von Kerstin Beckefeld

Die Realverfilmung des Disney-Klassikers Die Schöne und das Biest setzt auf die Nostalgie des 90er-Jahre-Animationsfilms, indem die bekannten Songs und ganze Dialog-Passagen der Zeichentrickversion übernommen werden. Dabei bleiben die Grundrisse der Erzählung zwar bestehen, die Handlung wird jedoch ergänzt und die Hauptfiguren modernisiert.

Inhalt
Die schöne Belle (Emma Watson) lebt mit ihrem Vater (Kevin Kline) in einem Dorf, von dessen bornierten Einwohnern sie sich missverstanden fühlt. Sie lehnt auch die aufdringlichen Avancen ihres Verehrers Gaston (Luke Evans) ab. Als ihr Vater eines Tages, nachdem er sich im Wald verirrt hat, ein Schloss entdeckt und dort von einem Biest (Dan Stevens) gefangen gehalten wird, kommt Belle ihm zu Hilfe. Indem sie ihr eigenes Leben gegen das ihres Vaters eintauscht, kann sie ihren Vater retten. Sie selbst muss nun jedoch im Schloss bleiben, das lange zuvor mitsamt seinen Bewohnern von einer Zauberin verflucht wurde. Obwohl sie sich mit dem verwunschenen Schlosspersonal anfreundet, welches hofft, Belle sei diejenige, die das Biest liebgewinnen und so den Fluch brechen könne, will sie zunächst nichts mit dem Biest zu tun haben. Sie entdeckt jedoch bald, dass der furchteinflößende Schlossherr auch eine freundliche Seite hat. In der Zwischenzeit spinnt der verschmähte Gaston einige Intrigen und macht sich mit der gesamten Dorfgesellschaft auf, um Belle aus den Klauen des vermeintlich bösartigen Biestes zu befreien. Während eines Kampfes zwischen Gaston und dem Biest stürzt jener von einer maroden Brücke in die Tiefe. Belle kommt dem Biest zu Hilfe und gesteht ihm ihre Liebe, wodurch sie nicht nur das Biest retten kann, sondern auch das gesamte Schloss und seine Bewohner von dem Fluch erlöst.

(c) Walt Disney Company

Kritik
Die Schöne und das Biest bietet mit seiner pompösen Neuinszenierung des verzauberten Schlosses und einer großartigen Besetzung ein zauberhaftes, beinahe überladenes Filmerlebnis. Besonders gelungen ist der Musikeinsatz: Die Songs, die von den Darstellern selbst gesungen werden, sind fast alle bereits aus der Zeichentrickvariante bekannt und sorgen so für einen angenehm nostalgischen Effekt. Nachdem in einigen der bisher neuinszenierten Disney-Märchenverfilmungen wie Cinderella oder Maleficent auf die Musik verzichtet wurde, die in den Zeichentrickfilmen zum Einsatz kam, stellt sie hier wieder einen zentrales, den Handlungsverlauf unterstützendes Ausdrucksmittel dar.

Furchteinflößend dargestellt wird das von Dan Stevens gespielte Biest, wodurch der Film für jüngere Kinder eher nicht gut geeignet ist, worauf auch andere Kritiken hinweisen. Für Kinder ab ca. acht Jahren ist die Realverfilmung jedoch  sehenswert.

Die Realverfilmung lohnt sich auch für diejenigen, die den Zeichentrick-Klassiker bereits kennen. Die Zuschauer erfahren mehr über das Schicksal von Belles Mutter und den Grund, wieso Belle mit ihrem Vater aus der Pariser Großstadt in das provinzielle Dorf kam.
Einige Figuren wurden im Vergleich zur Trickfilmvariante leicht verändert: Die von Emma Watson gespielte Belle vertritt ihre Ansichten noch etwas energischer, wobei sie sich durch ihre exzentrische Art ohnehin von den übrigen Dorfbewohnern abhebt. Das Biest ist in der Neuauflage nicht mehr ungebildet, sondern wird durch seine Belesenheit mit Belle auf Augenhöhe gestellt, sodass eine noch stärkere Bindung zwischen den beiden Hauptfiguren entsteht.

Die größte Wandlung erfährt wohl die Figur des ständigen Begleiters von Gaston, Lefou: Seine bereits im Zeichentrickfilm obsessive Loyalität zu Gaston wird in Condons Version offen als homosexuelle Schwärmerei dargestellt, wobei der homosexuelle Subtext des Films in einigen Ländern Kontroversen auslöste. Zusätzlich macht seine Figur im Verlauf des Films eine Wandlung durch, die ihn dazu bringt, sich am Ende der richtigen Seite anzuschließen.

Dadurch dass Belle im Vergleich zum Disneytrickfilm selbstbestimmter auftritt und ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt, wird der Bezug zum Genderdiskurs noch verstärkt. Auch ihre Zuneigung zum Biest wirkt wesentlich authentischer, da es dieselben Werte und Interessen vertritt und somit beide Figuren als gleichwertige Partner erscheinen. Das ist durchaus Absicht, schließlich wendet sich auch Lefou am Ende des Films von Gaston ab und findet einen Partner, der ihn so akzeptiert, wie er ist. Emma Watson, die bei den MTV Movie & TV Awards 2017 für ihre Rolle in Die Schöne und das Biest als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde, setzt in ihrer Dankesrede ein Zeichen für Vielfalt, Bildung und Inklusion, wofür ihrer Ansicht nach dieser Film mehr denn je steht.

Fazit
Mit dem Rückgriff auf die erfolgversprechenden Elemente des Zeichentrickfilms in Kombination mit modernisierten Figuren und Handlungszusätzen hat Disney in Die Schöne und das Biest ein Erfolgsrezept für Neuinszenierungen gefunden, das Nostalgie und Innovation geschickt kombiniert. Eltern sollten allerdings berücksichtigt, dass das Biest auf Vorschulkinder beängstigend wirken könnte. Da sich der Film hervorragend als Family Entertainment-Film eignet, ist es den Eltern zu empfehlen, sich die neue Version des Disney-Klassikers mit ihren Kindern gemeinsam anzusehen.

Titel: DIE SCHÖNE UND DAS BIEST
Originaltitel: Beauty and the Beast
Genre: Drama, Fantasy
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2017
Dauer: 129 Minuten
Altersfreigabe: Ab 6 Jahren
Erscheinungsdatum (Deutschland): 16.03.2017
Verleih: Walt Disney Company (Germany) GmbH
Einspielergebnis weltweit: $1,223.4 Mio  (Stand: 28.05.2017)
Regisseur: Bill Condon
Drehbuch: Linda Woolverton, Stephen Chbosky, Evan Spiliotopoulos
Hauptcast: Emma Watson, Luke Evans, Emma Thompson, Kevin Kline, Dan Stevens, Ewan McGregor, Stanley Tucci, Ian McKellen, Gugu Mbatha-Raw, Josh Gad
Kamera: Tobias A. Schliessler
Musik: Alan Menken
Schnitt: Virginia Katz
Produzent: ​David Hoberman, Jeffrey Silver (Executive)

 

 


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