Laut, bunt, schnell: wer mit Klischees leben kann, wird einen gemütlichen Kinonachmittag haben

von Cornelia Scherpe, M.A.

96 Minuten lang wird es laut, extrem bunt und eine Hetzjagd für das Auge. Rio erfüllt alle Klischees eines Animationsfilms und ist damit nicht wirklich schlecht, aber eben auch nichts Besonderes. Worum geht es? Wie immer: ein Liebespaar, Gesangseinlagen, alberne Szenen, die kleine Lacher provozieren sollen und das Happy-Kinderwelt-Ende, in der das Gute vorbehaltlos gewinnt.

Inhalt

Drehbuchautor und Regisseur Carlos Saldanha wählt den Blauara mit dem kreativen Namen Blu zum Protagonisten. Er ist das letzte Männchen einer aussterbenden Papageienart und soll mit einem Weibchen zusammengeführt werden. Es sei die Tatsache ignoriert, dass ein einzelnes Weibchen und ein Männchen niemals die Population retten können. Die Papageien beide treffen in Rio de Janeiro zusammen, wo sie während der Karnevalszeit ein rasantes Abenteuer aus Verfolgungsjagden mit Tierhändlern und feiernden Vogelarten erleben. Am Ende überwinden sie alle Probleme in ihrem Weg und verlieben sich ineinander.

Verleih: Fox

Kritik

Positiv bei Rio sind die Musikeinlagen, bei denen man sich wirklich Mühe gegeben zu haben scheint. Die Filmmusik, komponiert von John Powell, passt zum Thema Karneval in Rio und wird Kinder wie Erwachsene sicher zum Lächeln bringen. An der gesamten Klanglandschaft von Rio lassen sich keine negativen Kritikpunkte anbringen, solange man laut und schnell ertragen kann; diesen Charakter fordert einfach das Thema. Doch ebenso wie das zentrale Motiv des Karnevals in seiner Lebhaftigkeit überzeugend umgesetzt wurde, konnte Powell auch die ruhigeren Szenen mit Balladen unterlegen. Der Soundtrack ist durch diese durchdachte Struktur überzeugend.

Die Grundzüge schnell und bunt wurden auch bei der visuellen Umsetzung reichhaltig strapaziert. Statische Aufnahmen gibt es kaum, die Kameraführung lässt die Augen keine Sekunde zur Ruhe kommen. Aber der Film lebt auch von seiner Schnelle, vom Feeling des Karnevals und von satten Farben aller möglichen Paradiesvögel. Etwas weniger wäre trotzdem für gestresste Erwachsenenaugen nett gewesen. Die Kinder aber, und sie sind das angesprochene Publikum, werden diesen Grundtenor aus Farbenpracht, schnellen Bildern und hübscher, kindgerechter Partymusik lieben.

Ebenfalls bemerkenswert bei der visuellen Umsetzung ist die Schauplatzdarstellung. Das Animationsteam setzt die berühmte Jesus-Statue bemerkenswert in Szene, als die Helden daran vorbei fliegen. Sie bruchlanden unverkennbar am Strand des bekannten Stadtteiles Copacabana und sogar die legendäre Seilbahn der "Pão de Açúcar"-Strecke findet Eingang in den Film. Wer sich in Rio de Janeiro etwas auskennt, wird von dieser treuen Umsetzung begeistert sein.

Leider kann man trotz der liebevollen Regie über das Drehbuch nichts Positives sagen. Der Plot ist von der ersten Sekunde an vorhersehbar und daher zum Federn ausrupfen langweilig. "Du bist eine Julia und er ist ein Romeo" sagt eine der Nebenfiguren und summiert damit den ganzen Film. Rio hat nichts von Romeo und Julia, doch der Film arbeitet mit Phrasen und verbaut sich jede Möglichkeit für ein wenig Tiefgang. Es gibt keine Schnittstelle zu Romeo und Julia, denn es existieren weder rivalisierende Elternhäuser, noch Intrigen oder Todesfälle. Rezipienten dieses Films sollten nur Unterhaltung und nicht Kopfarbeit erwarten. Der Film ist FSK 0 und muss nicht den Ansprüchen eines gebildeten Shakespeare-Publikums genügen.

Fazit

Rio bringt dem Genre zwar keine Bereicherung und wird in nur wenigen Monate nach seinem Kinostart 2011 in der Menge verschwinden – wie eine Welle unter tausenden, doch das Fazit bleibt positiv. Blue Sky hat keinen schlechten Film produziert. Rio ist ein entspannender Film, der definitiv etwas für die Kleinen ist und auch amüsante Momente für die Großen bereithält. Wer nicht zu viel erwartet, kann durchaus seine Freude haben. Große Handlung, mit Spannung, Überraschung und Mitfiebern sollte man aber in einem anderen Kinosaal suchen.

Titel: Rio
Originaltitel: Rio
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
Dauer: 95 Minuten
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 07.04.2011
Verleih: Fox Deutschland
Einspielergebnis: unbekannt
Regisseur: Carlos Saldanha
Drehbuch: Don Rhymer
Synchronsprecher (deutsch): David Kross (Blu), Johanna Klum (Jewel), Kaya Marie Möller (Linda), Roberto Blanco (Rafael), Christian Brückner (Nigel)
Kamera: Renato Falcão
Musik: John Powell
Schnitt: Harry Hittner, Randy Trager
Produzent: Bruce Anderson, John C. Donkin

 


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