von Anna Zamolska

Zoomania knüpft an Disney-Klassiker wie Robin Hood (1973) an und entwirft eine Tierwelt, die unsere moderne Gesellschaft widerspiegelt und aktuelle Toleranz-Probleme zur Sprache bringt. Die spannende Kriminalgeschichte spricht mit ihrem Humor und ihrer vielschichtigen Handlung vorrangig Jugendliche und Erwachsene an.

Inhalt

Zoomania ist eine Metropole mit den sechs Stadtbezirken "Sahara Platz" (Wüstenlandschaft), "Tundratown" (Schnee- und Eislandschaft), "Amazonas-Viertel" (Regenwald), "Nageria" (ländliche Gegend außerhalb der Stadt), "Savanna Central" (Stadtzentrum und Verkehrsknotenpunkt von Zoomania) und "Klein-Nageria" (eine Miniaturstadt für Mäuse und andere kleine Nagetiere). Raub- und Beutetiere leben in harmonischer Eintracht zusammen, tragen Kleidung, haben Handys und genießen auch alle sonstigen technischen und modernen Errungenschaften. Einstige natürliche Feindschaften und frühere Instinkte kommen nur noch in Vorurteilen zur Sprache, die vor allem im Stadtzentrum herrschen.

Verleih: Walt Disney

Judy Hopps (gesprochen von Josefine Preuß) träumt schon als kleines Hasenmädchen davon, Polizistin zu werden und erreicht dies mit eiserner Disziplin. Sie schließt die Akademie als Jahrgangsbeste ab und wird ins Revier 1 (Stadtzentrum) versetzt, womit ihr Traum vom Einsatz für eine bessere Welt in Erfüllung geht. Ebenso eisern ist ihr Beschluss, sich als erste Hasendame beim ZPD (Zoomania Police Department) durchzusetzen. Hier wird sie auf eine harte Probe gestellt, als sie zunächst zur Parkraumüberwachung verdonnert wird und keine ernsten Fälle übernehmen darf, die sich zur Zeit im ZPD häufen: Die Idylle und das friedliche Zusammenleben aller Tierarten in Zoomania wird gestört, als in einigen ehemaligen Raubtieren aus unerklärlichen Gründen Jagdinstinkte erwachen, die ihre Mittiere bedrohen. Alle betroffenen Raubtiere verschwinden spurlos.

Verleih: Walt Disney

Die aufgeweckte Judy kommt den Entführern der vermissten Raubtiere bald auf die Spur, als sie den Fuchs Nick Wilde (Florian Halm) dazu zwingt, ihr zu helfen – sie ist vorher seinen krummen Geschäften auf die Schliche gekommen und droht ihm, diese aufzudecken. Im Zuge ihrer gemeinsamen Suche lernen sich die beiden gegenseitig zu schätzen und gegebene Vorurteile hinter sich zu lassen. Ihre Fahndung deckt ein Komplott der zweiten Bürgermeisterin Bellwether (Britta Steffenhagen) auf, die auf der Angst der Beutetiere vor Raubtieren eine neue Regierung/Diktatur aufbauen und Raubtiere aus der Gesellschaft und allen wichtigen Funktionen ausschließen will. Hierzu wurden ausgewählte Tiere von ihren Handlangern mit einem Serum aus einer Pflanze ("Könige der Nacht" genannt) traktiert, die sie wild werden ließ – und die Öffentlichkeit glauben machte, manche Tiere hätten ihre alten Jagdinstinkte nicht abgelegt und das Zerfleischen anderer immer noch im Blut.

Kritik

Zoomania trifft mit seiner als Tierfabel getarnten Gesellschaftskritik den Nerv der Zeit und deckt Vorurteile auf, die in den letzten Jahren verstärkt auf der ganzen Welt laut geworden sind. Auch die idealistische Häsin Judy Hopps hat immer ein Anti-Fuchs-Spray dabei und lernt durch ihre gemeinsamen Abenteuer mit Nick, dass man bei der Bekämpfung von Vorurteilen bei sich selbst anfangen muss – um zu erkennen, "dass jeder einzigartig ist und seinen eigenen Platz in der Welt hat". Die anfangs problematische Beziehung zwischen den (einst) natürlichen Feinden Hase und Fuchs steht stellvertretend für den zentralen Konflikt von Zoomania, der die Gesellschaft zeitweise entzweit und die Frage aufwirft, ob es Tierarten gibt, deren genetische Veranlagung eine Bedrohung für andere sein kann. Auf diese verschlüsselte Weise stellt diese Tierfabel die Frage, ob es Kulturen- und Menschengruppen gibt, die bereits in ihrer Veranlagung gewisse Charakterzüge tragen. Und der Film beantwortet diese Frage selbst klar mit "Nein": Auf der Ebene der Tierfabel stellt sich heraus, dass alle Tierarten auf das pflanzliche Serum wild reagieren und Trickbetrüger Nick Wilde nur einer geworden ist, weil die Gesellschaft ihm keine andere Laufbahn ermöglicht hat. Er erweist sich als guter Polizist und Freund für Judy, die ihn zu ihrem Partner ernennt.

Wie in vielen Disneyfilmen gibt es auch hier viele intramediale Verweise auf Vorgänger aus dem großen Trickfilmstudio zu entdecken: So erinnert die Sequenz zum körperlichen Training in der Polizeiakademie in seinem film-technischen Aufbau an die Trainingseinheiten in Mulan (1998), wo das Mädchen in der königlichen Armee ihre Schwächen so einzusetzen weiß, dass sie zur besten Kriegerin wird. Der Fuchs Nick Wilde sieht wie ein Verwandter des Disney'schen Robin Hood aus und verweist so auf seinen großen Vorgänger. Ein Wiesel verkauft Filme auf DVDs: Hier wurden Cover von bekannten Filmen mit Tieren neu gestaltet, besonders sticht der Verweis auf den Vorgänger Rapunzel – neu verföhnt (2010) von Regisseur Byron Howard hervor, aus dem englischen Originaltitel Tangled wurde Wrangled.

Verleih: Walt Disney

Das tierische Gewimmel lässt Bilderbücher mit angezogenen Tieren lebendig werden und zeigt die minutiös ausgearbeiteten Stadtbezirke und Lebensräume der jeweiligen Tierart nach Art der Wimmelbücher: Züge haben unterschiedlich große Türen für die jeweiligen Tierarten, in Sahara-Platz sind Gebäude Sanddünen nachempfunden, in Tundratown gibt es Eisschollen statt Bürgersteige, im Zentrum kurven auf den Straßen Autos in Giraffenformat und -muster bis zu kleinsten Mäusewägelchen herum. Der deutsche Trickfilm-Architekt Matthias Lechner war künstlerischer Leiter für das Setting des Films und gibt selbst an, sich an Wimmelbüchern orientiert zu haben.

Verleih: Walt Disney

Ebenso viel Spaß wie die bunten Monumentalaufnahmen von Zoomania bereiten die vielen Wortspiele in dem Film: So fragt Nick Judy hinter dem Rücken von Schaf Bellwether: "Ob sie sich selbst zählt, wenn sie nicht einschlafen kann?", Reden beginnen mit "Meine Damen- und Herrentiere!", der Mafiaboss der Stadt hört in seinem Auto eine CD von Lucano Pavaratti, Hamster kaufen statt "Popsicle" (Eis am Stiel) "Pawpsicle" (wörtl.: Pfote am Stiel), Judys Heimat heißt "Nageria" und die dortige State Fair findet am "Karottentag" statt. Mitreißend ist die Filmmusik und das Lied "Try Everything" der Gazelle, des größten Popstars von Zoomania, die von Shakira gesungen wurde.

Fazit

Wie in einer klassischen Tierfabel, die menschliche Fehler aufdeckt, gelingt mit Zoomania ein eindrucksvolles, direktes Abbild der heutigen Gesellschaft und legt damit auf unprätentiöse Weise den Finger auf ihre Wunden – das Ergebnis ist ein eingängiges Plädoyer für Toleranz. Verpackt in eine spannende Kriminalgeschichte deckt der All-Age-Film alle Kriterien einer anspruchsvollen, kreativen und innovativen Unterhaltung ab und verweist an vielen Stellen auf andere Disney-Meisterwerke. Die vielschichtige Handlung und der Humor bleiben für kleinere Kinder jedoch stellenweise unverständlich – daher sei der Film ab 8 Jahren empfohlen.

Titel: Zoomania
Originaltitel: Zootopia
Genre: Komödie, Animationsfilm
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2015
Dauer: 109 Minuten
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 03.03.2016
Verleih: Disney
Einspielergebnis weltweit: 865 Mio. US-$ (Stand: April 2016)
Regisseur: Byron Howard, Rich Moore
Drehbuch: Jared Bush, Phil Johnston
Synchronsprecher:
Ginnifer Goodwin/Josefine Preuß (Judy Hopps), Jason Bateman/Florian Halm (Nick Wilde), Idris Elba/Oliver Stritzel (Chief Bogo), Octavia Spencer/Marion Musiol (Mrs. Otterton), Shakira/Isabel Fernández Casas (Gazelle)
Musik: Michael Giacchino
Schnitt: Jeremy Milton, Fabienne Rawley
Produzent: Clark Spencer

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