von Nele Cichon

Es herrscht Aufregung auf Nimmerland, denn Neuankömmling Tinker Bell ist ganz anders als die restlichen Feen. Durch ihre Unerfahrenheit und Selbstzweifel steht nicht nur der Frühling auf dem Festland, sondern auch das Gleichgewicht der Natur auf dem Spiel, denn die Feen sind dafür verantwortlich, die verschiedenen Jahreszeiten in die Welt der Menschen zu bringen. Der Animationsfilm Tinker Bell erzählt die Geschichte der quirligen Fee aus J.M. Barries Peter Pan.

Inhalt

Wenn ein Baby zum ersten Mal lacht, wird aus diesem Lachen eine neue Fee geboren; in diesem Fall Tinker Bell. Vom Wind getragen gelangt sie vom Festland nach Nimmerland und lebt von nun an im Tal der Feen. Dies ist ein Ort auf Nimmerland, welcher von der Königin der Feen regiert wird. Hier leben alle Feen miteinander und gehen ihren jeweiligen Aufgaben nach. Jede Fee hat eine eigene besondere Gabe. So gibt es u. a. Tierfeen, Gartenfeen, Wasserfeen und Lichterfeen, die dafür verantwortlich sind, die verschiedenen Jahreszeiten auf das Festland zu bringen. Tinker Bell hingegen ist eine Kupferkesselfee. Sie ist handwerklich sehr begabt, erfindet und repariert Dinge aller Art. Zum Jahreszeitenwechsel dürfen Kupferkesselfeen im Gegensatz zu allen anderen Feen nicht mit aufs Festland fliegen, denn ihre Arbeit wird ausschließlich im Tal der Feen getätigt. Sie hat sich diese Gabe nicht ausgesucht, denn die Gabe ist angeboren. Tinker Bell ist enttäuscht, 'nur' eine handwerkende Kupferkesselfee zu sein und beneidet die anderen. Sie ist innerhalb ihres Handwerks sehr begabt, das will sie sich jedoch nicht eingestehen.

Vidia ist eine eingebildete Schnell-wie-der-Blitz-Fee, die Tinker Bells Arbeit als Kupferkesselfee nicht wertschätzt und als unwichtig betitelt. Mutig, dickköpfig und ausdauernd wie Tinker Bell ist, will sie Vidia beweisen, dass auch sie wichtig für die Gemeinschaft ist. Sie will ihre Gabe wechseln und bittet ihre Freundinnen, ihr etwas beizubringen. Sie scheitert bei den neuen Aufgaben auf ganzer Linie und fragt letztendlich Vidia, ob sie ihr behilflich sein kann. Diese stellt Tinker Bell die unmögliche Aufgabe, die gefährlichen Renndisteln einzufangen. Tinker Bells Versuche, die Disteln einzufangen, enden in einem großen Chaos, welches den Frühling auf dem Festland bedroht. Wenn der Frühling nicht rechtzeitig aufs Festland gebracht werden kann, geraten alle Jahreszeiten durcheinander und nichts wird mehr so sein wie vorher. Nun steht Tinker Bell vor der großen Herausforderung, die monatelangen Vorbereitungen für den Frühling in kürzester Zeit erneut zu bewältigen. Nur ihre Gabe kann ihr dabei helfen.

Kritik

Die Figur Tinker Bell entstammt J.M. Barries Peter Pan und bekommt hier eine eigene Film-Geschichte. Der Bogen zu Peter Pan wird am Ende des Fantasy-Abenteuers durch die Reise nach London und einen kurzen Auftritt von der jungen Wendy Darling geschlagen. Im Jahr 2005 wurde das Disney Franchise "Disney Fairies" gegründet, J.M. Barries Fee steht hierbei im Mittelpunkt. Disney Fairies erweitert Barries Informationen über die Feen auf Nimmerland und stellt die anderen Feen an Tinker Bells Seite vor. Das Franchise beinhaltet vor allem Filme, von denen die meisten als Direct-to-Video-Filme produziert wurden, außerhalb der USA aber dennoch zum Teil eine Kinoauswertung erhielten. Der erste Teil von 2008 bekam mehrere Fortsetzungen: Tinker Bell – Die Suche nach dem verlorenen Schatz (2009), Tinker Bell – Ein Sommer voller Abenteuer (2010), Das Geheimnis der Feenflügel (2012), Tinker Bell und die Piratenfee (2014) und Tinker Bell und die Legende vom Nimmerbiest (2015). Hinzu kommen Kurzfilme, Bücher, Computerspiele und die Zeitschrift Disney Fairies.

Tinker Bell ist ein sehr farbenfroher und lebendiger Film, der fast ausschließlich in der Natur spielt. Es gibt viele Tiere, Pflanzen und – natürlich – Feen. Der liebevoll gestaltete Film legt Wert aufs Detail und im kunterbunten Treiben der Feen und Tiere gibt es für Rezipierende viel zu entdecken. Die Qualität der Animation ist gut, denn die Figuren sind individuell gestaltet und Emotionen spiegeln sich sehr glaubwürdig in ihren Gesichter wieder. Der Film arbeitet mit ruhigen und actionreichen Szenen. Diese wechseln sich miteinander ab, sodass Kinder zwischendurch entspannen können. Gefahrensituationen treten auf und werden schnell aufgelöst. Einige Sequenzen könnten für schreckhafte Kinder etwas nervenaufreibend sein, die Spannung wird aber durch ruhigere Szenen schnell aufgelöst. Tinker Bell steht im Fokus der Handlung und durchlebt starke Emotionen. Diese werden kindgerecht dargestellt und wecken die Empathie der Zuschauenden. Die Dialoge sind einfach gehalten, dennoch informativ und wichtig für den Handlungsverlauf, welcher einem klaren Handlungsstrang folgt.

Ebenfalls auffällig ist die Darstellung der weiblichen Feen: Es handelt sich um 'junge Frauen' mit einer betont weiblichen Figur, die teilweise sehr kurze Kleider tragen, welche ihre langen Beine betonen. Jede von ihnen ist hübsch und hat eine schlanke Figur. Es ist fraglich, ob diese stereotype Darstellung für junge Rezipierende angemessen ist.[1] Fee Mary hingegen, die Chefin der Kupferkesselfeen, ist eine erwachsene Frau, die pummelig und weitaus bedeckter gekleidet ist. Auch Tinker Bells männliche Kollegen Bobble und Clank entsprechen nicht den beschriebenen Idealdarstellungen: Einer ist dick, der andere trägt als einzige Fee eine Brille mit sehr dicken Gläsern: Beide sind keine Heldenfiguren, sondern Figuren, die durch ihre eher komische Art belustigen sollen. Hier versucht der Film, das sexualisierte Erscheinungsbild der anderen Feen aufzubrechen. Dies funktioniert nur für einen kurzen Augenblick, denn Fee Mary, Bobble und Clark sind bei Weitem nicht so oft auf dem Bildschirm zu sehen wie Tinker Bell und ihre Freundinnen.

Als lehrreich erweist sich hingegen die Tatsache, dass Tinker Bell, die keine Kupferkesselfee sein möchte, nach ihrer anfänglichen Abneigung gegen ihre Gabe doch noch lernt, wie wichtig diese ist. Trotzdem wird noch einmal die Darstellung des Musters deutlich, durch welches Tinker Bell ihre Gabe erst zu schätzen lernt. Im Handlungsverlauf des Films ist Tinker Bell für das Chaos verantwortlich, das den rechtzeitigen Beginn des Frühlings bedroht. Sie allein ist es zwar, die durch ihre Kreativität und ihren Ehrgeiz den Flug auf das Festland letztendlich ermöglicht, zu kritisieren ist aber, dass ohne ihr leichtfertiges Handeln das Tal der Feen nicht in Panik versetzt worden wäre. Es muss beachtet werden, dass der Film dieses klare Muster benutzt, um den Zuschauenden zu verdeutlichen, wie wichtig Tinker Bells Gabe ist. Die Gaben der anderen Feen werden bei den Aufräumarbeiten schlichtweg in den Hintergrund gestellt und Tinker Bell erntet als einzige den Ruhm für den rechtzeitigen Beginn des Frühlings.

Tinker Bell ist reizbar und schnell eingeschnappt, aber auch sehr liebenswürdig. Sie ist nicht nur besonders kreativ und ehrgeizig, sie bringt auch den Nicht-Kupferkesselfeen neue Dinge bei. Auch ist sie es, die Sachen zusammenbauen kann, an denen die anderen Kupferkesselfeen scheitern. Dies zeigt Tinker Bells Entwicklung, denn am Ende des Films hat sich ihre anfängliche Abneigung gegen ihre Gabe ins Gegenteil verwandelt. So zeigt Tinker Bell den Rezipierenden, dass individuelle Talente, die vielleicht auf den ersten Blick nicht so herausragend erscheinen wie andere, unverzichtbar für die Gemeinschaft sind. Jede Fee ist wichtig für den Jahreszeitenwechsel auf dem Festland, egal welche Gabe sie hat.

Fazit

Es fällt nicht schwer, Fee Tinker Bell und ihre Freunde ins Herz zu schließen. Auch die Botschaft ist eindeutig: Glaube an dich selbst und liebe, wer und wie du bist. Es ist egal, was andere können, die eigene Gabe ist genauso wertvoll wie die der anderen. Es wird verdeutlicht, dass Neid zu nichts führt und jede und jeder lernen muss, mit sich selbst zufrieden zu sein. Aufgrund dieser lehrreichen Botschaft, die von Kindern noch nicht allzu früh verstanden werden kann, und mit Bezug auf die oben genannten formalen Aspekte ist Tinker Bell ab 6 Jahren geeignet.

 

Fußnoten

[1] Eine Studie von IconKids & Youth fand heraus, dass Kinder zwischen 6 und 13 Jahren eine sexualisierter Mädchenfiguren nicht bevorzugen (vgl. Götz S. 19).

 

Literatur

  • Götz, Maya und Andrea Holler: Wollen Kinder sexualisierte Mädchenfiguren? In: TelevIZIon 30 (2017). S. 18-19.

 

Titel: Tinker Bell
Originaltitel: Tinker Bell
Buchvorlage: J.M. Barrie: Peter Pan
Genre: Abenteuerfilm, Fantasy
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2008
Dauer: 78 Minuten
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 10.11.2008
Verleih: Walt Disney Studios Home Entertainment
Regisseur: Bradley Raymond
Drehbuch: Jeffrey M. Howard
Musik: Joel McNeely
Synchronsprecher: Gabrielle Pietermann (Tinker Bell), Stephanie Kellner (Klara), Shandra Schadt (Emily), Maren Rainer (Silberhauch), Sabine Bohlmann (Rosetta), Dagmar Dempe (Königin Clarion), Benedikt Weber (Terence), Elisabeth von Koch (Vidia), Christain Tramitz (Bobble), Katrin Fröhlich (Fee Mary), Mark Kuhn (Clank)
Schnitt: Mark W. Rosenbaum
Produzent: Jeannine Roussel

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