von Christoffer Kleindienst

Endlich auf der Leinwand: Vier Jahre mussten sich die Harry Potter-Fans gedulden bis die Verfilmung des Bestsellers Harry Potter und der Stein der Weisen 2001 in die Kinos kam. Die Zuschauenden können sich auf magische zweieinhalb Stunden einstellen, bei der die Geschichte jedoch deutlich zu kurz kommt.


Inhalt

Eigentlich ist die Geschichte des (immer älter werdenden) Zauberlehrlings ja hinreichend bekannt, bei dem ganzen Stoff kann da aber das ein oder andere auch mal untergehen – also noch einmal: Harry Potter scheint ein ganz normaler 11-jähriger Junge zu sein, lediglich seine Lebensqualität lässt zu Wünschen übrig. Seit seine Eltern bei einem Autounfall gestorben sind, lebt er bei seiner Tante und ihrem Mann. Dudley, der übergewichtige Sohn der beiden, ist der Liebling der Familie – dem Cousin wird hingegen nur widerwillig ein Schlafplatz unter der Treppe bereitgestellt. Einzug in Harrys Leben hält die Magie erst – im wahrsten Sinne des Wortes –mit dem Besuch des Halbriesen Hagrid, von dem der Junge erfährt, dass er ein Zauberer ist. Nach einigen skeptischen Nachfragen lässt sich der Protagonist von seinem neuen, großen Freund überzeugen und sitzt wenig später im Zug auf den Weg nach Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei. Dass er dort nicht nur simple Hausaufgaben lösen muss, erklärt sich von alleine. Schnell schließt Harry Freundschaften mit seinen Mitschülern, allen voran Ron und Hermine. Zu allem Überfluss scheint aber auch noch der scheinbar bösartige Lehrer Severus Snape den in der Schule versteckten „Stein der Weisen“ stehlen zu wollen – dieser schenkt seinem Besitzer das ewige Leben. Harry und seine Freunde geraten beim Versuch, die seltsamen Ereignisse in Hogwarts aufzuklären, in Lebensgefahr.

Kritik

Hört sich interessant an, sieht auch exzellent aus: Regisseur Chris Columbus, der bereits bei Kevin – Allein zu Haus Kinderherzen höher schlagen ließ, brennt ein Feuerwerk an visuellen Effekten ab. Das bietet sich bei einem solchen Fantasy-Epos fraglos an. Süßigkeiten flüchten, ein dreiköpfiger Hund knurrt in die Kamera, Schüler fliegen mit Besen durch die Lüfte und all das wird so realistisch auf die Leinwand gebracht, dass selbst der größte Zweifler ins Schwärmen gerät. Apropos, Harry Potter und der Stein der Weisen hat auch seine ruhigen Momente, in denen zumeist Hogwarts und seine Umgebung im Vordergrund stehen und den Protagonisten deutlich die Show stehlen.

Das ist auch ein kleines Problem der ersten Verfilmung der Joanne-K.-Rowling-Bände: Harry, Ron und Hermine werden von Kindern dargestellt, was ja auch passend ist, die fehlende Professionalität ist aber hier und da zu erkennen. Vor allen Dingen Daniel Radcliffe als "der Junge, der überlebte" ist in einigen Szenen nicht überzeugend. Passenderweise kann der Film aber mit einem Ensemble glänzen, das jeden Fehler der jungen Kollegen vergessen machen lässt: Alan Rickman, Richard Harris, Maggie Smith, Robbie Coltrane, John Hurt und viele mehr verkörpern diverse Zauberer und Hexen rund um Hogwarts.

Die eigentliche Schwäche des Films ist aber mal wieder der Buchvorlage geschuldet. Immer wieder stolpern Filmregisseure über die scheinbar unüberwindbare Hürde des Originals, der Fantasie des Zuschauenden wird einfach nicht entsprochen und viel Stoff muss aus der Verfilmung herausgeschnitten werden. Zwei Mankos, mit denen Fans des Originals meist nicht umgehen können. Columbus versucht zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Der Film ist ein wahrer Spielplatz des Fantastischen, der den Transfer von dem geschriebenen Wort zum bewegten Bild nahezu unproblematisch schafft. Die Geschichte ist hingegen schwach, sie fungiert als Leitfaden für den unersättlichen Fundus an Entdeckungen in der Zauberwelt. Die Figuren können sich nicht ausbreiten, die Story plätschert ein wenig vor sich hin und kann nicht alle aufkommenden Fragen selbstständig beantworten.

Fazit

Harry Potter und der Stein der Weisen bietet sehr gute Unterhaltung, allzu viele Gedanken sollte man sich aber während des Zuschauens nicht machen, denn den einen oder anderen Fehler könnte man dabei entdecken. Durch die klare Fokussierung auf die Gestaltung der diegetischen Welt, kommen Zuschauende, die keine Vorkenntnisse durch die Romanvorlage haben, eindeutig zu kurz. Für alle, die den Plot eh schon in und auswendig kennen, ist der Film ein wahrer Genuss, der die eigene Fantasie zum Leben erweckt.

 

Titel HARRY POTTER UND DER STEIN DER WEISEN
Originaltitel: Harry Potter and the Philosopher’s Stone
Buchvorlage: Joanne K. Rowling
Genre: Fantasy
Produktionsland: Uk
Produktionsjahr: 2001
Dauer: 153 Minuten
Altersfreigabe: Ab 6 Jahren
Erscheinungsdatum (Deutschland): 22.11.2001
Verleih: Warner Bros. Pictures
Einspielergebnis Deutschland/weltweit: $67.802.864/ $317.575.550
Regisseur: Chris Columbus
Drehbuch: Steve Kloves
Musik: John Williams
Darsteller: Daniel Radcliffe (Harry), Ruppert Grint (Ron), Emma Watson (Hermine), Alan Rickman (Severus Snape), Richard Harris (Albus Dumbledore), Ricky Coltrane (Hagrid), Maggie Smith (Minerva McGonagall) 
Kamera: John Seale
Schnitt: Richard Francis-Bruce
Produzent: David Heyman

 

Erstveröffentlichung: 19.05.2012


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