von Philipp Schmerheim

Der 38. Asterix-Band versucht sich an einer thematischen Verjüngungskur: Im Fokus stehen diesmal weniger die etwas behäbig gewordenen, aber weiterhin prügelsüchtigen gallischen Krieger, sondern die aremorikanische Dorfjugend und ein berühmter weiblicher Gast: Das gallische Dorf muss die untergetauchte Tochter des legendären Stammesfürsten Vercingetorix vor römischen Spionen schützen, wenngleich diese gar nicht einsieht, warum sie das römisch-gallische Katz-und-Maus-Spiel um Krieg und Frieden mitmachen soll. Ein unterhaltsamer, aber leider etwas überfrachteter Asterix-Band, der nicht ganz weiß, was er eigentlich erzählen möchte.
 

Ferri, Jean-Yves (Text) und Conrad, Didier (Zeichnung): Die Tochter des Vercingetorix.
ehapa, Berlin, 2019.
48 Seiten, 12,00 €
ISBN 978-3-7704-3638-5.
Empfohlen ab 8 Jahren.

Inhalt

Band 38 steigt medias in res in die Geschichte ein: Zwei Averner-Häuptlinge aus dem gallischen Widerstand tauchen in der Nacht bei Dorfhäuptling Majestix auf, mit Vercingetorix' Tochter Adrenaline im Schlepptau. Sie soll sich im gallischen Dorf vor den Spionen Julius Caesars verstecken, bis die Averner ihr eine sichere Überfahrt ins Exil nach Londinium organisieren können. Adrenaline gilt als Symbol des Widerstands, auch weil sie den Wendelring ihres Vaters besitzt, ein Halsband, das den Kampf gegen die römischen Besatzer versinnbildlicht. Asterix und Obelix erhalten den Auftrag, den widerspenstigen Teenager heimlich zu überwachen, neigt Adrenaline doch dazu, gerne auszubüchsen.

Außerhalb des Dorfes versuchen Caesars Handlanger, den Aufenthaltsort Adrenalines zu erfahren – allen voran Miesetrix, ein Verräter aus den eigenen Reihen der Gallier. Währenddessen schart Adrenaline die Dorfjugend um sich und mischt das Sozialgefüge im gallischen Paradies mächtig auf, hinterfragen die Kinder doch zunehmend die Erwartungshaltung und die eingefahrenen (Geschlechter-)Rollenmuster ihrer Eltern.

Es kommt, wie es kommen muss: Mithilfe ihrer neuen Freunde flieht Adrenaline aus dem Dorf, wird aber prompt im Wald von Miesetrix gefangengenommen und auf eine römische Galeere verschleppt. Asterix und Obelix nehmen die Verfolgung auf und treffen auf der Rettungsmission nicht nur mal wieder die Piraten und römische Galeerenkapitäne mit schwer erziehbarem Nachwuchs, sondern nach erfolgreicher Seerettung auch den jungen Kapitän Letitbix, an dem und dessen pazifistischer Gesinnung Adrenaline schnell Gefallen findet.

Kritik

Zum zweiten Mal nach Asterix in Spanien müssen sich unsere gallischen Krieger um ein widerspenstiges Kind kümmern, das sie nicht nur mächtig auf Trab hält, sondern ihrer eingefahrenen Lebensart auch den Spiegel vorhält. Auf dem Spiel steht immerhin die Überlebensfähigkeit des gallischen Widerstands, ist Adrenaline doch zumindest potenziell ein mächtiges Symbol für den Kampfgeist der Gallier gegen die römischen Besatzer.

Zugleich versuchen sich Ferri/Conrad an einem thematischen Facelifting: Mit Adrenaline steht nicht nur eine junge Frau im Fokus der Geschichte, sondern auch die Jugend in toto, die während des Bandes ausführlich zu Wort kommt, so rein gar nichts mit der kriegerischen Lebensweise ihrer Elterngeneration anfangen kann und sich nach einem unbeschwerteren Leben jenseits der Dorfzäune sehnt.

So lobenswert der Modernisierungsversuch ist, so verwirrend ist der fertige Band: Wir lernen eine Unzahl an verschiedenen Figuren kennen, die teils nur kurze Auftritte haben und dann wieder im Niemandsland verschwinden. Adrenaline ist ein – für eine Hauptfigur – seltsam eindimensionaler Charakter und dient eher als MacGuffin, der die Handlung in Gang setzt und am Laufen erhält. Darauf verweist schon der Titel Die Tochter des Vercingetorix, wird Adrenaline doch nur als Begleitfigur eines männlichen Protagonisten geführt, nicht aber namentlich benannt. Zudem ist das gallische Dorf nun reichlich unvermittelt vom Nachwuchs alter Haudegen wie Verleihnix und Automatix bevölkert – was letztlich aber auf Uderzo und Goscinny zurückzuführen ist, die sich nicht sonderlich für die kindlichen Bewohnerinnen und Bewohner ihres Comic-Universums interessiert haben.

Die meisten Figurentypen sind altbekannt: Der Verräter aus den Reihen der Gallier, amtsmüde Zenturionen, die Piraten (die nun auch ihren Nachwuchs dabei haben) – und ein etwas anderer Rückblick auf den sagenumwobenen Moment, in dem der unterlegene Vercingetorix seinem Bezwinger Caesar die Waffen buchstäblich vor die Füße wirft: das Eröffnungspanel aus dem ersten Asterix-Band Asterix der Gallier.

Letztendlich ist Die Tochter des Vercingetorix eine unterhaltsame Schnitzeljagd durch einige altbekannte Schauplätze des Asterix-Universums in thematisch modernisiertem Gewand: das Dorf, der Wald, das Römerlager Babaorum, römische Galeeren und das Piratenschiff, das natürlich auch diesmal wieder die Begegnung mit Asterix und Obelix nicht übersteht.

Vielleicht ist es einfach so, dass der Asterix-Kosmos weitgehend auserzählt ist und auch unter der Ägide von Ferri/Conrad nicht zu neuer Dynamik finden kann. Und vielleicht ist es in Ordnung so.

Kritik

Ganz gelungen ist der Modernisierungsversuch von Ferri/Conrad nicht, aber treue Fans werden dennoch ihre Freude am 38. Asterix-Abenteuer haben, solange sie keine Neuerfindung des gallischen Kosmos erwarten. Empfohlen für Kinder ab acht Jahren.


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