Caillou (Fernsehserie, 1998-2006)

Ein kleiner Junge entdeckt die Welt

von Liza-Marie Siegmund

Basierend auf den Büchern der französischen Autorin Chrstine L`Heureux fand der vierjährige Junge Caillou im August 1998 zum ersten Mal den Weg auf den Bildschirm. Der Zeichentrickfilm entsprang aus der Feder von Hélène Desputeaux, die Caillou und seine Freunde zeichnete. Mit diesen französische Wurzeln wundert es nicht, dass auch der Name des kleinen Hauptdarstellers aus dem Französischen entspringt. Der kleine "Glatzkopf", wie sich der Name übersetzen lässt, führt seine jungen Zuschauer durch die Sendung, die einfach gehalten und für seine Zielgruppe somit leicht zu verstehen ist. Die Folgen vermitteln dabei in spielerischer Form das Verhalten in Alltagssituationen. Implizit erfahren die zuschauenden Kinder so ein angemessenes Verhalten in verschiedensten Alltagssituationen, vermittelt meist durch die Erzählerin, die durch die Folgen leitet.

Caillou (Verleih: Teletoon)Quelle: Teletoon

Inhalt

Im Leben den kleinen und sympathischen Caillou ist immer etwas los. Begeisterungsfähig stellt er sich jedem Tag den neuen Herausforderungen, die ihn erwarten. Caillou wird bei den neuen Entdeckungen von seinen Eltern unterstützt, von seiner Schwester Rosie, von dem Familienkater, seiner "Omi" und seinem "Opi" und nicht zuletzt von seinen zahlreichen Freunde. Der kleine "Glatzkopf" wohnt dabei in einem schönen Haus, und die Familie spiegelt ein idyllisches Ideal wieder. Während Caillous Vater Boris tagsüber arbeiten geht, ist seine Mutter Doris zu Hause und versucht ihre Kinder mit spannenden Aufgaben und neuen Ideen zu beschäftigen.

Caillou macht dabei seine eigenen Entdeckungen, und wenn er einmal Fragen hat, ist seine Mutter stets bei ihm und erklärt ihm – und nicht zuletzt dem Zuschauer – die Dinge des Alltags. Was für sie selbstverständlich ist, ist für Caillou oftmals neu. So geht es auch den kleinen Zuschauern von Caillou, für die die Serie eine lehrende Funktion hat.

Obwohl die Serie sprachlich auf einem einfachen und somit leicht zu verstehenden Niveau gehalten wird, ist sie für die zuschauenden Kinder bereichernd und nimmt auch hier eine lehrende Funktion ein. Caillou wird als authentischer Junge dargestellt, der selbst die Sprache noch nicht vollständig beherrscht. So erklärt ihm seine Mutter seine Gefühle und hilft ihm, diese in Worte zu fassen. Denn oft weiß Caillou gar nicht, wie die Gefühle heißen, die er empfindet oder wie die Farben heißen, die er so gerne mag. Implizit wird das somit auch den Zuschauer gelehrt.

Kritik

Abseits der Familie und den häuslichen Situationen tritt Caillou auch in den Kontakt mit anderen Kulturen und in Kontakt mit Kindern, die jünger und älter sind als er. Obwohl sein Nachbar Paul Hinkle neben seiner Schwester Rosie sein häufigster Begleiter ist, ist Leo sein bester Freund. Leo geht mit Caillou in die Schule und besucht mit ihm die selbe Klasse. Leo ist jüdisch und so wird erklärt, wieso er den Feiertag "Chanukka" feiert. Ebenfalls seit Beginn der ersten Folge ist Clementine an der Seite von Caillou zu finden. Seine Freundin mit afro-amerikanischer Herkunft steht ihm immer zur Seite und erlebt spannende Abenteuer mit Caillou. Sarah ist hingegen älter als Caillou. Die Achtjährige kann ihm viele Dinge erklären, die Caillou noch nicht versteht.

Eine ähnliche Funktion hat auch Julie, die als Babysitter von Caillou ihre Rolle in der Zeichentricksendung findet. Neben der erklärenden Partei dient sie sicherlich als Möglichkeit für Eltern, ihre Kinder auf eine Babysitterin vorzubereiten und den Kindern so vielleicht die Angst zu nehmen, indem sie in der Sendung mit der Situation vertraut gemacht werden. Natürlich gibt es noch weitere Personen, wie den Busfahrer, die Lehrerin oder andere Kinder, die alle in den jeweiligen Folgen ihre Funktion haben.

Sichtbar wird immer wieder die pädagogische Absicht der einzelnen Folgen. So zeigt sich auch, dass sie Sendung, die für Kleinkinder im Alter von zwei bis sechs Jahren entwickelt wurde, unter Mitwirkung erfahrener Psychologen entstanden ist.

Fazit

Mit Caillou strahlt der Kinderkanal KI.KA derzeit sicherlich eine der pädagogisch wertvollsten Sendungen aus. Der psychologische Hintergrund ist stets erkennbar. Inzwischen gibt es 65 Sendungen, die eine Länge von fünf Minuten haben. Zudem gibt es vierzig Sendungen mit einer Dauer von jeweils 30 Minuten. Erfreulich ist, dass Caillou mittlerweile auch auf DVD erhältlich ist, auch Bücher und Puppen sind mittlerweile erschienen. Die neuesten Sendungen, die ab 2006 erstellt wurden, zeigen einige Änderungen: So wurden sie nicht mehr von Hand gezeichnet und Caillou wird älter. Abschließend bleibt zu sagen, dass sich hier eine Sendung findet, die ohne Bedenken zu empfehlen ist. Es sollte sie häufiger geben, Kinderserien mit wertvollem, pädagogischem Hintergrund!

 

Titel: Caillou
Originaltitel: Caillou
Produktionsland: Kanada
Produktionsjahr: 1998-2006
Dauer: Pro Episode 5-10 Minuten, später 30 Minuten
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 29. August 1998
Verleih: New Films International, Teletoon
Regisseur: Larry Jacobs, Jean Pilotte, Nick Rijgersberg (verschiedene Episoden)
Drehbuch: Shelley Hoffman, Robert Pincombe, Nisha Muire und weitere (verschiedene Episoden)
Buchvorlage: von Christine L’Heureux und Hélène Desputeaux
Synchronsprecher: Julia Haacke (Caillou), Sabine Bohlmann (Rosie), Pascal Breuer (Papi Boris), Claudia Lössl (Mami Doris), Eva Maria Lahl (Omi), Michael Gahr (Opi), Beate Pfeiffer (Leo), Gerhart Pippi (Mr. Hinkel), Luisa Broh (Clementine), Mona Getz (Sahra), Pinkas Feiler (Andrè), Monika Echt (Julie), Eberhart Fone (Mr. Washington), Luca Swetter (Jeffrey & Jason), Hans Hut (Billy), Esra Seil (Miss Martin), Ursula Traun (Erzählerin)
Musik: Hayden Whiting
Schnitt: Barbara Leuschner, Miroslav Hájek und weitere
Produzent: Matthew Brown, Jane Crawford

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