Mio, mein Mio (Wladimir Grammatikow, 1987)

von Jannika Fischer

Mit der  Astrid-Lindgren-Adaption Mio, mein Mio entführt Wladimir Grammatikow den Zuschauer in eine klangvolle und poetische Welt, in der Wunder passieren und Träume Wirklichkeit werden. Der Regisseur hält sich eng an die gleichnamige Romanvorlage von Astrid Lindgren, die 1956 den deutschen Jugendliteraturpreis erhielt.

Inhalt

Im Zentrum der Geschichte steht der achtjährige Bo Wilhelm Olsson, kurz Bosse (Nicholas Pickard). Bosse wächst in Stockholm bei seinen Pflegeeltern Tante Edla ( Gunilla Nyroos) und Onkel Sixten auf. Seine Mutter ist bei seiner Geburt gestorben, von seinem Vater weiß er nichts. Bosse leidet unter der schlechten Behandlung durch seine Pflegeeltern und beneidet seinen besten Freund Benka (Christian Bale) um dessen liebevolle Beziehung zu seinem Vater (Stig Engström).

Als Bosse eines Tages von seinen Pflegeeltern wegläuft, findet er im Park einen Flaschengeist (Geoffrey Staines), der ihn ins "Land der Ferne" mitnimmt. Dort erfährt Bosse, dass er eigentlich Mio heißt und sein Vater (Timothy Bottoms) der König des Landes ist. Auf einmal scheinen sich alle unerfüllten Wünsche von Mio erfüllt zu haben, doch das Glück wird von Ritter Kato (Christopher Lee) überschattet. Dieser bewohnt das "Land Außerhalb", welches an das "Land der Ferne" angrenzt. Kato ist grausam und hat ein Herz aus Stein. Alle leben in Angst vor ihm, denn seine Gefolgsleute rauben die Kinder des Landes, damit Kato sie auf seiner Burg in Vögel verwandeln kann.

Im zweiten Handlungsabschnitt erfährt Mio, dass er der Auserwählte ist, der die Kinder befreien und Kato besiegen wird. Zusammen mit seinem Pferd Miramis und seinem besten Freund im Land der Ferne, Jumjum (Christian Bale), macht er sich auf, die Prophezeiung zu erfüllen. Unterwegs besteht Mio viele Abenteuer, besiegt schließlich erfolgreich Ritter Kato und befreit die verzauberten Kinder.

Verleih: Jugendfilm

Kritik

Grammatikow orientiert sich inhaltlich eng an der Romanvorlage und übernimmt unter anderem auch die lautmalerischen Namen und Ortsbezeichnungen, den sehr stimmungsvollen Anfang sowie das nachdenkliche Ende. Leider werden nicht alle der zahlreichen poetischen Wendungen, Wiederholungen und Sprachmelodien aus dem Buch aufgegriffen (z. B. "Wenn wir doch nicht so klein und einsam wären..."). Doch was der Film an poetischen Feinheiten einbüßt, macht er durch stimmungsvolle musikalische Ausgestaltung wieder wett. Die Musik von Benny Andersson und Björn Ulvaeus passt hervorragend zu der anrührenden Geschichte des vernachlässigten Waisenjungen Bosse, der im Land der Ferne als Mio über sich hinauswächst.

Grammatikow greift außerdem vielfach die Ich-Perspektive des Romans auf, indem immer wieder im "Voice over" die Gedanken des Hauptdarstellers auftauchen. Hierdurch entsteht eine starke Identifikation mit der Hauptperson. Der Zuschauer kann gar nicht anders, als mit Mio mitzufiebern, der zudem sehr vielschichtig nicht nur den mutigen Helden darstellt, sondern auch Ängste und Zweifel hat.

Lediglich der Schluss ist im Buch genauer ausgestaltet, so wird im Film die Verwandlung von Ritter Kato in einen Vogel nicht so deutlich, und auch die Wiedererweckung der Tochter der Weberin Millimani wird nicht so ausführlich thematisiert. Dadurch geht am Ende ein wichtiger Spannungsbogen verloren. Auch das gute Ende für Ritter Kato, der als Vogel weiterleben darf, könnte jungen Zuschauern entgehen, da dies sehr schnell in nur einer Einstellung aufgegriffen wird, während es im Buch mehrere Seiten füllt.

Der Film ist offiziell ab sechs Jahren freigegeben, ist aber durchaus auch etwas für Erwachsene, die im Herzen noch Kind sind. Für sehr schreckhafte Kinder könnte die Schwertkampfszene am Ende des Filmes, an dessen Höhepunkt Mio Kato das Schwert ins Herz rammt, noch etwas zu erschreckend sein - ebenso wie die von Christopher Lee recht furchteinflößend gespielte Figur des Kato selbst.

Verleih: Jugendfilm

Bis auf die Endszenen ist der Film jedoch durchaus auch schon für sechsjährige geeignet. Grammatikow nimmt den Schrecken der Schwertkampfszene auch durch den Einsatz von Lichteffekten und die abschließende Versteinerung Ritter Katos wieder zurück; zudem ist kein Blut zu sehen.

Fazit

Alles in allem ist Mio, mein Mio eine musikalisch wunderschön inszenierte Verfilmung von Astrid Lindgrens gleichnamigem, meisterhaft erzählten Kunstmärchen. Im Zentrum des Filmes stehen Werte wie Freundschaft, Liebe, Mut und Familie. Mit seinem versöhnlichen Ende, an dem selbst der böse Ritter Kato seinen Frieden findet, ist Mio. mein Mio ein Film für die ganze Familie.

Titel: Mio mein Mio
Originaltitel: Mio, min Mio
Produktionsland: Schweden/Sowjetunion/Norwegen
Produktionsjahr: 1987
Dauer: 99 Minuten
Altersfreigabe: Ab 6 Jahren
Erscheinungsdatum (Deutschland): 10.03.1988 (Westdeutschland)
Verleih: Jugendfilm
Einspielergebnis: 17.709.205 (Schwedische Kronen)
Regisseur: Vladimir Grammatikov
Drehbuch: William Aldridge
Buchvorlage: Astrid Lindgren, "Mio mein Mio"
Darsteller: Mio/Bosse (Nicholas Pickard); Jumjum/Benka (Christian Bale);Ritter Kato (Christopher Lee); Der König (Timothy Bottoms);Die Weberin (Susannah York);Der Schwertmacher (Sverre Anker Ousdal); Der Flaschengeist (Geoffrey Staines); Tante Edla (Gunilla Nyroos); Frau Lundin (Linn Stokke); Benkas Vater (Stig Engström); Jiri (Andrei Petrov); Nonno (Andrey Sergeev); Lollo (Denis Bodrov)
Kamera: Alexander Antipenko
Musik: Benny Andersson und Björn Ulvaeus, gesungen von Gemini
Schnitt: Ingemar Ejve
Produzent: Ingemar Ejve

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