von Sabine Planka


Es hat geschneit und die drei Eichhorngeschwister Matz, Fratz und Lisettchen wollen Schlittenfahren. Der Papa soll mitkommen, hat aber eigentlich keine Lust, bis… Ja, bis er selbst auf den Schlitten steigt…

Inhalt

Die drei Eichhornkinder entdecken, dass es geschneit hat und laufen noch in Schlafanzügen hinaus in den Schnee. Nachdem ihr Vater sie zurückgerufen hat und sie warm in Wintersachen eingepackt sind, schlägt die Mutter vor, den Schlitten zu holen. Eher widerwillig hilft der Eichhornvater, den Schlitten anzuschieben. Langsam beginnt ihm die Schlittenfahrt Spaß zu machen und er saust selbst auf dem Schlitten den Abhang hinunter, bis er sogar die Mutter aus dem Haus holt und mit ihr zusammen Schlitten fährt – und nun Matz, Fratz und Lisettchen keine Lust mehr haben und lieber zu Hause in ihren Betten lägen.

 



Kritik

Die Geschichte, der plot der Handlung, ist schnell erzählt und recht unspektakulär, geht es doch "nur" um eine Schlittenfahrt. Was das Bilderbuch aber unterhaltsam macht, sind die Bilder, die sich jeweils über die Doppelseiten des Buches erstrecken und bis ins Detail ausgearbeitet sind, ohne überfrachtet zu wirken. Die Striche und Konturen sind zurückhaltend und sparsam gesetzt, dennoch gelingt es den Autoren, detailverliebt Akzente zu setzen. So zieht ein Eichhornkind den Vater am buschigen Schwanz vom Ofen weg, während Lisettchen auf dem Holzboden sitzt und sich ihre weißen Strümpfe anzieht. In der vermummten Gestalt des Vaters kommt dessen anfängliche Unlust auf das kalte, nasse Winterwetter deutlich zum Ausdruck: Missmutig und zweifelnd verzieht er das Gesicht und schaut über seine Brille. Jeder Leser und Zuhörer kann wohl das ungute Gefühl nachempfinden, dass der Vater bei dem Abenteuer empfinden muss, das da auf ihn zukommt.

Die anfängliche Aufregung und die daraus resultierende Dynamik der Eichhornkinder, die viel Spaß bei der Schlittenfahrt haben, und deren Enthusiasmus, der sich auf den Vater überträgt, wird in den Bildern dargestellt durch viele Diagonalen. So wird der Schlitten anfänglich über eine Ebene gezogen, der Hang, den man später hinunterfährt, wird mit zunehmender Handlung immer steiler.

Die Bilder korrespondieren mit den Texten, die in Reimform geschrieben sind und deren Strophenlänge sechs Zeilen nicht überschreitet. Jede der dreizehn Strophen wird auf einer Doppelseite bebildert, ausgenommen die Strophen ein und zwei, die jeweils auf einer Seite stehen. Bei den Reimen handelt es sich um reine Paarreime, die dem Schema aabb folgen und deren Versfuß sich als Jambus identifizieren lässt, also als zweiteiliger Versfuß mit einer Betonung auf der zweiten Silbe (xẋ). Diese dadurch entstehende Rhythmik verleiht der Geschichte um die Schlittenfahrt zusätzlich Dynamik, die in den Bildern ohnehin angedeutet wird. Es heißt z. B. "Allmählich aber – was ist das? / Dem Papa macht die Sache Spaß! / Er lässt den Schlitten tüchtig flitzen, / auf dem vergnügt die Kleinen sitzen. // Nun wird der Papa richtig jung! / Er gibt dem Schlitten einen Schwung, / dass alle zwischen Mut und Grausen / den ganzen Berg hinuntersausen!" Damit greifen bei dieser Bild-Text-Interpendenz auf narrativer Ebene "beide narrativen Ebenen ineinander […] und [übernehmen] abwechselnd das Erzählen […]" (Thiele 2002, S. 231), so dass sich Text und Bilder gegenseitig bedingen und die Geschichte erzählen.

Fazit

Die Schlittenfahrt von Matz, Fratz und Lisettchen ist das fünfte Buch in der Reihe um die drei Eichhorngeschwister und inzwischen berechtigterweise in der 5. Auflage erschienen. Die Form des Reimes, die hier verwendet wird, prädestiniert das Buch geradezu zum Vorlesen – und auch zum Selbstlesen, da die Texte nicht sehr lang sind.

Eine Tatsache gibt es dennoch zu bemängeln: Die Originalausgabe erschien in Japan unter dem Titel Yukinohiwa Atsui Atsui bereits 1983, im gleichen Jahr auch im Dr. Hans Peter Verlag. Es ist schade, dass das so wunderbar und liebevoll gestaltete Buch seine Neuauflage erst 25 Jahre später erfahren hat.


Literatur
Thiele, Jens: Das Bilderbuch. In: Lange, Günther (Hrsg.): Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur in zwei Bänden. Bd. 1: Grundlagen, Gattungen. 3., unveränderte Aufl. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren, 2002. S. 228-242.

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