ComFor 2014 

9. Jahrestagung der Gesellschaft für Comicforschung

"Grenzen ziehen, Grenzen überschreiten"

25. - 28.  September 2014, Berlin

Ob zwischen West und Ost, Ober, Mittel- und Unterschicht, Mann und Frau, oder E- und U-Kunst, Realität und Fiktion: Ständig werden von uns Grenzen gezogen, überschritten und neu gezogen. Für Jurij M. Lotman sind dies fundamentale Akte einer jeden Kultur. Der Begriff der Grenze ist stets ambivalent, trennt und verbindet sie doch zugleich. Auch der Comic setzt und überschreitet Grenzen, inhaltlich wie formal. So verwischt er etwa prinzipiell die Unterschiede zwischen Schrift und Bild. Comics werden längst global vermarktet, während sie sich mit nationalen Grenzen ebenso häufig wie mit jenen im Bereich class, race und gender beschäftigen. Und sie lassen in vielen ihrer Figuren Mensch und Tier ununterscheidbar erscheinen. Die 9. Tagung der Gesellschaft für Comicforschung möchte diese und weitere Phänomene rund um das Thema "Grenze" näher untersuchen.

1. Intermedialität

Im Comic entsteht um die Wende zum 20. Jahrhundert ein neuartiges Verhältnis von Schrift und Bild. Während die Schrift sich im Bild verteilt und ihre Materialität wie in den Onomatopoën zum Bild wird, ist im Comic das Bild serialisiert und wird wie Schrift in Zeilen lesbar. Die immerwieder beschworene Ordnung des Wissens, die durch das Buch gesichert wurde, ist im Comic durcheinander geraten. Wie also ist das Schrift-Bild-Verhältnis hinsichtlich der jeweiligen Grenzziehungen zwischen bildlichem und schriftlichen Wissen im Comic zu verstehen? Wie stellt sich aus dieser Perspektive das Verhältnis zu anderen Medien dar? Lassen sich überhaupt bestimmte Grenzen ziehen?

2. Interdisziplinarität

Wie die boomende Comicforschung zeigt, initiiert das Medium Comic auch und gerade bei einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung ein Hinausgehen über die Grenzen der einzelnen Disziplinen. So wird Comicforschung zu einem umkämpften Experimentierfeld, in dem nicht nur diverse Sparten derWissenschaften mit- und nebeneinander existieren, sondern auch wo wissenschaftliche Trends und turns deutlich ihre Spuren hinterlassen. Das Medium spiegelt damit seismographisch rezente Entwicklungen in der Forschung wider, wobei sich ein Historisierungsprozess innerhalb der Comicforschung selbst abzeichnet. Es stellt sich dabei u.a. die Frage, inwieweit Grenzziehungen zwischen 'alten' und 'neuen' Forschungsmethoden die Erforschung des Mediums vorantreiben. Und: Bleiben die Grenzen zwischen einzelnen Disziplinen innerhalb der Comicforschung so weit offen, dass die Rezeption der jeweiligen Forschungsergebnisse tatsächlich stattfindet?

3. Migration und Transnationalität

Die Comics sind in nationalen Grenzen entstanden und haben innerhalb dieser ihr erstes Publikum gefunden. Doch schon bald haben sie sich nicht zuletzt durch die Erfolgsgeschichte des Zeichentrickfilms internationalisiert. ComicautorInnen und mit ihnen ihre ProtagonistInnen überschreiten mittlerweile immer wieder geografische Grenzen und hinterfragen auf nationale Kategorien basierende Denkmuster. Diesen Werdegang des Comics und seiner Macher von Lokalkoloristen zu Grenzgängern nachzuvollziehen ist Zieldieses Panels. Wie universal ist der Comic? Inwiefern gelingt es ihm biografische Schnitte, Brüche und Inkonsistenzen als Charakteristika von Migrationserzählungen zu vermitteln? Wie finden Ent- und Verwurzelung ihren Ausdruck in Wort und Bild- in Frankreich, den USA, Japan, Mexiko und Indien gleichermaßen? Wie verhandeln AutorInnen in gemeinsamen "Austauschprogrammen" die Gegensätze Innen-Außen/ Eigen-Fremd?

4.  Die Grenzen des Menschlichen ziehen / überschreiten

Die Zeichen im Comic sind bekanntlich vor allem Zeichen, Druckerfarbe auf Papier. In dieser anonymen, reproduzierten Materialität konturieren sie ganz unterschiedliche Figuren und Welten, in denen bestimmte Grenzen und Tabus nicht gelten -- wie die zwischen Mensch und Tier oder Mensch und Maschine. Die Comics stellen so das Bild vom Menschen und seiner Menschlichkeit im 20. Jahrhundert in Frage. Wie werden also die gesellschaftlichen Machtverhältnisse und die von ihnen erzeugten und gesicherten Trennungen in den Comics verhandelt?  Bilden sie implizit Theorien des Verhältnisses von Mensch und Nicht-Mensch? Lösen sie die philosophisch über Jahrhunderte befestigte Grenzen von Mensch und Tier? Oder bestätigen sie diese in ihren Figuren gerade durch ihre Ambivalenz.

Beiträge, die die Grenzen der genannten Sektionen überschreiten, werden durch ein weiteres Panel abgedeckt. Wie üblich wird es darüber hinaus ein Forum geben, in dem Studierende/Promovierende/ForscherInnen "Werkstattberichte" zu entstehenden oder gerade abgeschlossenen Forschungsvorhaben vorstellen können, die nicht in direktem Bezug zum Tagungsthema stehen müssen. Bitte senden Sie Ihre Abstracts von maximal 500 Wörtern Umfang, einschließlich biobibliografischer Notiz bis zum 31. März 2014 an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Der Vortrag sollte auf eine Redezeit von 30-35 Minuten angelegt sein. Beiträge aus der Rubrik "Forum" sollten 20 Minuten nicht überschreiten.

Organisiert vom: Berliner Comic-Kolloquium Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

AnsprechpartnerInnen: Matthias Harbeck (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) und Marie Schröer (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)


Joomla Extensions powered by Joobi

Veranstaltungen

November 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
30 31 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 1 2 3