von Daniel Hildebrandt B.A.

Eichhörnchen mutieren zu Kriegern eines dunklen Meisters, schwarze Schatten huschen durch den Wald, und entwurzelte Bäume werden zu Angst einflößenden Riesentrollen: In Terabithia setzt nur die Phantasie der beiden Freunde Jess und Leslie dem Geschehen Grenzen. Zwischen Phantasieabenteuer und Jugenddrama präsentiert sich Brücke nach Terabithia als fesselndes Emotionskino und Hymne auf die Freundschaft. Aufgrund einer dramatischen, unvorhersehbaren Wendung kann der Film sehr junge Zuschauer – trotz FSK-Freigabe "ohne Altersbeschränkung" – jedoch emotional überfordern.


Inhalt

Der elfjährige Jess Aarons (Josh Hutcherson) hat es nicht leicht im Leben: Von seinen Mitschülern wird er gehänselt, vom Vater (Robert Patrick) herumkommandiert und von der Mutter (Kate Butler), die sich um die finanziell angeschlagene Situation der Familie sorgt,  vernachlässigt. Zudem hat Jess vier Schwestern, die er am liebsten gegen einen Hund eintauschen würde.

Als das gleichaltrige, quirlige Mädchen Leslie Burke (AnnaSophia Robb) nach den Sommerferien in das Nachbarhaus einzieht, entwickelt sich zwischen den beiden Außenseitern eine Freundschaft. Verbunden fühlen sich beide vor allem durch ihre kreativen Hobbies, Jess zeichnet und Leslie schreibt Geschichten. Gemeinsam erkunden sie den angrenzenden Wald und schaffen sich dort mittels ihrer Phantasie ein eigenes Reich: Terabithia. In Terabithia regieren die beiden Freunde als König und Königin über ihr magisches Imperium, das von guten und bösartigen Phantasiegestalten bewohnt ist. Das geheime Phantasiereich ist für die beiden Kinder nur zu erreichen, indem sie sich im Wald mit einem Seil über einen Bach schwingen.

Nach der Rückkehr von einem spontanen Tagesausflug mit seiner Musiklehrerin (Zooey Deschanel) erhält Jesse abends eine schockierende Nachricht: Bei dem Versuch, den Bach alleine mit dem Seil zu überqueren, ist Leslie tödlich verunglückt. Mit Leslies Tod droht Jess’ Leben wie ein Kartenhaus in sich zusammenzufallen: Schuldgefühle plagen den Elfjährigen. Hätte er den tödlichen Unfall verhindern können, wenn er seine Freundin eingeladen hätte, ihn und die Lehrerin zu begleiten? In seiner Trauer verschließt sich der Junge mehr und mehr seiner Außenwelt, während Terabithia zugleich an Glanz und Phantasie verliert. Doch dann findet sein Vater die richtigen Worte für den trauernden Sohn: "Als sie hier herkam, hat sie dir ein besonderes Geschenk gemacht. Halte daran fest, mein Sohn. So bleibt sie unsterblich für dich."

Mit dem Bau einer stabilen Holzbrücke über den Bach widmet sich Jess einer neuen Aufgabe und krönt seine kleine Schwester (Bailee Madison) schließlich zur Prinzessin von Terabithia. Auf diese Weise wird das phantastische Vermächtnis seiner Freundin fortgeführt.

Verleih: Constantin Film

Kritik

Der Film basiert auf der Geschichte des 1977 erstmals veröffentlichten Kinder- und Jugendromans Bridge to Terabithia von Katherine Paterson. Die US-amerikanische Schriftstellerin schrieb das Buch für ihren Sohn David, dessen beste Freundin Lisa im Alter von acht Jahren von einem Blitzschlag getötet wurde. Für den 2007 veröffentlichten Film war David Paterson sowohl an der Entwicklung des Drehbuchs als auch an der Produktion beteiligt.

Sofern die Buchvorlage nicht bekannt ist, kommt der plötzliche Tod der Protagonistin Leslie im letzten Drittel des Films für den Zuschauer völlig unerwartet. Leslie wird als lebensfrohes Mädchen in die Geschichte eingeführt, das mit seinen strahlenden Augen und dem sympathischen Lächeln nicht nur Jess’ Herz, sondern auch die Herzen der Zuschauer gewinnt. Und dann das: Leslie stirbt. Ohne Vorankündigung.

In dieser kompromisslosen Härte zeigt sich die Stärke des Films: Das Thema Tod und Trauerbewältigung im Kindesalter wird realistisch umgesetzt, wodurch die Bedeutung des Hauptmotivs – der Wert der Freundschaft – unterstrichen wird. Die realistische Umsetzung der Thematik ist vor allem den beiden jungen Schauspielern zu verdanken, die ihre Rollen authentisch verkörpern. AnnaSophia Robb überzeugt als vor Lebensenergie und Phantasie überschäumende Leslie, und Josh Hutcherson schafft es durch seine glaubwürdige Mimik und Gestik, den Zuschauer über die Leinwand hinweg an der Gefühlswelt des Außenseiters Jess teilhaben zu lassen. Die Freundschaft der beiden Heranwachsenden wirkt dabei nie konstruiert, die Dialoge sind jugendgemäß und die behandelten Probleme – ob persönlicher, familiärer oder schulischer Art – knüpfen an die Lebenswelt von Kindern an.

Verleih: Constantin Film

Mit einer ausgewogenen Mischung von Popsongs und Instrumentalmusik gelingt es dem Soundtrack, die Themen wie Freundschaft und die Macht der Phantasie einfühlsam zu untermalen. Warme, helle Farben runden das positive Gesamtbild ab.

Irreführend ist hingegen die Vermarktung des Films, die mit den Worten "Bist du bereit für ein magisches Abenteuer? Dann folge Jesse und Leslie in das sagenhafte Königreich Terabithia" einen Fantasyfilm im Stil der Chroniken von Narnia verspricht. Auch der Trailer führt den interessierten Zuschauer auf eine falsche Spur, indem er, die Handlung auf die Aneinanderreihung zahlreicher Spezialeffekte reduzierend, ein reines Fantasy-Abenteuer suggeriert. Tatsächlich werden im Film Fantasy-Elemente nur sehr sparsam dosiert eingesetzt, um die Phantasie von Jess und Leslie in Terabithia zu visualisieren: So verwandeln sich beispielsweise in der Vorstellungskraft der beiden Protagonisten die Libellen im Wald in Heerscharen der Lüfte. Ein Baum nimmt in der Form eines Riesentrolls die Gesichtszüge einer Achtklässlerin an, die im Schulalltag Jess, Leslie und andere Kinder tyrannisiert. Im Unterschied zu Fantasy-Filmen wie Chroniken von Narnia, Der Goldene Kompass oder den Harry Potter-Verfilmungen wird das magische Terabithia jedoch nicht als Parallelwelt zur irdischen Wirklichkeit ins Zentrum der Handlung  gestellt. Vielmehr dient Terabithia dazu, der Phantasie der Protagonisten innerhalb ihrer Lebenswirklichkeit Raum zu geben und ihnen bei der Bewältigung ihrer alltäglichen Probleme zu helfen.

Verleih: Constantin Film

Fazit

Brücke nach Terabithia ist ein Film, der von dem Wert der Freundschaft und der Kraft der Phantasie erzählt. Und von Hoffnung. Ungeeignet für einen entspannten Popcornkino-Abend, vermag der Film jedoch zum Nachdenken über die aufgeworfenen Themen anzuregen und zu Tränen zu rühren. Während der Tod heute von Erwachsenen möglichst aus der kindlichen Lebenswelt ferngehalten wird, zeigt der Film auf schonungslose Weise, dass Tod und Trauer auch zum Leben eines jungen Menschen dazugehören (können). Eltern oder Erziehungsberechtigte sollten sich den Film dennoch zunächst alleine anschauen, um dann individuell zu entscheiden, ob sie den Film als geeignet für ihre Kinder erachten.

 

 

 

Titel: Brücke nach Terabithia
Originaltitel: Bridge to Terabithia
Genre: Fantasy
Produktionsland: USA, Neuseeland
Produktionsjahr: 2007
Dauer: 95 Minuten
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 01.03.2007
Verleih: Constantin Film
Einspielergebnis weltweit: 137,6 Mio. US-$ (Stand: August 2014)
Regisseur: Gabor Csupo
Drehbuch: Jeff Stockwell, David L. Paterson, Katherine Paterson
Buchvorlage: Katherine Paterson: Bridge to Terabithia
Darsteller: Josh Hutcherson (Jess), AnnaSophia Robb (Leslie), Robert Patrick (Jack Aarons), Latham Gaines (Bill Burke), Zooey Deschanel (Miss Edmunds), Bailee Madison (May Belle)
Kamera: Michael Chapman
Musik: Aaron Zigman
Schnitt: John Gilbert
Produzent: Lauren Levine, Hal Lieberman, David L. Paterson

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