von Mirijam Steinhauser

Eine aufkeimende Romanze zwischen Marienkäfern, Kleeblättern und schwarzen Katzen – das ist die Geschichte von Herrn Glück und Frau Unglück. Antonie Schneider erzählt davon, wie sehr der eigene Blick auf die Welt das Wohlbefinden beeinflusst und Susanne Straßer spielt in farbenfrohen Collagen mit Symbolen für Glück und Unglück.

Schneider, Antonie (Text); Straßer, Susanne (Bild): Herr Glück & Frau Unglück.
Stuttgart, Thienemann, 2013
32 S., 12,95 €
ISBN 978-3-522-43679-3

Inhalt

Eines Tages bekommt Frau Unglück einen neuen Nachbarn. Sie fühlt sich gestört von diesem Herrn, der seinen Garten rasch zu einem kleinen Paradies macht und allem, was ihm begegnet, positiv und freundlich entgegensieht. So sehr sie sich auch dagegen verwehrt und Herrn Glück möglichst unfreundlich gegenübertritt, Frau Unglücks Leben gerät dabei zusehends in Unordnung. Sie beschließt, dass der Nachbar wieder verschwinden muss. Doch dann entdeckt sie zwei riesige Sonnenblumen, die ihre beiden Häuser überragen. Herr Glück nimmt Frau Unglücks Hand und erweicht ihr Herz. "Wir wohnen unter einem Dach", sagt Frau Unglück zum Schluss, "[w]elch ein Glück."

Kritik

Herr Glück & Frau Unglück besitzt einen kurzen und schlichten Text mit einer einfachen poetischen Sprache. Damit wird den verspielten Illustrationen viel Raum gelassen. Diese inszenieren den Gegensatz zwischen den beiden Figuren, die in ihrer Unterschiedlichkeit ständig gegenübergestellt werden. Ein Beispiel dafür gibt schon das Coverbild: Darauf sind Herr Glück und Frau Unglück in ihren jeweiligen Häusern zu sehen. Während über Herrn Glücks Haus die Sonne scheint, sodass seine rote Katze sich auf dem marienkäfergepunkteten Dach sonnen kann, steht über Frau Unglücks halb zerfallenem Haus mit der Hausnummer 13 eine Regenwolke. Den Häusern entsprechen ihre Bewohner. Frau Unglück bietet einen traurigen Anblick: Die Kleider sind zerrissen, die Brille gesprungen, die ganze Frau überzieht ein Grauschleier und sie blickt stets betrübt drein. Herr Glück hingegen trägt einen Marienkäfermantel und ein Kleeblatt auf dem Zylinder. Gutmütig und gut gelaunt hält er seiner Nachbarin einen Regenschirm über den Kopf.

Im Verlauf des Buches wandeln sich Frau Unglück und ihre Umgebung im Angesicht von Herrn Glücks überschäumender Lebensfreude und Freundlichkeit, symbolisiert insbesondere durch seinen wild wuchernden, farbenfrohen Garten. Der erste Indikator für die Annäherung zwischen den Nachbarn sind deren Tiere. Die rote und die schwarze Katze, Herrn Glücks Schwein und Frau Unglücks Ziege freunden sich miteinander an, bevor Frau Unglück eine Veränderung zulassen kann. Doch dann zeigen die Bilder auch an ihr, ihrem Haus und ihrem Garten erste Anzeichen der Glücksempfänglichkeit. Zunächst legt sich ein rosafarbener Schimmer auf ihre Wangen, der Baum vor ihrem Haus beginnt zu grünen, der Kaktus in ihrem Fenster blüht. Auf dem letzten Bild sind die beiden zuvor allein stehenden Häuser aneinandergewachsen, die Gärten vereint, die Tiere in inniger Zuneigung zu sehen. Frau Unglück, an Herrn Glücks Hand und diesem zugewandt, hat ihren Grauschleier verloren. In ihrem Haar sitzt nun ein Marienkäfer und ihr Rock trägt das entsprechende Muster, wenn auch in schwarz mit roten Punkten.

Das Motiv des Marienkäfers nehmen auch das vordere und das hintere Vorsatz auf: Während ersteres schwarze Punkte auf rotem Grund zeigt und damit für Herrn Glück steht, ist letzteres schwarz mit roten Punkten und symbolisiert den Wandel Frau Unglücks.

Fazit

Herr Glück & Frau Unglück ist eine freundliche Geschichte mit positivem Ende. Sie fordert dazu auf, über den eigenen Blick in die Welt nachzudenken und sich nicht darin beirren zu lassen, anderen eine Freude zu bereiten. Insbesondere die detailreichen Bilder regen dazu an, sich mit Symbolen für Glück und Unglück zu befassen. Das Buch eignet sich damit hervorragend für die gemeinsame Lektüre mit Kindern, wird aber sicher auch zum Geschenkbuch für Verliebte und andere, auf Lebensweisheiten erpichte Erwachsene avancieren.


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