von Sabine Planka

Das in Reimen gehaltene Bilderbuch Familie Maus macht Frühstück begleitet die Mäusefamilie einen Morgen lang durch den beginnenden Tag und zeigt, dass das Frühstück zu einem Familienfest werden kann, wenn alle gemeinsam mithelfen...

Pflock, Rose/Iwamura, Kazuo: Familie Maus macht Frühstück.
Aus dem Japanischen übersetzt von Hana Christen. Deutsche Textadaption von Rose Pflock.    NordSüd Verlag, Zürich 2013
o.P., 14,95 €
ISBN 978‐3‐314-10131-1

Inhalt

Die Geschichte beginnt, als Mama Maus ihre Kinder morgens weckt und sich alle fertig machen, um das Frühstück vorzubereiten. Während die eine Gruppe Mäuse in den Wald geht, um Beeren zu suchen, deckt die andere Gruppe den Tisch und kocht Gemüsesuppe. Als die Beerenpflücker zurückkommen, wird gemeinsam gefrühstückt.

Kritik

Lässt sich die Handlung dieses Bilderbuches in der Tat sehr kurz zusammenfassen, bietet sich doch auf bildnerischer Ebene ein vielfältigeres und ausführlicheres Bild der Geschichte. Die sich über die Doppelseiten des Buches erstreckenden Bilder sind – wie von Iwamura gewohnt – detailverliebt gezeichnet und gehen über die Text-Bild-Parallelität hinaus, indem sie mehr zeigen, als der reine Text vermuten lässt: Beide "narrativen Ebenen […] greifen [ineinander] und [übernehmen] abwechselnd das Erzählen […]" (Thiele, S. 231), entsprechen somit der narrativen Strategie des geflochtenen Zopfs, den Thiele nennt. Wenn es z.B. heißt: "Was man doch so alles sieht, / wenn man durch die Wälder zieht. / Käfer, Bienen, eine Schnecke… / Was bringt wohl die nächste Ecke?", wird auf der Bildebene ein um Einiges komplexeres Bild gezeigt: Sieben kleine Mäuse laufen durch den Wald, eine Maus mit einer Blume in der Hand ist gestolpert und liegt mit geschlossenen Augen und alle Viere von sich streckend auf dem Boden, während sich eine andere Maus zu ihr umdreht. Zwei andere Mäusekinder betrachten staunend drei Käfer an einem Baumstamm. Daneben lassen sich noch eine Gottesanbeterin, eine Raupe und – natürlich – auch die im Reim erwähnte Schnecke finden. Die übrigen Mäuse marschieren ihren Geschwistern voraus und tragen das kleinste Mäusekind zwischen sich in einem der Körbe. Auch die anderen Bilder des Buches präsentieren sich derart vielfältig, sodass dem Buch völlig zurecht der polyszenische Charakter eines Wimmelbuches zugesprochen werden kann, der das Betrachten der Bilder zu einem wahren Erlebnis macht.

Auf inhaltlicher Ebene zeigt die Geschichte das erfolgreiche Interagieren der Mitglieder einer Großfamilie, wo ein jeder seine Aufgabe erfüllt und so zu einem familiären Miteinander beiträgt. Die Anthropomorphisierung der Figuren durch aufrechten Gang, das Tragen von Kleidung und durchweg menschliche Handlungen, wie Tisch decken, Suppe kochen, Beeren pflücken etc., sorgt dafür, dass sich der Leser/Betrachter der Bilder mit den Akteuren identifizieren und das ereignisreiche, aber harmonische Familienleben miterleben kann. Die Harmonie, aber auch die den Bildern innewohnende Dynamik, die der Alltag mit sich bringt, wird unterstrichen durch die Reimform des Textes, der konsequent unterhalb der Bilder auf einem weißen Streifen wiedergegeben wird. Auch hier liegt, wie in den meisten Büchern Iwamuras, ein reiner jambischer Paarreim gemäß dem Schema aabb vor, so dass der Text rhythmisch-melodisch (vor)gelesen werden kann und gleichzeitig durch die Schlichtheit die Möglichkeit bietet, die im Text genannten Elemente in den Bildern aufzuspüren.

Das Bilderbuch folgt somit in seiner Gestaltung der bewährten Tradition der Bilderbücher, die Rose Pflock und Kazuo Iwamura herausgegeben haben und deren Konzept sich – positiverweise – als unerschöpflich herausgestellt hat.

Fazit

Mit Familie Maus macht Frühstück findet endlich ein weiteres Bilderbuch von Kazuo Iwamura nach 30 Jahren – das Original erschien bereits 1983 in Japan unter dem Titel Jûyonhiki no Asagohan – den Weg auf den deutschsprachigen Buchmarkt und kündet somit von der Zeitlosigkeit von Iwamuras Bilderbüchern, die das Gemeinschaftsgefühl in den Mittelpunkt rücken: Iwamura lässt jedes Familienmitglied pflichtbewusst seine Aufgabe erfüllen und so zum harmonischen Familienleben beitragen, in das jedes Familienmitglied integriert ist. So kann das Bilderbuch Vorbildfunktionen einnehmen und dem Leser zeigen, dass alles gelingt, wenn man Dinge gemeinsam anpackt.

Literatur
Moennighoff, Burkhard: Metrik. In: Grundzüge der Literaturwissenschaft. Hrsg. von Heinz Ludwig Arnold und  Heinrich Detering. 7. Aufl. München: dtv, 2005. S. 272-286.

Thiele, Jens: Das Bilderbuch. In: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur in zwei Bänden, hier Bd. 1: Grundlagen, Gattungen. Hrsg. von Günther Lange. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren, 2002. S. 228-242.

 

 

 

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