Magie, entzaubert

von Laura-Madeleine Roos

Die gleichnamige Adaption des ersten Teils von Cornelia Funkes Tintenherz-Erfolgstrilogie  schafft es, die Magie der Geschichte mit einem Schlag auszulöschen.

Screenshot "Tintenherz", Quelle: Warner Bros.

Inhalt

Der melancholische Buchbinder Mo Folchart (Brendan Fraser, bekannt aus Die Mumie) und seine Tochter Meggie (Eliza Bennett) werden plötzlich von dem geheimnisvollen Jongleur Staubfinger (Paul Bettany, bekannt aus A Beautiful Mind) und seinem gehörnten Marder verfolgt und von fremden Bösewichten entführt. Zusammen mit Elinor, Meggies bücherverrückter Tante (Oscar-Preisträgerin Helen Mirren, Die Queen), werden sie in das verlassene Dorf des mysteriösen Capricorn (Andy Serkis, Der Herr der Ringe) verschleppt. Letzterer hat es auf das Talent des Vaters abgesehen. Gemeint sind aber nicht etwa dessen handwerkliche Fähigkeiten, sondern die Begabung, allein durch Vorlesen Figuren und Gegenstände aus Geschichten „herauszulesen“. Begnügt Capricorn sich zu Anfang noch mit den Schätzen aus 1001 Nacht, möchte er bald einen geisterhaften Henker aus seiner eigenen Geschichte in die richtige Welt holen. Denn auch Capricorn selbst wurde einst von Mo aus einem Buch herausgesogen.

Kritik

Was nach einer spannenden Geschichte klingt, ist tatsächlich auch eine. Aber leider nur in der Vorlage des Films, Cornelia Funkes 2003 erschienener Roman Tintenherz Literaturkritik zu Tintenherz auf auf kinderundjugendmedien.de. Die filmische Adaption des Buches unter der Regie von Iain Softly erschien im Jahr 2008 passend zur Vorweihnachtszeit, was ihr leider allzu deutlich ins Gesicht geschrieben steht. Auch der Zuschauer, der die Geschichte noch nicht aus dem Buch kennt, bemerkt schnell, dass es sich hier um einen übereilt zusammengeschusterten Film handelt, der nicht etwa aus Liebe zur Vorlage entstanden ist, sondern allein um die Kassen des Filmstudios klingeln zu lassen.

Schon in den ersten Momenten des 106 Minuten langen Steifens wird das Geheimnis um das mysteriöse Talent des Vaters gelüftet, was die im der Buchvorlage entwickelte Dramatik um Meggies allmählicher Aufdeckung des Rätsels verpuffen lässt. Dementsprechend fehlen auch diejenigen Handlungsstränge (die etwa ein Drittel des Buches umfassen), die sich um diesen Konflikt drehen.  Die Zuschauer werden also ohne einen verständlichen Einstieg in die Geschichte geworfen und können dem weiteren Handlungsverlauf nur äußerst schwer folgen.

Die Filmemacher kürzen die Geschichte jedoch nicht nur an zentralen Stellen, sondern sie dichten auch ganze Passagen kurzerhand um. Leider entsteht dabei keinerlei Mehrwert. Beispielsweise wird die im Buch beschriebene, durch den undurchsichtigen Staubfinger eingefädelte, Flucht von Meggie, Mo und Elinor zu Gunsten billiger Effekte ausgetauscht – Mo liest einfach den Wirbelsturm aus Der Zauberer von Oz hervor, der dann die nötige Ablenkung verschafft.

Natürlich müssen bei der Übertragung der Geschichte ins Medium Film Veränderungen und Anpassungen vorgenommen werden – das ist auch bei der Verfilmung von Tolkiens Herr der Ringe nicht anders. Aber in Peter Jacksons Filmepos werden zumindest keine unnötigen und sinnlosen Elemente dazu erfunden.

Bei derartigen Fehlentscheidungen kann auch das hochkarätige Schauspielerensemble das Ruder nicht mehr rumreißen. Der einzige, der eine adäquate darstellerische Leistung abliefert, ist der Marder. Den menschlichen Darstellern ist allerdings kaum ein Vorwurf zu machen, denn wenn bereits das Drehbuch (von David Lindsay-Abaire) ein Desaster ist, kann auch der beste Schauspieler den Lauf des Unglücks nicht mehr aufhalten. Durchweg wirken alle Akteure wie sediert; keiner von ihnen kommt im Verlauf des Filmes richtig in Fahrt.

Alles in Allem erinnert diese Produktion stark an die Adaption eines anderen Fantasy-Romans: Auch die 1985 gedrehte Filmversion von Michael Endes  Die Unendliche Geschichte konnte den Zauber der Vorlage in keinster Weise einfangen. Ohne jegliches Gespür für das Wesen der von Tintenherz ebenso wie Die unendliche Geschichteerzählten Geschichten, die eine Hommage an das Buch selbst und an die Liebe zum selben sind, verkommt der Plot beider Filme zu einer cineastischen Kakophonie.

Bleibt eigentlich nur die Frage offen, warum Cornelia Funke gute Miene zum bösen Spiel macht und den Film als sehenswerte Adaption anpreist.

 

Die Literaturkritik zu der Buchvorlage von Cornelia Funke finden Sie hier Literaturkritik zu Tintenherz auf auf kinderundjugendmedien.de

 

Titel: Tintenherz
Originaltitel: Inkheart
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2008
Dauer: 106 Minuten
Altersfreigabe: Ab 12 Jahren
Erscheinungsdatum (Deutschland): 11.12.2008
Verleih: Warner Bros.
Einspielergebnis (weltweit): $ 62,5 Mio.
Regisseur: Iain Softley
Drehbuch: David Lindsay-Abaire
Buchvorlage: Cornelia Funke - Inkheart
Darsteller: Brendan Fraser (Mortimer Folchart), Eliza Bennett (Meggie), Paul Bettany (Staubfinger), Helen Mirren (Elinor), Andy Serkis (Capricorn), Jim Broadbent (Fenoglio)
Kamera: Roger Pratt
Musik: Javier Navarrete
Schnitt: Martin Walsh
Produzent: Iain Softley, Cornelia Funke, Diana Pokorny

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