von Kjara von Staden

Wenn die böse Hexe des Westens aus Der Zauberer von Oz plötzlich die Halbschwester von der bösen Königin aus Schneewittchen ist, Peter Pan sich als Vater von Rumpelstilzchen entpuppt und Elsa aus Die Eiskönigin nicht mehr in Arendelle, sondern in der Menschenwelt für Eiseskälte sorgt, dann befinden wir uns in der Märchenwelt der Serie Once Upon a Time. Auch die dritte und vierte Staffel präsentieren bekannte Märchenfiguren, deren Geschichten neu erzählt, erweitert und miteinander verknüpft werden. Erstmals treten auch Figuren aus Kinderbüchern und Gedichten auf.

Inhalt

Once Upon a Time spielt in der fiktiven Stadt Storybrooke, in der alle Bewohner Märchenfiguren sind, die durch einen Fluch der bösen Königin aus Schneewittchen von der Märchenwelt in die reale verbannt wurden. Allerdings kann sich niemand in dieser Stadt daran erinnern, eine märchenhafte Vergangenheit zu haben. Emma Swan, Tochter von Snow White und Prince Charming, hebt den Fluch jedoch im Laufe der ersten Staffel mithilfe ihres Sohnes Henry auf. Regina, die böse Königin, gibt den Kampf gegen die Helden nicht auf und versucht diese – nun mit der Unterstützung ihrer Mutter Cora – in der zweiten Staffel zu vernichten.

[Eine Besprechung der ersten beiden Staffeln finden Sie hier]

In Staffel 3 und 4 müssen sich die Märchenfiguren erneut gegen mehrere Bösewichte durchsetzen: Zu Beginn der dritten Staffel lässt Peter Pan Henry nach Neverland entführen. Denn Henrys Herz, das Herz des am innigsten Glaubenden, kann ihn für immer jung bleiben lassen. Als Henry von seiner Familie rechtzeitig gerettet wird, verflucht Pan Storybrooke, um sich dort ein neues Neverland aufbauen zu können. Bevor der Fluch die Stadt erreicht, wird Pan jedoch getötet. Trotzdem müssen alle Märchenfiguren mit Ausnahme von Emma und Henry in den Zauberwald zurückkehren, um dem Fluch zu entkommen. Dort treffen sie auf Zelena, die böse Hexe des Westens und Halbschwester Reginas. Zelena will sich dafür rächen, dass ihre Mutter Cora sie als Säugling ausgesetzt hat und sie daraufhin ein elendes Leben in Not führen musste. Neidisch auf Regina, die als Tochter eines Königs geboren wurde, will sie die Zeit zurückdrehen und verhindern, dass ihre Mutter sie ihrem Schicksal überlässt. Obwohl es Snow und Charming gelingt, die Märchenfiguren nach Storybrooke zurückzubringen und Mr. Gold Zelena aufhalten und töten kann, wird ihr Zeitportal aktiviert. Hook und Emma werden durch dieses in die Vergangenheit gesogen und schaffen es erst im Staffelfinale, mithilfe einer jüngeren Version von Rumpelstilzchen in die Gegenwart zurückzukehren. Dabei nehmen sie, ohne es zu wissen, eine Urne aus Rumpelstilzchens Keller mit, aus der sich kurz vor Ende der dritten Staffel eine neue Märchenfigur kämpft: die Eiskönigin Elsa.

Im Mittelpunkt der vierten Staffel steht zunächst das Auftauchen von Elsa, die verzweifelt nach ihrer Schwester Anna sucht. Wenig später stellt sich heraus, dass Elsa nicht die Einzige ist, die Eismagie anwenden kann. Ingrid, Anna und Elsas Tante – die wie ihre Nichte in der Vergangenheit damit zu kämpfen hatte, allein mit ihrer Gabe zu sein – will sich mit Elsa und Emma eine neue Familie aufbauen, in der alle ähnliche magische Fähigkeiten besitzen. Um dies zu erreichen, spricht sie einen Fluch aus, durch den alle nur das Schlechte in ihren Mitmenschen sehen. Als die inzwischen nach Storybrooke gelangte Anna Ingrid aber einen Abschiedsbrief zeigt, erkennt Ingrid, dass ihre Schwester (Annas und Elsas Mutter) sie trotz ihrer beängstigenden Gabe immer geliebt hat. Von Reue geplagt, löst sie den Fluch und tötet sich selbst. Mr Gold bemerkt währenddessen, dass sein Herz aufgrund der vielen bösen Taten, die er als Dunkler vollbracht hat, nicht mehr lange schlagen wird. Zum Ende der Staffel verlässt die Dunkelheit, die Mr. Gold bisher erfüllt hat, seinen Körper und sucht sich einen neuen Wirt: Emma.

Verleih: 2017 ABC Studios

Kritik

Die Dramaturgie der dritten und vierten Staffel folgt einem vergleichbaren Muster: Beide Staffeln werden thematisch grob in zwei Hälften geteilt, wobei sich jeder Abschnitt einem anderen Bösewicht widmet. Die dritte Staffel kann die Spannung stringent aufrecht erhalten: Der Fluch Peter Pans leitet ohne inhaltliche Brüche in die zweite Hälfte der Staffel über. Der vierte Staffel gelingt dies nicht so gut. Während die Geschichte um Elsa und ihre – aus dem Anderson'schen Märchen entnommene Schneekönigin – Tante Ingrid spannend gestaltet wird, erscheint der zweite Abschnitt der Staffel aufgrund der vielen neu eingeführten Bösewichte und der  Auferstehung von Zelena ein wenig unübersichtlich. Das Finale der vierten Staffel lässt aber wieder auf mehr Spannung hoffen, da Emma, die zuvor als Retterin und durch und durch guter Mensch präsentiert wurde, nun die Böse ist.

Mit der vierten Staffel von Once Upon a Time hat der Sender abc geschickt auf den aktuellen internationalen Erfolg von Die Eiskönigin und den damit einhergehenden Hype um die Figuren Anna und Elsa reagiert. Die hohe Ikonizität, die die Figuren aus Arendelle in der Serie aufweisen, erinnert kindliche Zuschauer sofort an die bekannten Disney-Prinzessinnen. So ähneln die Schauspielerinnen von Anna und Elsa den animierten Figuren hinsichtlich Frisur und Kostümierung sehr stark. In Deutschland werden sogar dieselben Synchronstimmen verwendet. Weitere Figuren aus Die Eiskönigin wie Kristof, das Rentier Sven, Hans und die Trolle inklusive Grand Pabbie werden ebenfalls mit in die Handlung eingebunden. Aber auch die enge schwesterliche Verbindung von Anna und Elsa wird aufgegriffen. Fokussiert wird jedoch Elsa, die ohne Anna in Storybrooke an der Seite von Emma und ihrer Familie kämpft. Die Geschichte der beiden wird – typisch für Once Upon a Time – durch Rückblenden nach und nach aufgedeckt. Dabei setzt der erste Flashback kurz vor der Hochzeit von Anna und Kristof ein, sodass die erste Hälfte der vierten Staffel wie eine Fortsetzung des Disney-Films erscheint. Fans des Films, die schon lange in den sozialen Medien ein Sequel verlangen, werden so geschickt an den Fernseher gelockt.

Ikonisch ist auch die Raumgestaltung Arendelles, besonders der Hafen des fiktiven Landes wirkt wie eine Kopie aus dem Animationsfilm. Diese Ähnlichkeitsverhältnisse zu den Disney-Verfilmungen sind häufig bei Once Upon a Time zu finden, etwa beim Tanz von Belle und Mr. Gold, der hinsichtlich Musik und Kostümierung ein sehr ähnliches Bild wie Die Schöne und das Biest schafft, oder hinsichtlich der Waldlandschaft Neverlands, die stark an die aus dem Disney-Film von 1953 erinnert.

Interessant an der Geschichte um Peter Pan ist vor allem die Gestaltung der Figur. Pan ist hier nicht der lebensbejahende, verträumte Junge, der andere Kinder mit nach Neverland nimmt, um ihnen eine Freude zu bereiten. Er wird als egoistischer und machtgieriger Schurke eingeführt, der anders als die anderen Bösewichte in Once Upon a Time keine Gründe für sein Handeln vorweisen kann. Warum Pan unbedingt jung bleiben will und weshalb er deshalb sogar seinen Sohn Rumpelstilzchen zurückgelassen hat, wird nicht erläutert. So büßt die Figur allerdings die Vielschichtigkeit ein, die die Serie sonst auszeichnet. Pan bleibt bis zu seiner Vernichtung intransparent. Genauso wie sein Sohn vereint aber auch Peter Pan gleich zwei Figuren in sich, indem er außerdem noch als Rattenfänger (von Hameln) Kinder nach Neverland lockt und so immer wieder seine Schar von verlorenen Jungs aufstockt. Diese Verknüpfung der Figur von James Barrie mit der deutschen Sage lässt Pan aber nicht wie seinen Sohn Rumpelstilzchen gleichzeitig gut und böse wirken, sondern verfestigt das Bild eines Bösewichts noch. Allerdings wird durch die grausame Darstellung Peter Pans verständlicher, warum Rumpelstilzchen vor seiner Wandlung zum Dunklen so verunsichert war und weshalb er immer noch mit Verlustängsten zu kämpfen hat.

Im Mittelpunkt beider Staffeln steht somit wieder der Kampf zwischen Gut und Böse. Mit Zelena wird zudem eine Figur eingeführt, die erstmals weder einen märchenhaften Hintergrund hat noch aus einem Zeichentrickfilm der Walt Disney Studios stammt. Die böse Hexe des Westens aus Der Zauberer von Oz wird in das Märchen von Rumpelstilzchen eingebettet. Ironischerweise gelangt sie wie Dorothy durch einen Wirbelsturm nach Oz und wächst dort in Armut auf. So entsteht auch bei ihr das Böse aus Schmerz und Leid.

Ein übergeordneter Handlungsstrang in Staffel vier ist die Suche nach dem Autor des Märchenbuches, in dem alle Geschichten der Märchenfiguren niedergeschrieben sind. Hier kommt nun die interessante Idee eines Autors auf, der das Leben der Figuren wie ein Marionettenspieler steuert und somit große Macht ausüben kann. So wird das Buch-im-Buch-Motiv, das bereits in den ersten drei Staffeln aufgegriffen wird, in den Vordergrund gestellt. Verknüpft wird diese Idee mit Goethes Gedicht Der Zauberlehrling und der Artus-Sage: Merlin, der in der vierten Staffel allerdings nur durch Erzählungen des Zauberlehrlings Teil der erzählten Welt ist, ist der erste Magier der Märchenwelt und gleichzeitig ihr Beschützer. Er ist jedoch in einem Baum gefangen, weshalb ihn sein Lehrling in Zusammenarbeit mit dem Autor des Märchenbuches vertritt.

Fazit

Die dritte und vierte Staffel von Once upon a time legen bisher unbekannte Eigenschaften von Snow White, Prince Charming, Emma und anderen Bewohnern Storybrookes frei. Die Verknüpfungen der Märchenfiguren mit weniger märchenhaften Romanen, Gedichten und Sagen gelingt, die zweite Hälfte der vierten Staffel kann allerdings aufgrund der vielen neuen Bösewichte und Wendungen der Handlung nicht ganz überzeugen. Serienfans ab 12 Jahren werden vor allem an dem Handlungsstrang, der sich mit den Figuren aus Die Eiskönigin beschäftigt, Freude haben.

 

Titel: Once upon a time – Es War Einmal
Originaltitel: Once upon a time
Genre: Fantasy, Märchen
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: seit 2011
Dauer: 40 Minuten pro Folge
Altersfreigabe: Ab 12 Jahren
Erscheinungsdatum (Deutschland): 4. September 2012
Verleih: ABC Studios
Darsteller: Ginnifer Goodwinn (Snow White), Jennifer Morrison (Emma Swan), Lana Parrilla (Regina Mills), Robert Carlyle (Mr Gold), Josh Dallas (Prince Charming), Jared S. Gilmore (Henry Mills)
Produzent: Edward Kitsis, Adam Horowitz

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