von Fabienne Biese

7 Zwerge – Männer allein im Wald. So der Titel der relativ freien Adaption des Grimmschen Märchens "Schneewittchen". Fans der Märchenschönheit werden jedoch enttäuscht sein. Schneewittchen tritt hier eher in den Hintergrund und überlässt den Männern die Bühne.


Inhalt

Tief im finsteren Wald leben die sieben Zwerge – abgeschottet von jeglichen Frauen – in einer Männer-WG, denn sie alle haben schlechte Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht gemacht. Da sich eines Tages Rotkäppchen in ihrem Wald verwirrt, beschließen sie, ein Verbotsschild aufzustellen, welches Frauen den Zutritt endgültig verwehren soll.
Nicht weit vom Wald entfernt befindet sich das Schloss der bösen Königin. Diese erfährt durch Zufall, dass Schneewittchen damals nicht wie befohlen getötet, sondern in ein Waisenhaus gebracht wurde. Aus diesem Grund beauftragt sie den Jäger, ihren Befehl endgültig auszuführen, um selber die Schönste im ganzen Land zu sein. Schneewittchen flüchtet daraufhin in den Wald und findet das Haus der sieben Zwerge. Der Jäger zieht erfolglos zurück ins Schloss. Als die Zwerge nach Hause kehren und das Mädchen entdecken, darf sie bleiben, obwohl sie eine Frau ist.

Unterdessen erfährt die böse Königin, dass Schneewittchen noch immer am Leben ist und beschließt, die Sache selber in die Hand zu nehmen. Sie und ihr Diener überraschen das Mädchen im Haus der Zwerge und entführen sie in einer übergroßen Tupperwarebox. Als die Zwerge nach Hause kommen und Schneewittchen nirgends antreffen, finden sie die Krone der Königin und machen sich auf den Weg ins Schloss, um ihr Schneewittchen zu befreien...


Quelle: Universal Pictures

Kritik

Bereits Der Titel des Films 7 Zwerge – Männer allein im Wald zeigt, um wen es sich in dieser Märchenverfilmung primär dreht – um die 7 Zwerge. Während sie im Grimmschen Märchen "Schneewittchen" lediglich eine wichtige Nebenrolle einnehmen, dürfen sie hier die ganz große Bühne betreten.
Schon in der Anfangsszene ist der Fokus auf die Männer gelegt. Jedem der Zwerge wird eine andere sehr zugespitzte Rolle zugeteilt, welche sie unverwechselbar werden lässt. Schneewittchen hingegen tritt erst später auf und es wird sofort deutlich: Sie hat hier nicht das Sagen. Zudem wird bereits zu Beginn die Heimat der Zwerge ausführlich vorgestellt. Der Zuschauer lernt einen achten Zwerg kennen, der stets versucht, in die Gruppe aufgenommen zu werden – leider ohne Erfolg. Hier wird das Zahlmotiv aus dem Märchen aufrechterhalten. Es kann eben nur 7 Zwerge geben. Erst später, als der Chef der Zwerge – Vater von Schneewittchen, der damals König war – erneut zum König ernannt wird, darf der achte Zwerg dessen Platz einnehmen und wird fester Bestandteil der WG.

Es wird also deutlich, dass die lustigen Zipfelmützenträger mit ihren liebevoll konstruierten Persönlichkeiten den Hauptstrang dieser Geschichte bilden. Und doch ist auf das schwarzhaarige Mädchen nicht zu verzichten. Nur durch Schneewittchen können die Zwerge zu Helden werden, indem sie sie aus dem Schloss der bösen Königin befreien. Einen Prinzen gibt es nämlich nicht, der diesen aus dem Märchen bekannten Job übernehmen könnte. Im Gegenteil. Er sitzt – getarnt als Hofnarr am Schloss der Königin – im Kerker und ist in keiner Weise an der Rettung beteiligt. Trotzdem wählt Schneewittchen am Ende ihn und keinen der Zwerge zu ihrem Prinzen. Und dies ist auch gut so, braucht der Regisseur doch alle Männer für den zweiten Teil der Zwergensaga 7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug.


Quelle: Universal Pictures

Neben dem Fokuswechsel auf die Zwerge wird jedoch auch der komplette Handlungsstrang des Films im Vergleich zum ursprünglichen Märchen verändert. Nicht nur, dass die Geschichte der Zwerge bei der Adaption im Vorder- und die aus dem Märchen bekannte Flucht, Verführung und Rettung Schneewittchens im Hintergrund steht, auch wichtige Details wurden vom Regisseur abgewandelt. Beispielweise stellt sich heraus, dass die Zwerge eigentlich Männer sind, die sich aufgrund schlechter Erfahrungen von der Frauenwelt distanzieren. Zwerge sind sie nicht – das lässt schon der Untertitel Männer allein im Wald anklingen. Ihre Zwergenmütze ist lediglich Symbol der Zusammengehörigkeit. Und was der Zuschauer relativ am Ende des Films erfährt, lässt jegliche Illusionen an das romantische Märchen platzen. Der Chef der Zwerge ist Schneewittchens Vater. Im Märchen hingegen wäre dies ein undenkbares Detail.

Aber auch die Zielgruppe von Märchen und Filmadaption dürfte eine andere darstellen. Während das Märchen für Kinder geschrieben wurde, hat zwar auch der Film keine Altersbeschränkung, dennoch wirkt er aufgrund zahlreicher Anspielungen – die Zipfelmützen der Zwerge richten sich beim Anblick von Schneewittchen auf – alles andere als kindgerecht. Viele Inhalte dürften von ebendiesen deshalb miss- oder gar nicht verstanden werden. Dem Erfolg des Films tut dies jedoch keinen Abbruch. Die Zwerge lassen den Film aufgrund ihrer zugespitzten Charaktere sehr unterhaltsam für die ganze Familie werden.


Quelle: Universal Pictures

Fazit

Schneewittchen-Liebhaber müssen nun ganz tapfer sein. 7 Zwerge – Männer allein im Wald stellt sich als eine sehr freie Adaption des Grimmschen Märchens "Schneewittchen" heraus, bei der der Fokuswechsel bereits am Anfang deutlich wird. Die Märchenschönheit wird lediglich als Verdeutlichung der Zwergenrolle eingeführt. Die Zwerge übernehmen den gesamten Film über das Zepter. Anhand des Filmes wird deutlich, wie der Wechsel der Hauptfiguren eine derart andere Geschichte des altbekannten Märchens zeigen kann.

Das einzige Manko dieser ansonsten sehr unterhaltsamen Umsetzung des Märchens ist jedoch die Altersfreigabe. Obwohl der Film keine Altersbeschränkung hat, ist er aufgrund seiner zahlreichen – teilweise erotischen – Anspielungen eher für Jugendliche geeignet. Und dennoch wirken die kleinen Männer aufgrund ihrer humorvoll zugespitzten Charaktere komödiantisch auf Kinder. Der Erfolg, den die Märchenadaption erzielte, wird ebenso an der Fortsetzung 7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug deutlich.

Titel: 7 Zwerge - Männer allein im Wald
Originaltitel: 7 Zwerge - Männer allein im Wald
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2004
Dauer: 85 Minuten
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 28. Oktober 2004
Verleih: Universal Pictures
Einspielergebnis: € 38.081.380
Regisseur: Sven Unterwaldt
Drehbuch: Bernd Eilert, Sven Unterwaldt, Otto Waalkes
Buchvorlage: Grimms "Schneewittchen"
Darsteller: Otto Waalkes (Bubi, Bubis Eltern, Fanfarenbläser), Cosma Shiva Hagen (Schneewittchen), Nina Hagen (Böse Königin), Heinz Hoenig (Brumboss), Boris Aljinovic (Cloudy), Mirco Nontschew (Tschakko), Ralf Schmitz (Sunny), Martin Schneider (Speedy), Markus Majowski (Cookie, Cookies Mutter), Norbert Heisterkamp (Ralfie), Hans Werner Olm (Spliss), Atze Schröder (Hofnarr), Christian Tramitz (Jäger), Rüdiger Hofmann (Spiegel), Helge Schneider (Der weise Helge)
Kamera: Jo Heim
Musik: Joja Wendt
Schnitt: Julia von Frihling
Produzent: Douglas Welbat, Bernd Eilert, Andreas Grosch, Andreas Schmid, Otto Waalkes

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