von Melanie Joannidis

Der erste Teil der Ice Age-Filme aus dem Jahr 2002 wurde zu einem großen Erfolg für die Blue-Sky-Studios: eine Oscarnominierung als bester Animationsfilm und Millionen von Kinobesuchenden weltweit bestätigten dies. Die Handlung ist eine gelungene Mischung aus Unterhaltung und der Vermittlung moralischer Werte. Insbesondere das Motiv der Freundschaft wird kindgerecht herausgearbeitet. Doch auch für Erwachsene ist der Film sehenswert, dank eines schwarzen Humors und ironischer Anspielungen.



Inhalt

20.000 Jahre vor unserer Zeit: Die Eiszeit naht und die prähistorische Tierwelt zieht es in Richtung Süden. Aber nicht alle beteiligen sich an der Herdenwanderung. Das einzelgängerische Mammut Manfred zieht es nach Norden und das Faultier Sid wird – wie jedes Jahr – von seiner Familie zurückgelassen. Die beiden Außenseiter treffen durch einen Zufall aufeinander.

Und dann ist da noch Diego, der listige Säbelzahntiger, der seinem Rudelführer ein Menschenkind ausliefern soll. Das Baby gerät in die Hände von Sid und Manni, die entschließen, es gemeinsam zu den Menschen zu bringen. Diego nutzt dies zu seinem Vorteil: Er leitet die Truppe als Spurenleser an, wartet aber auf den geeigneten Moment, um das Kind zu entführen. Doch Manni vertraut dem Säbelzahntiger nicht und überwacht ihn.

Mammut, Faultier, Säbelzahntiger und dann noch ein Menschenkind: das ist eine ungleiche Konstellation, die am Anfang zu Streit und Hänselei führt. Aber das Baby hält die Gruppe zusammen und schon bald lernen sich die drei 'Babysitter' gegenseitig schätzen. Zusammen bestehen sie einige Abenteuer, wie den Ausbruch eines unterirdischen Vulkans, bei dem Manfred sein eigenes Leben in Gefahr bringt, um Diego zu retten. Das veranlasst den Säbelzahntiger, seine hinterlistigen Pläne zu überdenken. Er entscheidet sich für die Freundschaft zu Sid und Manni und gegen das gierige Rudel der Säbelzahntiger, welches bereits in einem Hinterhalt auf seine Beute lauert.

Gemeinsam tricksen die Drei das Rudel aus und schaffen es, das Kind in Sicherheit zu bringen. Das Happy End ist vollkommen, als Sid und Manni dem Anführer der Menschenherde seinen Sohn übergeben und dieser aus Dankbarkeit die Halskette seiner verstorbenen Frau an Manni überreicht. In beidseitigem Einverständnis ziehen Menschenrudel und Tierrudel in entgegengesetzte Richtungen.

Kritik

Der große Erfolg des ersten Ice Age-Filmes wird besonders in der liebevollen Umsetzung der tierischen Charaktere begründet. Durch den Einsatz moderner Animationstechnik wird beispielsweise die Fellstruktur der Tiere hervorgehoben. Dadurch wirken die Animationsfiguren besonders lebendig. Charakterlich sind die drei Hauptfiguren durch menschliche Merkmale gekennzeichnet und durch spezifische Eigenschaften voneinander abgetrennt: Manfred, genannt Manni zum Beispiel als Vertreter des Typus 'harte Schale, weicher Kern', oder Sid als naiver Chaot mit Sprachfehler (synchronisiert wird er im Deutschen von Otto Waalkes).

Eine 'unnatürliche' Kombination ist es allemal, wenn sich prähistorische Tierarten, also Mammut, Faultier und Säbelzahntiger, die in Wirklichkeit natürliche Feinde sind, auf der Kinoleinwand zu einer Herde zusammenschließen. Gerade die scheinbare Ungleichheit der Freunde lässt den Humor des Films aufleben. Auch die Botschaft des Films wird von dieser Ungleichheit begünstigt: Charakterliche Gegensätze sind in einer Freundschaft von Vorteil, weil sie sich ergänzen. Das macht die "krasseste Herde der Welt", wie Sid es formuliert, aus. Diese Aussage ist so verpackt, dass sie besonders ein kindliches Publikum anspricht (freigegeben ist der Film ohne Altersbeschränkungen).

Allerdings haben die Produzenten von Ice Age auch an ein jugendliches und erwachsenes Publikum gedacht. Erkennbar wird das an der Subtilität des Humors, der nicht spezifisch an ein junges Publikum gerichtet ist. Da sind zum einen die häufig eingesetzten Slapstick-Elemente, z.B. in der Figur des Scrat, einem kleinen Eichhörnchen, das mit aller Gewalt seine Eichel im Eis verstecken will und der schwarze Humor, z.B. in der Dodoszene, als alle Dodos am Ende sterben, obwohl sie ihr Überleben sorgfältig geplant hatten.

Weitere subtile Humorelemente sind die bissigen Dialoge zwischen Sid, Manni und Diego, in denen oft ironische Anspielungen enthalten sind; beispielsweise bezeichnet Manni einen Eisbau, der Stonehenge nachahmt, als "moderne Architektur". Zwar ist der Einsatz solcher Mittel für einen sechsjährigen Zuschauenden wohl kaum verständlich. Aber die Leichtfertigkeit, mit der die Szenen dargestellt werden und die bildliche Ebene wirken auch auf den kindlichen Zuschauenden unterhaltsam. So wird für alle Altersklassen ersichtlich, dass in Ice Age nicht alles ernst genommen werden darf. Selbst das Aussterben einer Art (in der oben beschriebenen Dodoszene) trägt hier auf sehr sarkastische Weise zur Belustigung bei.

Am Ende des Filmes scheint die Moral dann aber einen sehr hohen Stellenwert für die Produzenten einzunehmen. Dies zeigt sich in der idealistischen Vorstellung der Vereinigung von Mensch und Tier in einem gegenseitigen Einverständnis. Als ein für Hollywood typisches Happy End wird der Schluss des Films ein wenig auf die Spitze getrieben. Dahinter lässt sich der Wunsch vermuten, einem jungen Publikum Tierliebe zu vermitteln und für mehr Tierschutz zu werben.

Fazit

Ice Age überzeugt durch seine Vielschichtigkeit ein breites Publikum. Dies bestätigt auch die hohe Anzahl von Kinobesuchenden (weltweit wurden Einnahmen von 383,3 Millionen Dollar erzielt). Das Thema Freundschaft, unabhängig von der Rasse oder Herkunft so umzusetzen, dass sich möglichst viele Altersstufen davon angesprochen fühlen ist der große Verdienst des Films. So schafft es das Regieteam um Chris Wedge und Carlos Saldanha eine ernste Botschaft unterhaltsam zu vermitteln.

 

Titel: ICE AGE
Originaltitel: Ice Age
Genre: Abenteuer/Komödie
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2002
Dauer: 81 Minuten
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 21.03.2002
Verleih: 20th Century Fox
Einspielergebnis weltweit: $383,257,136
Regisseur: Chris Wedge
Carlos Saldanha (Co-Regisseur)
Drehbuch: Michael Berg
Michael J. Wilson
Peter Ackerman
Musik: David Newman
Synchronisation: Rolle:           Deutscher Sprecher:
Manni Arne Elsholtz
Scrat Otto Waalkes
Sid Otto Waalkes
Diego Thomas Fritsch
Soto Christian Brückner
Zeke Lutz Mackensy
Carl Douglas Welbat
Frank Jörg Hengstler
Oscar Reiner Schöne
Dab Michael Pan
Produzent: Lori Forte

 

Erstveröffentlichung: 26.04.2012


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