von Dr. phil. Tobias Kurwinkel und Dr. Philipp Schmerheim

Das Kinderfernsehen des frühen 21. Jahrhunderts ist durch eine zunehmende "horizontale Vernetzung" (Möbius 2008) mit verschiedenen Medienkanälen gekennzeichnet: Zu den einzelnen Sendungen gibt es eigene Internetseiten mit Zusatzangeboten, Interaktionsmöglichkeiten sowie Informationen für Eltern. Die Mediatheken stellen zumindest Eigenproduktionen über den eigentlichen Sendetermin hinaus bereit. Kindersendungen werden wie Marken auf möglichst vielen Medien- und Verkaufsplattformen ausgewertet.

Bibi Blocksberg im Medienverbund

Deutlich wird die horizontale Vernetzung im Medienverbund an dem Franchise  der Texte  mit und um die Hexenprotagonistin Bibi Blocksberg von Elfie Donnelly: Diese entstehen in den 1980er Jahren zunächst als Hörspiele und werden dann für andere Medien adaptiert: So gibt es Bücher, Bilderbücher, Kinofilme, Zeichentrickfilme, Hörbücher, Musicals, Computerspiele und nicht zuletzt Lernhörspiele, die Kindern und Jugendlichen die englische Sprache vermittelt.

Am Beispiel des Stoffes  um das blonde Hexenmädchen können prototypisch sowohl horizontale Bezüge – hier intermediale Beziehungen  zwischen den verschiedenen Medientexten – als auch vertikale Bezüge – intertextuelle Beziehungen  innerhalb des Werks von Elfie Donnelly – innerhalb eines Medienverbundes nachgezeichnet werden: So treffen in vielen Hörspielfolgen Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen aufeinander, so existieren Ableger (Spin-Offs) wie Elea Eluanda, die in einer Hörspielfolge als Gast mitspielt, sowie die TV- und Hörspiel-Serie Bibi und Tina (Hahn, Hong, 2004-5), in dem das Hexenmädchen Abenteuer auf einem Reiterhof erlebt.

Die Internetseite bibiblocksberg.de bündelt sowohl horizontale als auch vertikale Bezüge, indem sie verschiedene mediale Ausdrucksformen des Medienverbundes integriert: Hörspiel- und Filmausschnitte, in Flash-Animationen eingebundene Informationstexte, Computerspiele, interaktive Gewinnspiele, Informationen für Eltern sowie prominente Verlinkungen zu den genannten Spin-Offs. Die spezifisch auf ein Kinderpublikum zugeschnittene Seite steht paradigmatisch für die Verschmelzung einzelner Elemente des Medienverbunds, die dennoch im Rahmen der ökonomischen Auswertung ihre Eigenständigkeit behalten.

Die Zukunft der Medienindustrie wird in einer weiteren Verfeinerung dieses Medienverbunds liegen, in deren Folge Filme und Fernsehprogramme für Kinder und Jugendliche zwar nicht verschwinden, diese jedoch zunehmend in ein Mediensystem eingebunden werden, in dem sich die Grenzen zwischen den einzelnen Formaten auflösen.


Literatur

  • Möbius, Thomas (2008): Kinderfilm und Kinderfernsehen. In: Wild, Reiner (Hrsg.): Geschichte der deutschen Kinder‐ und Jugendliteratur. Stuttgart, S. 450‐484 (3., vollständig überarbeitete Auflage).

Hier geht es zu den weiteren Abschnitten der Geschichte des Kinderfernsehens auf KinderundJugendmedien.de:

1. Grundlagen: Die Bedeutung des Fernsehens als Medium für Kinder und Jugendliche

2. Das Nachkriegsfernsehen in der Bundesrepublik Deutschland

3. Die Sesamstraßenrevolution der 1970er Jahre

4. Einführung des Privatfernsehens ab den 1980er Jahren

5. Kinderfernsehen im Medienverbund

 

(Dieser Text wurde ursprünglich veröffentlicht in: Tobias Kurwinkel/Philipp Schmerheim (2013): Kinder- und Jugendfilmanalyse. Konstanz und München: UVK (= UTB 3885), Kapitel 1.3, Exkurs: Fernsehprogramme für Kinder und Jugendliche. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlags)

Erstveröffentlichung: 19.11.2013

Newsletter


Joomla Extensions powered by Joobi

Veranstaltungen

Juni 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
29 30 31 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 1 2