von Claudia Ehrlich

In welchem Verhältnis steht das Übernatürliche, Magische, Mythische, Phantastische, Okkulte oder Paranormale zu den Künsten, zur Kultur, zu Geistes- und Naturwissenschaften? Dem Phänomen des 'Wunderbaren' gehen vom 23. bis 25. Juli an der Universität des Saarlandes Literatur-, Film-, Theater-, Kunst- und Kulturwissenschaftler, Theologen, Psychologen und Physiker auf den Grund. Stefanie Kreuzer und Uwe Durst veranstalten die Konferenz, bei der Referenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Erscheinungsformen und Bedeutung des Wunderbaren beleuchten: von übersinnlichen Erfahrungen, Wunderrezepten, der Ästhetik des Monströsen bis hin zur Materialmystik in Joseph Beuys Werk.

Im Jahr 1876 behaupten drei junge Mädchen, ihnen sei im saarländischen Marpingen die Jungfrau Maria erschienen. Bereits eine Woche danach haben 20.000 Pilger das 'Deutsche Lourdes' besucht. Auch Zweifel von kirchlicher Seite können den Pilgerstrom nicht stoppen. Rund 120 Jahre später kommen erneut Gläubige aus aller Welt, als wieder drei Frauen von Marienerscheinungen berichten. "Diese Ereignisse zeigen beispielhaft, welche Faszination vom Wunderbaren als kultureller Größe damals wie heute ausgeht", sagt Stefanie Kreuzer. Gemeinsam mit ihrem Fachkollegen Uwe Durst will die Juniorprofessorin für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft im Juli an der Saar-Universität einen fachübergreifenden Dialog über die Phänomene des Wunderbaren eröffnen und ihre Bedeutung für Künste, Kultur, Gesellschaft und Wissenschaft ausloten.

"Das Wunderbare ist ein ästhetisch-künstlerisches Phänomen in Literatur, Theater, Film, bildender Kunst, und es ist ein gesamtkulturelles Phänomen in Sprache, Religion, Geschichtsschreibung, Politik, Soziologie, Psychologie wie auch in der Naturwissenschaft. Wir wollen mit unserer Konferenz diese unterschiedlichen Facetten beleuchten, die Bedeutung des Wunderbaren beschreiben und neue Zugänge zum Thema aus verschiedensten Perspektiven erschließen", erklärt Stefanie Kreuzer.

So betrachten die Wissenschaftler Wunder aus parapsychologischer Sicht und gehen paranormalen Erfahrungen wie auch der Geschichte ihrer Erforschung auf den Grund. "Nach einer Studie von 2003 glauben rund zwei Drittel der bundesdeutschen Bevölkerung, schon einmal ein paranormales Phänomen wie Telepathie, Spuk, Wahrträume erlebt zu haben. Der Soziologe Andrew Greeley sieht derartige Ergebnisse als Beleg für die soziologische Normalität des Paranormalen", erläutert Uwe Durst.

Wunderbares in der bildenden Kunst, etwa des Spätmittelalters und der Frühneuzeit, steht auf dem Programm, wie auch neue Perspektiven zur Materialmystik bei Joseph Beuys. Ein Vortrag befasst sich mit dem Abheben, dem Schweben, und seiner bildlichen Darstellung. Auch werden die Wissenschaftler Funktion und Darstellungsverfahren 'wunderbarer' Elemente in Literatur, Theater und Film untersuchen. "Die Geschichte des Films ist von ihrem Beginn an durch das Wunderbare maßgeblich geprägt. Tricktechniken werden im frühen Film ähnlich umfangreich genutzt wie im Gegenwartskino. Was früher mit Rückwärtslauf oder Montage im Bild erreicht wurde, wird heute mit Blue-Box-Verfahren oder Animationstechniken in Szene gesetzt", erklärt Juniorprofessorin Kreuzer. 

Das Wirtschaftswunder wird thematisiert ebenso wie das Wunderbare in Antike und Mittelalter sowie in der Religion. "In religiösen Zusammenhängen scheint das Wunderbare unverzichtbar zu sein. Ein Beispiel für den theologische Wunderglauben ist die Praxis katholischer Seligsprechung: Hierfür ist der Nachweis einer wunderbaren Handlung notwendig, für die Heiligsprechung braucht es eine zweite", sagt Uwe Durst.

Die Forscher wollen im Rahmen der Tagung der Frage nachgehen, ob wunderbaren Ereignissen eine charakteristische Struktur zugrunde liegt, die sie von anderen Phänomenen unterscheidet. Auch wollen sie ergründen, ob bestimmte Merkmale und Funktionen für das Wunderbare allgemeine, disziplinübergreifende Gültigkeit haben. 

Universität des Saarlandes. Donnerstag, 23. bis Samstag, 25. Juli, Campus Saarbrücken, Graduate Centre, C9 3

Das Programm kann hier heruntergeladen werden.

Kontakt: 

Juniorprofessorin Dr. habil. Stefanie Kreuzer (Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft, http://www.stefaniekreuzer.de): Tel.: (0)681 / 302-33 06, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Privatdozent Dr. Uwe Durst (http://www.uwedurst.de) Tel: (0)681 / 302-5 74 34, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

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