von Kirsten Penkalla

Sophie lebt in einer Welt, in der es Hexen und Zauberer gibt. Und wie der Zufall will, wird sie tief in das Leben des Zauberers Hauro hineingezogen. Das wandelnde Schloss ist ein weiteres Meisterwerk von Hayao Miayazaki, dem Macher von Chihiros Reise ins Zauberland.


Inhalt

Die junge Hutmacherin Sophie lebt in gefährlichen Zeiten. Ein Krieg steht unmittelbar bevor und die verfeindeten Königreiche sammeln Magier um sich, um ihre Chancen auf einen Sieg zu erhöhen. Als Sophie eines Abends ihre Schwester besuchen will, begegnen ihr zwei Männer, die offensichtlich keine ehrlichen Absichten haben. Sie wird überraschend von dem Zauberer Hauro gerettet, in den sie sich auf der Stelle verliebt. Doch damit zieht sie den Zorn der Hexe aus dem Niemandsland auf sich, die sich ihrerseits unsterblich in Hauro verliebt hat. Da die Hexe Hauro ganz für sich haben will, belegt sie Sophie mit einem Fluch: Sophie ist fortan eine alte Frau. Sie flieht aus der Stadt und wie durch Zufall läuft sie Hauros wandelndem Schloss über den Weg und stellt sich kurzerhand als Putzfrau ein. Im Schloss begegnet sie dem Feuerdämon Calcifer, der das Schloss mit Magie versorgt. Sophie schließt einen Handel mit ihm: Sie muss herausfinden, welcher Zauber Calcifer mit Hauro verbindet, damit der Fluch, der auf Sophie liegt, gelöst werden kann. Während ihrer Zeit im Schloss bringt sie nicht nur selbiges auf Vordermann, sondern hilft auch Hauro, sich seinen Ängsten zu stellen. Doch sie muss sich beeilen, um Hauros Fluch zu lösen, denn sonst verwandelt er sich für immer in ein Monster.

Verleih: Universum Anime

Kritik

Obwohl Das wandelnde Schloss auf dem Buch Sophie im Schloss des Zauberers von Diana Wynne Jones basiert, ist es unverkennbar ein typischer Film Hayao Miyazakis. Dies ist vor allem anhand des Zeichenstils zu erkennen. Besonders prägnant sind beispielsweise die Haare der Figuren, die sich je nach Gefühlslage in die Luft heben oder – wie bei Sophie zu sehen ist – ihre Farbe und Länge ändern. Ein weiteres Beispiel ist der Hintergrund jeder einzelnen Szene. Er ist immer leicht unscharf, aber dennoch so detailreich, dass man ihn fast für ein Gemälde halten kann. Er steht im besonderen Kontrast zu den scharf umrissenen Konturen der im Vordergrund stehenden Figuren und Gegenständen. Die Atmosphäre des Films wird durch die Musik von Joe Hisaishi abgerundet, die mit wunderbaren Melodien den Zuschauer tief in die Geschichte einführt.

Der Film dreht sich fast ausschließlich um Magie – ein bekanntes Motiv aus Miyazakis Filmen – und ihre Auswirkungen auf die Welt und die Menschen. Sophie wurde verhext, gelangt zufällig zu einem Schloss, das sich auf magische Weise fortbewegt. Im Schloss selbst wohnen gleich drei magische Wesen: Markl, der Lehrling Hauros, Hauro selbst und der Feuerdämon Calcifer. Im Laufe des Films trifft Sophie auf allerlei andere magische oder verhexte Personen und Tiere. So zum Beispiel auf die Hexe aus dem Niemandsland und ihre Schergen, Madame Suliman, den mysteriösen Hund Hin, der für Madame Suliman arbeitet und die Vogelscheuche Rübe. 

Vor allem aber handelt Das wandelnde Schloss von den zwei Herzen eines Menschen – sowohl von seinem emotionalen, als auch von seinem anatomischen Herz. Hauro gab sein Herz dem Dämon Calcifer, die Hexe aus dem Niemandsland will Hauros Herz – und damit seine Liebe – für sich. Sophie verliebte sich in Hauro, doch anstatt eigennützig sein Herz besitzen zu wollen, schenkte sie ihm ihr eigenes und ist entschlossen, alles zu tun, damit Hauro sein Herz wiederbekommt. 

Verleih: Universum Anime

Im Laufe des Films lernen die Figuren, was es heißt zu lernen, sich selbst zu akzeptieren. Hauro wollte nie erwachsen werden und versteckt sich vor seinen Pflichten als Magier hinter verschiedenen Pseudonymen. Er ist anfangs sehr oberflächlich und stolz auf sein gutes Aussehen. Sophie auf der anderen Seite wirkt sehr erwachsen für ihr Alter, jedoch führt sie ihr Leben so, wie es von ihr erwartet wird und nicht, wie sie es gerne möchte. Sie ist sehr unzufrieden mit ihrem Aussehen und trägt deshalb unauffällige Kleidung. Sophie ist daher sogar eigentlich ganz froh, eine alte Frau zu sein, da sie so niemandem mehr gefallen muss. Während Sophie bei Hauro arbeitet, kann sie ihm mit der Zeit näher bringen, dass es wichtig ist für seine Taten einzustehen und sich selbst zu behaupten. Dabei lernt sie selbst was es heißt, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen und die eigene Schönheit zu erkennen.

Ein anderer Aspekt, der dem Film zu Grunde liegt, ist der Krieg, in dem auch Hauro kämpft. Im Schloss selbst ist der Krieg nicht gegenwärtig, dort geht alles seinen gewohnten friedlichen Gang. Doch sobald Sophie oder Hauro das Schloss verlassen, wird ihnen und dem Zuschauer der fortschreitende Krieg ungeschönt vor Augen geführt. 

Obwohl Das wandelnde Schloss für Kinder ab sechs Jahren empfohlen wird, ist es eher ein Jugend- bis Erwachsenenfilm. Nicht nur ist der Film mit fast zwei Stunden Laufzeit sehr lang, die Handlung ist auch sehr komplex und für Kinder daher unter Umständen schwer zu verstehen. 

Fazit

Obwohl man von den Ghibli-Studios Kinderfilme wie Mein Nachbar Totoro oder Ponyo gewohnt ist, ist Das wandelnde Schloss ein Sprung in die Welt der Jugend- und Erwachsenenfilme.  Auch wenn er auf den ersten Blick wie ein Kinderfilm aussieht, werden Jugendliche und Erwachsene sehr viel Freude an ihm haben. Die Geschichte ist mitreißend, und die Figuren verfügen über viel charakterliche Tiefe. Das wandelnde Schloss ist ein wunderbarer Film, der für jeden Fan Hayao Miyazakis ein absolutes Muss ist!

 

Titel: Das wandelnde Schloss
Originaltitel: ハウルの動く城, Hauru no Ugoku Shiro
Produktionsland: Japan
Produktionsjahr: 2004
Dauer: 119 Minuten
Altersfreigabe: Ab 6 Jahren
Erscheinungsdatum (Deutschland): 25.08.2005
Verleih: Universum Anime
Einspielergebnis: 231.711.096 $ (weltweit)
Regisseur: Hayao Miyazaki
Drehbuch: Hayao Miyazaki, Diana Wynne Jones
Buchvorlage: Diana Wynne Jones
Synchronsprecher: Chieko Baisho/Sunnyi Melles (Sophie), Takuya Kimura/Robert Stadlober (Hauro), Ryunosuke Kamiki/Kevin Iannotta (Markl), Tatsuya Gashuin/Gerald Schaale (Calcifer), Akihiro Miwa/Barbara Ratthey (Hexe aus dem Niemandsland), Haruko Kato/Maddalena Kerrh (Madame Suliman), Kayako Tsuzuki/Claudia Lössl (Lettie)
Kamera: Atsushi Okui
Musik: Joe Hisaishi
Schnitt: Takeshi Seyama

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