[21.11.2016]

von Svenja Thomas und Anna Fredrich

Die 42. Kinder- und Jugendbuchmesse fand vom 5. bis 15. November 2016 unter dem Motto "Hej! KIBUM trifft Schweden" statt. Die rund 30.000 Besucher erlebten eine bunte Bücherlandschaft, die Jung und Alt auf eine Reise durch die schwedische Kinder- und Jugendliteratur schickte. Zudem luden die begehrten Plätze in Lesungen oder Führungen durch die Ausstellungen zu einem Blick hinter die Kulissen ein. Svenja Thomas und Anna Fredrich haben sich auf der diesjährigen KIBUM umgeschaut und berichten hier von ihren Eindrücken. 

 Das PFL (Peter Friedrich Ludwigs Hospital)

 Über die KIBUM Oldenburg 

Die in Oldenburg seit 1974 jährlich stattfindende Kinder- und Jugendbuchmesse (kurz: KIBUM) öffnet im Spätherbst als größe nichtkommerzielle Messe ihrer Art in Deutschland die Türen für Kinder, Jugendliche, Eltern, Lehrer und alle anderen Interessierten. Die KIBUM wird als Kooperation zwischen der Stadt Oldenburg und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg veranstaltet und von der Stadt- und der Universitätsbibliothek organisiert.

Vorgestellt werden auf der KIBUM die im Laufe des Jahres neu erschienen Kinder- und Jugendbücher, die ohne einschränkende Vorauswahl aus allen deutschsprachigen Ländern (nahezu 2500 Neuerscheinungen) kommen. MessebesucherInnen können sich in dem Kulturzentrum PFL und den umliegenden Gebäuden umschauen, in den Bücher stöbern und sich über die aktuellen Neuerscheinungen informieren. Ein wichtiges Ziel der Messe ist die aktive Förderung des Lesens. Zudem werden elektronische Medienprodukte, Autorenlesungen, Vorträge, Workshops und Ausstellungen sowie Theaterstücke und ein Kinderfilmfestival angeboten.

Seit 1977 wird im Rahmen der KIBUM der "Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg" an herausragende Erstlingswerke der AutorInnen und IllustratorInnen von Kinder- und Jugendbüchern verliehen.

 Leselandschaft im PFL

Die KIBUM 2016: "Hej! KIBUM trifft Schweden"

Die diesjährige KIBUM widmete sich unter dem Motto "Hej! KIBUM trifft Schweden" der schwedischen kinderliterarischen Tradition, die vor allem in Deutschland hochgeschätzt wird und der Kinder- und Jugendliteratur bis heute wichtige Impulse gibt. Die Schirmherrschaft wurde dieses Jahr von der Schwedischen Botschaft in Berlin übernommen. 

Astrid Lindgrens Freigeist prägt noch heute die Kinderbuchfiguren und -geschichten; viele herausragende AutorInnen folgen ihrem Beispiel. Aus diesem Grund hatte die KIBUM 2016 einige der besten zeitgenössischen schwedischen Kinder- und JugendbuchautorInnen nach Oldenburg eingeladen, um einen authentischen Kontakt zur schwedischen Sprache und Kultur anzubieten und über den Dialog mit den AutorInnen ein aktuelles Bild Schwedens zu vermitteln. Zu den Highlights der Messe gehörten die Ausstellungen "Über Tische und Bänke. Die einzigartige Welt der Ilon Wikland" und "Von Bullerbü bis Lönneberga – Bilderbuchkunst von Katrin Engelking". Weniger als hundert Meter vom PFL entfernt zeigte die Forschungsstelle Kinder- und Jugendliteratur der Carl von Ossietzky ihre Ausstellung "Augen-Blick. Orientierung in erzählten und realen Welten" in der Peterstr. 1. 

Ganz im Sinne des diesjährigen Mottos waren die Ausstellungsräume geschmückt mit Tierbildern und ihrer schwedischer Bezeichnung. Große Plakate Astrid Lindgrens prangten an den Wänden vor den Ausstellungsbereichen und auch die Buchauswahl stand ganz im Licht der schwedischen Tradition. Zudem entstand unter der Regie der Stadtbibliothek "KIBUM trifft Schweden – Das Buch" als ein Geschenk für alle Grundschulklassen, die die KIBUM besucht haben. 

Die Ausstellungsräume waren verschiedenen Aspekten unterstellt. Neben einem Medienraum, in dem Kinder für zehn bis 15 Minuten prämierte Spiele entdecken konnten, wurden die einzelnen Seminarräume in die Kategorien Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch unterteilt. Die mit bunten Kissen, Sitzsäcken, Decken und Matratzen ausgestatteten Leseecken boten in jedem der Ausstellungsräume eine kinderfreundliche Leseatmosphäre. Auch Für LehrerInnen und PädagogInnen wurde ausgewähltes Lese- und Lehrmaterial für Schulklassen bereitgestellt. Das großzüge Angebot an Schmökerstoff fand guten Anklang bei den rund 30.000 erwarteten BesucherInnen.     


Der Medienraum

 
Schauspielbühne und gemütliche Leseecke


Volle Regale und freie Auswahl

Im Foyer konnten sich die BesucherInnen die diesjährigen für den Kinder- und Jugendbuchpreis nominierten Erstlingswerke ansehen. Insgesamt wurden 286 Erstlingswerke (195 Manuskripte, 91 Bücher) für den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 2016 eingereicht und von der Jury gesichtet und beurteilt. In die nähere Auswahl kamen drei Jugendbuchmanuskripte sowie ein Kinderbuchmanuskript: 

• Ocke Bandixen aus Hamburg mit seinem Jugendbuchmanuskript Läuft

• Martin Muser aus Berlin mit seinem Kinderbuchmanuskript Kannawoniwasein – Finn und Jola machen Sachen 

• Lea-Lina Oppermann aus Hennef mit ihrem Jugendbuchmanuskript Was wir dachten was wir taten 

• Tobias Steinfeld aus Düsseldorf mit seinem Jugendbuchmanuskript Im Himmel gibt es Sucuk, so viel du willst.

Die Jury hat sich dieses Jahr allerdings dazu entschlossen, den Kinder- und Jugendbuchpreis nicht zu vergeben, da keines der Werke dem angestrebten Niveau entsprach. (Näheres in der Jurybegründung)

 

Ausstellung: "Über Tische und Bänke – Die einzigartige Bilderwelt der Ilon Wikland" 

Das Messeprogramm der KIBUM ist auf unterschiedliche Veranstaltungsorte aufgeteilt, die alle zu Fuß gut vom Veranstaltungszentrum PFL erreichbar sind. Die Ausstellung "Über Tische und Bänke" ist in der BKK-Galerie direkt neben dem Messehauptgebäude zu finden.

Die KIBUM zeigte rund 60 Originale (und über 100 illustrierte Bücher) von Ilon Wikland, die seit 1954 die Hauptillustratorin der Werke Astrid Lindgrens war. Sie verlieh den Figuren und Geschichten der schwedischen Autorin ihre ikonisch Bildhaftigkeit. Illustriert wurden von ihr die Kinder von Bullerbü und der Krachmacherstraße, Ronja Räubertochter, Karlsson vom Dach, Mio, die Brüder Löwenherz und viele weitere. Mehrere Generationen sind mit Wiklands Bilderwelt aufgewachsen, die zur großen Bekanntheit Astrid Lindgrens Werken beigetragen hat.

Während des Besuches der LesArt-Ausstellung in der BKK Galerie trafen wir auf den Lindgren-Experten Matthias Blum, der als  Ausstellungsführer von Über Tische und Bänke  – Die einzigartige Bilderwelt der Ilon Wikland einen Rundgang mit uns machte. Blum kannte Wikland persönlich und konnte uns viele interessante Informationen und Hintergründe zu Wiklands Lebens- und Schaffensweg geben:

Wikland verbrachte ihre Kindheit in Haapsalu und flüchtete mit 14 Jahren nach Schweden. Während ihrer Flucht wurde sie von ihrem kleinen Hund begleitet, der jedoch erschossen wurde und seitdem immer wieder symbolisch in ihren Werken auftaucht.
Wikland kam bei Verwandten unter und begann, nachdem sie Stifte und Papier geschenkt bekommen hatte, mit ihren ersten Bildern, welche die Aufarbeitung ihrer Erfahrungen darstellen. Diese sehr persönlichen Erlebnisse hielt Wikland auch später in ihren Kunstwerken fest, die neben den Astrid-Lindgren-Illustrationen ebenfalls zur Ausstellung gehörten und von den BesucherInnen bewundert werden konnten. 

  
Eine Abbildung Wiklands aus dem Kinderbuch 
Die Brüder Löwenherz von Astrid Lindgren.
(Mit freundlicher Genehmigung der Ausstellungsleitung)

Vortrag: In der Werkstatt mit Katrin Engelking 

In dem Musik- und Literaturhaus Wilhelm 13, nur zwei Straßen vom PFL entfernt, waren wir zu Gast bei dem von einer PowerPoint begleiteten Vortrag Katrin Engelkings. Das junge Publikum einer 2. und einer 3. Klasse war überraschend aufmerksam, während Katrin Engelking spannend und humorvoll ihre Arbeitsprozesse erklärte. Häufig meldeten sich die Kinder und stellten neugierige Fragen zu Büchern, Figuren und zur Person Engelkings, die von ihr freundlich und ausführlich beantwortet wurden.

Katrin Engelking hat der vielleicht berühmtesten Protagonistin Astrid Lindgrens ein neues Gesicht geschenkt. Die Geschichten um Pippi Langstrumpf, dem frechen Rotschopf mit den zwei Zöpfen, wurden von ihr erstmals neu und in Farbe illustriert. Ebenso gestaltete Engelking die Anthologie Von Bullerbü bis Lönneberga mit Lindgrens Kinderbuchfiguren Michel, Ronja, Karlsson vom Dach, Madita, den Brüder Löwenherz und viele anderen. Ihre Kunstwerke in Acryl sind bunt, frisch und fröhlich und stark geprägt von den Geschichten Astrid Lindgrens und den Illustrationen Ilon Wiklands, die sie schon ein lebenslang begleiten.  

Engelking erklärte in ihrem Vortrag, wie sie mit ersten Recherchen und Ideen ihre Skizzen beginnt und mit dem Ausmalen in Acryl die Illustration vollendet. Sie schilderte auch, wie sie am Anfang ihrer Karriere Astrid Lindgren persönlich traf und wie positiv sich diese Begegnung auf ihr weiteres Leben und ihre Kunst auswirkte. 

Katrin Engelking mit dem von ihr illustrierten Buch Von Bullerbü bis Lönneberga

Resümee

Bereits seit 42 Jahren lädt die KIBUM jährlich ein, die aktuellen Neuerscheinungen im Bereich Kinder- und Jugendbücher in einer einladenden Bücherlandschaft zu entdecken. Mittlerweile ist die Messe, die immer auch ein bestimmtes Motto thematisiert, zu einer Oldenburger Tradition geworden. Neben Familien, Schulklassen und LehrerInnen besuchen auch interessierte Privatpersonen die Ausstellungen, Lesungen und Vorträge, die die KIBUM zu bieten hat.

Der Gesamteindruck der 42. KIBUM war insgesamt sehr positiv; diese Messe bietet jungen, wie auch erwachsenen BesucherInnen ein überaus großes Angebot an Kinder- und Jugendliteratur bzw. -medien. Die freundliche Atmosphäre und kindgerechte Ausstattung in den liebevoll dekorierten Räumlichkeiten sorgen für eine angenehme Leseerfahrung. 

Auffällig waren vor allem die vielen neugierigen und interessierten Schulklassenkinder, die entweder allein, zu zweit oder in Gruppen die verschiedenen Bücher entdeckten und sich gegenseitig zeigten. Auch wurde diskutiert, wer wohl das beste Buch gefunden hätte, und welches sich die einzelnen Kinder von ihren Eltern wünschten. Die gemütlichen Leseecken wurden ebenso gerne zum schmökern, wie zum kuscheln genutzt und von den Kindern freudig angenommen.

Der Messebericht zur KIBUM 2015 ist hier zu finden.

(Fotos: Anna Fredrich und Svenja Thomas)

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