Asterix erobert Rom (Goscinny/Uderzo, 1976)

von Jan-Henrik Gantzkow

Anarchistischer Humor, liebevolle Illustrationen und ein Dutzend kniffliger an die griechische Mythologie angelehnter Aufgaben – dies sind die Zutaten für den Zeichentrickfilm Asterix erobert Rom, welcher im Gegensatz zu den anderen Filmen der Asterix-Reihe nicht auf den Comicalben beruht. Vielleicht sticht der Film aus dem Jahr 1976 auch gerade deshalb als einer der unterhaltsamsten Filme der Serie heraus.

Inhalt

Im Jahre 50 vor Christus ist ganz Gallien von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Seit dem Jahr 1959, als Autor René Goscinny und Zeichner Albert Uderzo die Comic-Reihe um den mutigen Asterix, seinen kräftigen Gefährten Obelix und den zaubertrankbrauenden Druiden Miraculix ins Leben riefen, wissen weltweit Millionen kleiner und großer Fans, das es ein kleines Dorf gibt, welches den römischen Legionen erfolgreich Paroli bietet.

Die Abenteuer, die der Titelheld und Wildschweinliebhaber Obelix dabei in mittlerweile 36 Comicheften, den bereits erwähnten Zeichentrickfilmen und auch einigen belanglosen und überflüssigen Realverfilmungen erleben, sind mittlerweile legendär und begeistern ihr Publikum rund um den Globus.

Im dritten Zeichentrickfilm Asterix erobert Rom, der 1976, also ein Jahr vor dem viel zu frühen Tod des Asterix-Masterminds Goscinny, auf die Leinwand kam, warten auf die beiden Helden dabei gleich eine ganze Reihe schier unlösbarer Aufgaben. Denn nachdem die römischen Soldaten einmal mehr mit blauen Augen und blutigen Nasen nach Hause geschickt wurden, macht sich in Rom das Gerücht breit, es handle sich bei den gallischen Widersachern um leibhaftige Götter.  Um das Gegenteil zu beweisen, stellt Cäsar den Galliern daher zwölf Aufgaben, verspricht dafür im Falle eines erneuten gallischen Erfolgs, deren Übermenschlichkeit anzuerkennen und sich ihnen zu unterwerfen.

Sofort machen sich Asterix (gesprochen von Hans Hessling) und Obelix (Edgar Ott), begleitet von dem gleichermaßen sympathischen wie etwas trotteligen römischen Spielleiter Gaius Pupus (Dieter Cursawe), auf den Weg und stellen sich den zwölf Herausforderungen, die an die Abenteuer des Götterboten Herakles – welche im Film auch kurz genannt werden – erinnern.

Ein Wettrennen mit einem griechischen Sprinter, der Kampf mit einem teutonischen Ringer oder die Begegnung mit einem ägyptischen Hypnotiseur stehen dabei ebenso auf dem Programm wie die Überquerung eines Krokodilflusses, eine Nacht mit den schaurigen Geistern gefallener Soldaten, das Durchschreiten der Höhle einer furchterregenden Bestie (die der Zuschauer allerdings nicht zu Gesicht bekommt) und weitere abenteuerliche Aufgaben.

Dank der List von Asterix und der Kraft von Obelix meistern die beiden dabei aber auch die aussichtslosesten Situationen. Selbst die verführerischen Nymphen auf der Insel des Glücks und das reichhaltige Angebot eines belgischen Kochs können das ungleiche Duo nicht aufhalten. 

So bahnen sich die beiden Helden in dem 78-minütigen Film ihren Weg in die römische Hauptstadt. Die Abenteuer kulminieren schließlich ein einem großen Gladiatorenkampf im Kolosseum, bei dem die beiden Hauptcharaktere auf tatkräftige Unterstützung ihrer Freunde zählen können. Das Finale ist überraschend: angesichts der Unbezwingbarkeit der Gallier zieht sich Caesar ins Privatleben zurück und überträgt Asterix und Obelix die Herrschaft über das römische Reich.

Kritik

Zwar mag man kritisieren, dass gerade erwachsene Fans der Reihe während der gesamten Odyssee nie vom Gefühl beschlichen werden, die beiden beiden Helden könnten an irgendeiner Stelle scheitern. Doch darum geht es in diesem liebevoll illustrierten und von Kreativität und Witz nur so strotzenden Familienfilm auch gar nicht: Stattdessen wird durch die temporeiche Aneinanderreihung von Abenteuern ein kurzweiliges Erlebnis für Groß und Klein geboten, bei dem die Lachmuskeln nicht nur sprichwörtlich auf eine echte Probe gestellt werden.

Manch ein Witz, wie das Rätsel auf einem Berggipfel, bei dem ein bestimmtes Waschmittel erraten werden muss, eine Anspielung auf einen Werbespot aus der Erscheinungszeit des Filmes, hat im Lauf der Jahre vielleicht an Aktualität verloren, dennoch bleiben genug Verweise auf historische oder gesellschaftliche Aspekte, die man als kindlicher Fan der Serie wahrscheinlich gar nicht so verstanden hat, die 20 Jahre später aber zu einem herzhaften Lachen führen.

Besonders zu nennen ist hier natürlich die Besorgung des "Passierscheins A 38" – ein Seitenhieb auf oftmals übertriebene Bürokratie, der zu einem echten Klassiker geworden ist und auch heute noch im Alltag verwendet wird. Aber auch die Szene, in der Cäsar zu seinen späteren Mörder Brutus sagt: "Ich mag es nicht, wenn du mit einem Messer spielst", offenbart den tiefergehenden, subtilen Humor den die beiden Macher in diesem Film immer wieder geschickt einsetzen.

Fazit

Es bleibt also festzuhalten, dass den Machern mit Asterix erobert Rom ein zeitloser Film gelungen ist, der auch fast 40 Jahre nach seinem Erscheinen noch Kinder ab sechs Jahren ebenso wie Erwachsene zum Lachen bringt, auch wenn man den fast 40 Jahre alten Bildern trotz einer jüngst durchgeführten digitalen Restaurierung ihr Alter mittlerweile ansieht.

 

Titel: Asterix erobert Rom
Originaltitel: Les Douze Travaux d’ Astérix
Genre: Komödie, Zeichentrick
Produktionsland: Frankreich
Produktionsjahr: 12.03.1975
Dauer: 78 Minuten
Altersfreigabe: Ab 6 Jahren
Erscheinungsdatum (Deutschland): 1976
Verleih: StudioCanal
Kinobesucher: 7.198.628 (Stand: Februar 2016)
Regisseur: René Goscinny, Albert Uderzo
Drehbuch: Pierre Tchernia, René Goscinny, Albert Uderzo
Musik: Gérard Calvi
Schnitt: Tom Acosta, Norman Carlisle
Produzent: Georges Dargaud, René Goscinny, Albert Uderzo

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