von Lisa Melchior, B.A.

Mit einfachen, aber eindrucksvollen Mitteln entführt Christophe Barratier den Zuschauer in eine Welt, in der die Musik noch etwas verändern kann – und in der Kinder über sich hinauswachsen.


Inhalt

Die Kinder des Monsieur Mathieu erzählt die Geschichte des Pedells Clément Mathieu, der in der Nachkriegszeit in einem Internat voller unbändiger und schwer erziehbarer Jungen mithilfe der Kraft der Musik die Kinder antreibt und sie zusammenschweißt.

Kritik

Hauptmotive des Films sind auf der einen Seite die einfachen Strukturen und Hierarchien der Handlung: Da sind zum Einen die Kinder, die unter der Schreckensherrschaft des unzufriedenen und cholerischen Rektors Rachin (François Berléand) zu leiden haben. Ihnen gegenüber stehen die Lehrer, die stur dem "Reiz-Reaktions"-Prinzip folgen und kaum Verständnis für die Probleme und Träume der Schüler aufbringen. Und dann ist da der neue Pedell Clément Mathieu (Gérard Jugnot), der schnell begreift, dass in den Kindern mehr steckt. Er zeigt ihnen, dass man mit Musik neue Welten erkunden und sich selbst besser kennen lernen kann: Mathieu gründet, gegen den Willen des Schulleiters, einen Jungenchor. So ist das klassische Bild vom Guten, der gegen den Bösen kämpft, welches der kindliche Rezipient bereits aus anderen Filmen und Märchen kennt, recht schnell und deutlich installiert.

Auf der anderen Seite ist der Film stark von Musik und Geräuschen allgemein dominiert. So wird der laute und aufbrausende Charakter des Rektors Rachin durch aufdringliche und teilweise fast unangenehme Laute wie das Schlagen der Appellglocke oder einer Trillerpfeife unterstrichen.

Quelle: Constantin

Dem gegenüber steht die Musik, das Herzstück des Werks von Barratier, der seine eigene Biografie als gescheiterter Musiker in der Figur von Mathieu aufgreift und verarbeitet. Mathieu erwischt kurz nach seiner Ankunft auf Fond de l’Étang einige Jungen beim Singen eines Spottliedes. Daraufhin erwacht in ihm erneut die Leidenschaft der Musik und er beginnt, für die Kinder Lieder zu komponieren. Bereits zu Beginn des Films werden Instrumentalstücke von Mathieus Kompositionen als Hintergrundmusik in die Handlung eingeflochten; sie fungieren als roter Faden und Wiedererkennungsmerkmale durch den gesamten Film. Auch hier arbeitet Barratier mit einfachen, kindgerechten musikalischen Mitteln.

Die Stimmung des Filmes wird auf akustischer Ebene sehr deutlich gespiegelt: Als Mathieu am Internat ankommt, ist die gesamte Szenerie sehr neblig und düster und auch die Musik ist tief, langsam und wirkt etwas bedrohlich. Die beschwingte Klavier- und Streicherkomposition fungiert als musikalisches Leitmotiv und taucht immer dann auf, wenn Mathieu mit dem Chor arbeitet und sich langsam erste Fortschritte der Jungen zeigen.

Eine neue musikalische und schauspielerische Dimension erlangt der Film, als der Pedell das Talent von Pierre Morhange (Jean-Baptiste Maunier [als Kind], Jacques Perrin [als Erwachsener]) entdeckt. Morhange, bei den Lehrern und beim Rektor als sperriger und widerspenstiger Junge bekannt, zeigt ein Talent, welches Mathieu zutiefst beeindruckt. Er beginnt, den Jungen speziell zu fördern und erklärt ihn zum Solisten des Chors. Durch Morhange gelangt der Chor zu einem Niveau, welches die Gönnerinnen der Schule derart begeistert, dass sie Rachin für seine 'Verdienste' um den Chor und die Schule auszeichnen wollen. Er reist voller Vorfreude nach Lyon, um seinen Orden entgegen zu nehmen.

Die Auszeit vom Rektor wollen Mathieu und der herzensgute Hausmeister Maxence (Jean-Paul Bonnaire) nutzen, um die Jungen an die frische Luft zu bringen und mit ihnen im Wald richtig zu toben. Doch in der Zwischenzeit wird von einem ehemaligen Schüler ein Brandanschlag auf das Internat verübt. Mathieu hat durch seinen Ausflug den Kindern zwar das Leben gerettet, doch Rachin fackelt nicht lang und kündigt ihm fristlos. Und auch bei seinem leisen Abschied von Fond de l’Étang wird wieder eines der Chorlieder der Jungen aufgegriffen – die Musik zieht sich durch den gesamten Film und hält ihn zusammen.

Barratier gestaltet in Die Kinder des Monsieur Mathieu eine Welt, die sich durch ihre Einfachheit auszeichnet. Die Strukturen der Schule sind einfach und für ein Kind leicht nachvollziehbar – schließlich hat wohl jeder der Rezipienten schon einmal Ungerechtigkeiten von erziehenden Autoritäten erfahren. Die Konzentration auf einige wenige, aber dafür umso einprägsamere Musikstücke ist ein intelligenter Zug von Barratier: So nehmen insbesondere Kinder akustische Impulse in einem Film viel deutlicher wahr als beispielsweise optische Reize. Die Musik fungiert als roter Faden und führt den Zuschauer durch die Handlung. Dabei wirkt der Choral jedoch nie schwülstig oder überladen – eine Gefahr, die der Regisseur geschickt umgeht.

Fazit

Der Film zeigt eindringlich, dass die Kunst einen wichtigen Teil im Leben spielen kann und dass sie vieles verändern und erneuern kann – und so ist es am Ende doch irgendwie versöhnlich, auch wenn Mathieu in gewisser Weise in Fond de l’Étang gescheitert ist und weiter seines Weges ziehen muss.

 

Titel: Die Kinder des Monsieur Mathieu
Originaltitel: Les Choristes
Produktionsland: Frankreich, Schweiz, Deutschland
Produktionsjahr: 2004
Dauer: 93 Minuten
Altersfreigabe: Ab 6 Jahren
Erscheinungsdatum (Deutschland): 02.09.2004
Verleih: Constantin Film
Einspielergebnis (weltweit): $ 82,7 Mio.
Regisseur: Christophe Barratier
Drehbuch: Christophe Barratier, Philippe Lopes- Curval
Darsteller: Gérard Jugnot Clément Mathieu), François Berléand (Rachin), Jean-Baptiste Maunier Morhange als Kind), Jacques Perrin (Morhange als Erwachsener), Marie Bunel (Violette Morhange), Jean-Paul Bonnaire (Père Maxence)
Kamera: Dominique Gentil, Carlo Varini
Musik: Bruno Coulais, Christophe Barratier
Schnitt: Yves Deschamps
Produzent: Arthur Cohn, Jacques Perrin, Nicolas Mauvernay

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