten. Schlussendlich wird dem kleinen Panda klar, dass es sich am besten anfühlt, offen auf Neue zuzugehen, egal woher sie kommen. Schließlich möchte er selbst auch so behandelt werden.

Trotz des ernsten Themas ist Hula und Schoene hier ein kurzweiliges, unterhaltsames Bilderbuch gelungen. Die überzeichneten Charaktere wie der griesgrämige Dachs oder die gehässige Truthenne bilden verspielt Figuren ab, wie sie jeder aus dem täglichen Leben kennt. Der klare, farbenfrohe Stil der Illustrationen wirkt freundlich und ansprechend. Im Gegensatz zum ersten Band der Reihe (vergleiche hierzu die Kritik von Anja und Lisa Spägele) wurden alle Seiten mit farbigen Hintergründen ausgestattet. Dies sorgt für eine durchgehend abwechslungsreiche und fröhliche Leseerfahrung. Die unterschiedlichen Tiere werden von Kerstin Schöne liebevoll mit menschlichen Zügen versehen, so dass sowohl Kinder im Vorlesealter als auch Erstleser sich mit diesen identifizieren können. Der kleine Pai ist mit seinem blauen Halstuch und dem leuchtend rotbraunen Fell stets schnell zu entdecken. Etwas mehr Detaildichte bei den Illustrationen hätte durchaus nicht geschadet – auch, um beim wiederholten (Vor)Lesen neue Aspekte entdecken zu können und so ein immer wieder spannendes Leseerlebnis zu schaffen.

Die pfiffigen Texte von Saskia Hula fügen sich stets harmonisch in das Gesamtbild der Doppelseiten ein. Die gedruckten Sätze sind nicht zu kompliziert und groß genug gesetzt, um auch für Leseanfänger geeignet zu sein. Auch die Menge des Textes im Verhältnis zum Bild ist für diese Zielgruppe angemessen und wird sie nicht überfordern. Die Größe und Haptik von Ein Freund aus der Fremde entspricht eher einem Vorlesebuch und fühlt sich mit dem festen Einband sehr wertig an. Auf dem Cover wurden mit Spotlack eindeutige Akzente auf den Reihentitel und die beiden Pandabären gelegt. Es besticht durch die kräftigen Farben und macht durch die misstrauischen Blicke der beiden Figuren in Kombination mit dem Titel bereits neugierig auf die Geschichte.

Fazit

Ein Freund aus der Fremde ist ein Gewinn für die deutsche Bilderbuchlandschaft. Es behandelt in kindgerechter Weise mit einem eingeführten anthropomorphen Bilderbuchhelden die sehr relevanten Themen Integration und Toleranz und kann dringend benötigte Gesprächsanstöße für Eltern und Pädagogen liefern. Hulas einfache und witzige Texte ergeben mit Schoenes klaren Illustrationen ein stimmiges Gesamtbild. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Reihe um den kleinen Panda mit weiteren wichtigen Inhalten so liebevoll fortgeführt wird.  


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