von Christoffer Kleindienst

Pixar, wohin man schaut: Ob Toy Story, Monster AG oder Findet Nemo, das kalifornische Filmunternehmen hat Erfolg auf ganzer Linie. Der Oscar-prämierte Animationsfilm Wall-E steht seinen Vorgängern in nichts nach – ganz im Gegenteil: Er ist richtungweisend.


Inhalt

Bei dem mittlerweile neunten Spielfilm der weltweit bekannten Pixar-Studios aus dem Jahr 2008 geht es um nichts anderes als die Rettung der Erde. Der für den Film namensgebende Protagonist Wall-E ist einsam: Kein Wunder, er scheint – abgesehen von einer Kakerlake – das letzte Wesen auf einer postapokalyptischen Erde zu sein, auf der kein menschliches Leben mehr möglich ist –Umweltverschmutzung ist der Grund. Wall-E ist dementsprechend kein Mensch, sondern ein Roboter, der darauf programmiert ist, Dreck zu beseitigen und dies weiterhin ausführt, obwohl es offensichtlich nicht mehr nötig ist. Sozusagen eine höchst sensible Künstliche Intelligenz.

Sein Leben soll aber mit der Ankunft eines anderen Roboters an Schwung aufnehmen. Eine weiterentwickelte, fliegende und – scheinbar – weibliche Ausführung seiner Zunft, EVE, hat eine  für Wall-E und somit auch den Zuschauer unbekannte Mission auf der Erde zu erfüllen. Nachdem die beiden Hauptcharaktere sich näher gekommen sind, wird das Ziel des Neuankömmlings klar – sie soll nach organischem Leben suchen. Wie der Zufall es will, hat ihr neuer Freund ein kleines Pflänzchen gefunden. Nachdem sie es an sich genommen hat, fällt EVE in einen Standby-Modus und Wall-E muss mitansehen, wie seine Freundin von einem Raumschiff abgeholt wird. Der schüchterne Held begibt sich mit ihr auf die Reise zu einem opulenten Raumschiff, auf dem die gesamte Menschheit lebt. Das gefundene Pflänzchen gibt ihnen die Möglichkeit wieder auf die Erde zurückzukehren, denn Leben scheint dank des überraschenden Funds wieder möglich. Bis das gelingen wird, müssen Wall-E und EVE aber noch einiges erledigen, da die Rückkehr sich als schwieriger herausstellt, als angenommen.

Verleih: DISNEY/PixarVerleih: Disney/Pixar

Kritik

Wo Pixar draufsteht, ist auch Pixar drin: Frei nach diesem Motto konnten die bis dato erschienenen Filme zusammengefasst werden. Das gilt aber nicht für Wall-E – der Letzte räumt die Erde auf. Einige – vor allen Dingen für Animationsfilme – ungewöhnliche dramaturgische als auch narratologische Aspekte heben diesen Film von der breiten Masse an Kinderfilmen ab. Einfache Sprache sowie Bilder und standardisierte moralische Standpunkte gehören zu jedem kinderorientierten Film dazu. In eben diesen Aspekten ist Wall-E schlicht und einfach besonders: Über eine halbe Stunde kommt der Film ohne menschliche Sprache aus, geradezu eine Revolution hinsichtlich der Zielgruppe. Es wird viel Wert auf die Bilder gelegt, die dementsprechend sehr symbolisch und interpretativ sind – es liegt aber an dem Zuschauer selber, ob er dies wahrnehmen möchte. Ansonsten kann man sich der liebevollen Darstellung der beiden Protagonisten hingeben, die trotz mangelnder Sprachfähigkeit den Betrachter emotional fesseln können – Sprache wird also überflüssig, Bilder rücken in den Vordergrund.

Verleih: Disney/PIXARVerleih: Disney/Pixar

Bereits in dieser "Stummphase" wird das Dilemma, das in dem Film dargestellt wird, klar – und es ist hochaktuell: die Umweltverschmutzung und dessen Auswirkungen. Selten hatte ein Kinderfilm ein solch aktuelles Thema, mischte sich geradezu in die täglichen, gesellschaftlichen Debatten ein. Regisseur Andrew Stanton und somit auch Pixar selber stellen sich deutlich auf eine Seite. Die Konsequenzen der Verschmutzung werden auch gezeigt, zumeist aber der eigentlichen Zielgruppe angemessen: Zwar könnte die Erde auch aus einem Endzeitreißer wie I am Legend oder Mad Max entnommen sein, aber insbesondere der zweite Teil des Films, in der die Menschheit als faule und dicksüchtige Masse dargestellt wird, lässt den Zuschauer eher schmunzeln, als fürchten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verwendung von echten Schauspielern; Wall-E ist nicht durchweg ein Animationsfilm. Ein Zeichentrick- oder eben Animationsfilm ist in seiner Darstellung realitätsfern, einer der Gründe warum dieses Medium als Kinderfilm geeignet ist. Stanton umgeht diesen Aspekt, macht den Film dadurch ein Stück weit ernster.

Dagegen wirkt der Protagonist: er ist unschuldig, schüchtern und einfach liebenswert – die diegetische Welt wird aus den Augen eines Protagonisten gezeigt, der alle Charakteristika eines Kindes aufweist. Wall-E versteht – vielleicht genauso, wie die jungen Zuschauer – nicht, was auf der Erde passiert ist, er agiert dort nicht, er reagiert. Letztlich hat er nur ein Ziel: Nicht von EVEs Seite weichen. Zudem findet man in dem Film immer wieder witzige Elemente, die den Grundton des Films charmant wirken lässt.

Fazit

Die große Stärke von Wall-E ist somit seine große Massenkompatibilität: Er spricht sowohl jung, als auch alt an. Die Auswahl der Themen ist in der Art und Weise ausgewählt, dass es weiterhin ein Kinderfilm ist, die einzelnen dramaturgischen und narratologischen Themen sind jedoch auch für ein älteres Publikum geeignet. Das Prinzip wurde letztlich für den darauffolgenden Film Oben übernommen.

Verleih: Disney/PIXARVerleih: Disney/PIXAR

Titel: Wall-E – Der letzte räumt die Erde auf
Originaltitel: Wall-E
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2008
Dauer: 98 Minuten
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 25.10.2008
Verleih: Warner Bros.
Einspielergebnis (in Euro/Dollar, Deutschland/weltweit): €18.407.513/ $521.311.860
Regisseur: Andrew Stanton
Drehbuch: Andrew Stanton, Jim Copobianco, Jim Reardon
Synchronsprecher: Ben Burtt (Wall-E), Elissa Knight (EVE)
Kamera: Jeremy Lasky, Danielle Feinberg
Musik: Thomas Newman
Schnitt: Stephen Schaffer, Nicholas C. Smith, Kevin Nolting
Produzent: Jim Morris, John Lasseter, Lindsey Collins

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