Interview mit Zoran Drvenkar

[08.03.2015]

von Michael Stierstorfer

Das folgende Interview mit Zoran Drvenkar zu seinem literarischen Schaffensprozess fand im Rahmen des Seminars Literarisches Lernen mit Texten von Zoran Drvenkar statt, das im Sommersemester 2014 an der Universität Regensburg am Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur (Prof. Anita Schilcher) unter der Leitung von Dr. Ulrike Siebauer abgehalten wurde. Bei diesem Werkstattgespräch gewährte der trotz des internationalen Erfolgs bodenständig gebliebene Autor, der sich von allen Teilnehmern sofort duzen ließ, auch viele persönliche Einblicke.

Zoran Drvenkar (*1967, Jugoslawien) ist seit 1989 freischaffender Autor. Er hat sich das Berliner Umland als Wahlheimat auserkoren und lebt dort abgeschieden in einer ehemaligen Kornmühle, wie man an dem unteren Bild gut erkennen kann. Vor seinem Durchbruch (1999) erhielt er zahlreiche Literaturstipendien, war freischaffender Mitarbeiter beim Berliner Tagesspiegel und wurde von Paul Maar, dem Autor der populären Sams-Reihe (1973-2011), gefördert. Drvenkar schreibt Werke für Kinder, Jugendliche und (junge) Erwachsene und hat nahezu jeden bedeutenden Kinder- und Jugendliteraturpreis für seine Romane, die aus unterschiedlichen Genres stammen, erhalten (u.a. den LUCHS, den Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar und den Deutschen Jugendliteraturpreis). Für das Drehbuch zum Film Knallhart (Buck, 2006), das er zusammen mit seinem Weggefährten Gregor Tessnow verfasste, erhielt er sogar die Silberne Lola. Seine Romane werden mittlerweile in mehr als 14 Sprachen übersetzt und verfilmt. Sehr bekannt sind seine (bisher) zweibändigen Reihen um die Kurzhosengang (2006-2008) sowie um die Freunde JanBenMax (2008-2013).

 Pressefoto (Fotografin: Corinna Bernburg)

 

Zoran, du hattest – so wirkt es zumindest für einen Außenstehenden – einen harten und steinigen Weg bis zum Erfolg, der von jahrelangen Durststrecken ohne Publikationen geprägt war. Wie hast du dich in dieser Zeit zum Schreiben motiviert?

Der Weg war nicht steinig, noch war er hart. Er war unfassbar leicht und brodelte vor Energie und jugendlichem Elan. Die einzige Durststrecke war das Suchen und Sehen nach der richtigen Frau, der Rest war geprägt von dem größten Geschenk, das man sich selbst als Schriftsteller machen kann − Freiheit. Die absolute Freiheit zu schreiben, was einen interessiert, ohne dabei auf den Markt, Verlage oder irgendwelche "Gurken" zu hören, die einem Trend folgen. Eine Schreibmotivation war nie nötig, denn ich lebte das Schreiben. Die Geschichten waren wie verborgene Quellen, die nur angebohrt werden mussten und dann flossen sie in das Schreiben ein. Ich würde mich nie mit dem Schreiben quälen, ich würde es nie mit dem Leidensaspekt angehen. Jemand, der für Geld schreibt, ist ein Angestellter, der sich einen Beruf gesucht hat, in dem er dienen kann. Ich schreibe, weil ich etwas zu sagen habe, ich schreibe, weil ich von meinen Charakteren und ihren verborgenen Geschichten fasziniert bin. Und ein wenig suche ich natürlich auch nach dem Sinn des Ganzen und will die Welt und uns Menschen besser verstehen.

Das klingt so, als würdest du dir von Lektoren bei deinem Schreiben nicht reinreden lassen. In der Regel vertreten diese jedoch das kommerzielle Interesse eines Verlags und versuchen auf den Plot einer entstehenden Geschichte so einzuwirken, dass dieser "massenkompatibel" wird. Wie viele Freiheiten lassen dir die Verlage bei deiner Konzeption von Handlungssträngen?

Ein guter Lektor redet nicht rein, er sucht und findet den Puls des Textes, hilft mit einer Außenansicht und ist immer auf der Seite des Autors – und wenn der Autor dreimal sagt: Das soll so sein, dann soll es auch so sein. Ein guter Lektor muss weitestgehend auch den Geschmack des Autors haben, denn sonst reden sie verschiedene Sprachen und am Ende kommt ein Buch heraus, das nichts mit dem Autor zu tun hat und vom Lektor allein geschrieben sein könnte. Und Feuer ist wichtig, Leidenschaft und Feuer. Ein guter Lektor sucht die Schwachstellen und macht sie zu Stärken. Sicher gibt es genug Lektoren, die einen Text nehmen und kommerziell machen, aber jetzt mal ehrlich, das ist keine Literatur, das ist Markt und hat nichts mit Schreiben zu tun. Es gibt auch Lektoren, die das Buch mit dem Autor schreiben. Manchmal hat ein Schriftsteller eine Idee und dreißig Seiten und weiß nicht weiter. Alles ist möglich.

Ich habe meine Vor-Leser, die die Bücher vom ersten Schritt an begleiten. Ihre Meinungen sind für mich ausschlaggebend, sie sind die Vor-Lektoren, die diskutieren, korrigieren und mich wieder auf den Weg bringen, wenn ich mich in der Geschichte verirre. Ohne ihren Scharfblick, ihre verschiedenen Geschmäcker und ihren eigenen Blickwinkel ginge nichts. Ihre Begeisterung hält meine Flamme des Schreibens am Brennen.

Meine bisherigen Verlage haben noch nicht versucht die Handlungsstränge zu beeinflussen, es wird auch nie dazu kommen. Wie du weißt, gibt es kein Konzept, also gibt es da auch nichts, was man durcheinanderrühren könnte. Ich mache die Bücher, die mich interessieren und nicht die Bücher, nach denen gefragt wird, die den Zeitgeist einfangen oder die die Verlage sich wünschen. Wenn einem Lektor der Text gegen Strich geht und er ihn nicht will, soll es so sein, aber sich zu verbiegen und gefällig zu sein, den Weg sollte man nur gehen, wenn einem der Lauf einer Knarre in den Nacken gedrückt wird.

Es gibt Kinder- und Jugendbuchverlage, die lassen an die Autoren Listen zum Ankreuzen rausgehen, auf denen die Themen stehen, die das Allgemeinwohl der Kinder und Jugendlichen in der Gegenwart reflektieren sollen. Die Autoren suchen sich dann heraus, was ihnen gerade passt. Auch so entsteht deutsche Kinder- und Jugendliteratur.

Ein Lektorat ist wichtig, denn ein Schriftsteller ist nach dem Abschluss eines Buches kurzsichtig und erinnert an jemanden, der viel zu nahe am Spiegel steht und nichts mehr erkennen kann. Darum ist es gut, dem Buch Zeit zu lassen, was leider nicht immer möglich ist. Ich schätze meine Lektoren sehr, aber ohne die mühevolle Arbeit meiner Vor-Leser, würde ich ein Buch nie abgeben. Sie sind die Seele meiner Arbeit und müsste ich sie für ihren Enthusiasmus, ihre Arbeit und ihren Wert auch nur annähernd angemessen bezahlen, wäre ich pleite.

Einer deiner frühen Unterstützer war Paul Maar, der eines deiner Manuskripte beim Verlag einreichte. Wie ist der Kontakt entstanden und wie stehst du zu den Werken von Maar?

Auf Paul traf ich zufällig, als ich für drei Monate für den Tagesspiegel schrieb. Ich war auf einer seiner Lesungen und durfte darüber schreiben. Wir plauderten, er sagte, ich sollte ihm was schicken, ich schickte ihm was und wir plauderten per Post weiter. Über die folgenden Jahre bekam er Kurzgeschichten und Gedichte von mir. Dann hatte ich Im Regen stehen fertig und schickte es ihm. Eine Woche später erhielt ich einen Brief von Paul. Er schrieb, er sei eben von einer langen Reise zurückgekommen und viel zu müde für seine Post, aber er fand mein Manuskript und war neugierig. Er las den Roman bis 3 Uhr früh durch und bot mir an, das Buch an Hanser weiterzuleiten. Ich jubelte. Zwei Jahre vergingen und ich hörte nichts mehr von Paul. Als wir dann wieder Kontakt hatten, war er davon ausgegangen, dass Hanser das Manuskript längst angenommen hätte, was nicht der Fall war. Paul nahm die Sache danach erneut in die Hand und wandte sich dieses Mal an Rowohlt. Und das klappte dann sofort.

Ein wichtiger Begleiter auf deinem Weg zum erfolgreichen Schriftsteller war Knallhart–Autor Gregor Tessnow, der dich lange Zeit als Taxifahrer finanziell unterstützt hat. In welcher Beziehung steht ihr heute?

Wir haben uns eine Weile verloren und dann wieder zusammengefunden. Jetzt arbeiten wir gemeinsam an Drehbüchern, Romanen und an unserem Leben. Es ist gut ihn wiederzuhaben.

Bisher ist trotz des großen Erfolgs noch kein einziger deiner Romane verfilmt worden. Sind derartige Projekte geplant und wie stehst du im Allgemeinen zu Literaturverfilmungen, die in der Literaturwissenschaft zumeist sehr kontrovers diskutiert werden.

Filmproduktionen sind ein Albtraum und die Arbeit an Drehbüchern ist gnadenlos ermüdend, denn jeder gibt seinen Senf dazu – von der Putzfrau über den Tontechniker bis zu den sechsjährigen Kindern des Produzenten –  und was heute wunderbar ist, ist am Tag darauf durch eine neue Idee ersetzt. Ich hatte so viel Pech mit verkorksten Produktionsfirmen, wirren Regisseuren und den Egos von Leuten, die einen guten Film von einem alten Toastbrot nicht unterscheiden konnten. Es geht immer darum, dem Publikum zu gefallen. Das reibt sich vollkommen gegen mein Denken. Leider hänge ich sehr an meinen Geschichten, sonst würde ich sie aus der Hand geben und in die andere Richtung schauen, während sie seziert und verfremdet werden. Aber ich will das nicht und so geht es weiter und weiter mit neuen Versuchen. Es gibt sehr gute Literaturverfilmungen. Rosemarys Baby und Fight Club stehen da an erster Stelle. Die miesen Verfilmungen sind in der Überzahl, aber so ist das Leben nun einmal.

Viele deiner Bücher, wie z.B. der für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierte Roman Der einzige Vogel, der die Kälte nicht fürchtet, spielen im Winter. Was fasziniert dich an dieser frostigen Jahreszeit so sehr?

Kälte und Winter, Schnee und Wind sind meine Elemente. Die Zeit scheint stillzustehen, die Ruhe ist überall und es ist klug, sich nicht aus dem Haus zu rühren. Kerzen und der Blick aus dem Fenster. Darum ist die Kurzhosengang in Kanada ansässig, darum spielt Still in der Reinheit des Schnees und darum bin ich im heißen Juli geboren, um den Sinn dahinter besser zu verstehen.

In der JanBenMax-Reihe kreierst du eine abenteuerliche Bricolage aus volkstümlichen Märchen und Sagen. Was gibt dir das Spiel mit kulturellen Versatzstücken?

Es ist der Respekt vor großen Geschichten und eine Hommage an die eigene Kindheit, die nur durch Charaktere wie den Baron von Münchhausen, Till Eulenspiegel und Peter Pan zu überleben war. Diese Wurzeln auszugraben und ihnen neues Leben einzuhauchen hat mich gereizt und reizt mich noch immer.

Für die Verfilmung des Romans Knallhart mit Jungstar David Kross als Drogendealer und Jenny Elvers-Elbertzhagen als überforderte alleinerziehende Mutter hast du das Drehbuch geschrieben. Seitdem bist du nicht mehr als Drehbuchautor in Erscheinung getreten. Warum?

Gregor [Tessnow; Anm. M.S.] und ich haben seitdem acht weitere Drehbücher geschrieben und – wie ich schon oben erwähnte – einfach höllisches Pech gehabt. Das Geld kam zwar rein, doch entweder knickten die Produktionsfirmen ein, wechselten ihr ganzes Team aus oder versuchten uns über den Tisch zu ziehen. Und wer lässt sich schon gerne über den Tisch ziehen? Film hin oder her, man sollte nicht alles mit sich machen lassen. Wenn der Stolz, die Ehre und der gute Geschmack flöten gehen, dann bleibt am Ende des Tages nur das Geld auf dem Konto und so richtig glücklich macht das auch nicht.

Viele deiner Bücher, wie z.B. Sorry, You und Tell me what you see, wurden bereits ins Englische übersetzt. Dabei besteht immer das Risiko, dass bei der Übersetzung ungewollte Modifikationen oder Umdeutungen vorgenommen werden, die sich negativ auf den Plot auswirken. Nimmst aus diesem Grund Einfluss auf die Auswahl der Übersetzer bzw. liest du die Übersetzung Korrektur?

Einfluss ist das falsche Wort. Sorry und You waren ein lebendes, knurrendes Fiasko. Der Übersetzer ist ein furchtbar netter Kerl, doch das reicht leider nicht. Ich habe keine Ahnung, ob er einfach nur faul oder gleichgültig war, auf jeden Fall gab es so viele Zeit- und Grammatikfehler in der Übersetzung, dass ich mich wunderte, wie das Lektorat (britisches und amerikanisches) es durchwinken konnte. Und dann die Sinnfehler. Ein Charakter öffnet ein Fenster und mein Übersetzer übersetzt, dass er das Fenster schließt. Das sind nur die Kleinigkeiten. Ich habe auf jeder Seite vier Korrekturen gehabt und die Romane Seite um Seite eigenhändig neu übersetzt. Es war die Hölle, das einzige Gute daran war, dass ich meinen Geschichten auf eine andere Art und Weise näher kam.

In Interviews erklärst du häufig, dass deine literarischen Figuren ein eigenständiges Leben führen und ihre Geschichten selbst "spinnen". Ist diese Dynamik nicht hinderlich zur Erschaffung einer kohärenten Handlung?

Im Gegenteil. Es führt zu einer Energie, die nicht nur den Leser mitreißt. Für mich wäre es öde, wenn ich alles wüsste und meine Charaktere durchschauen würde. Sicher ist es klug und vorausschauend, wenn man einen Plan macht und alles über seine Personen weiß. Es ist auch einfacher, um ganz ehrlich zu sein. Aber es wird dann auch durchschaubar für den Leser und es fehlt der Geschichte diese besondere Seele, die ein Buch zu einem atmenden Wesen macht, das man in der Hand hält und bei dem man den Herzschlag spüren kann. Nachdem ich ENDE unter die Geschichte geschrieben habe, mache ich mich dann an den Sinn des Ganzen und poliere und poliere. Der Leser spürt von dem vorherigen Chaos nichts, er spürt nur, dass Energie fließt. So sollte es sein.

Einige deiner Romane, wie z.B. Der letzte Engel, werden polyperspektivisch erzählt. Was reizt dich an einer derartigen Erzählweise?

Es ist der Rhythmus, der fließende Wechsel zwischen Charakteren, die Unberechenbarkeit und der Wechsel von Stimmen, die mein Schreiben in Balance halten. Auch da wird nicht viel geplant. Oft sitze ich an einem Charakter und wenn ich merke, er hat im Moment nichts mehr zu sagen, wechsle ich zum nächsten Charakter. Dadurch öffnen sich Facetten des Erzählens, dadurch kommt eine Bewegung in die Erzählweise, die fast schon organisch ist.

2004 schriebst du das Kinderbuch Die Kurzhosengang unter dem Pseudonym Victor Caspak & Yves Lano. Dieses Spiel mit der Öffentlichkeit ist auch von anderen international renommierten Autoren, wie z.B. Stephen King, bekannt, der einige Romane unter dem Namen Richard Bachmann veröffentlichte, um angeblich zu prüfen, ob seine Werke auch ohne seinen "großen Namen" ziehen und die Rezipienten durch Qualität überzeugen können. Was hat dich daran gereizt, den Roman unter einem anderen Namen zu publizieren?

Mr. King und ich hatten definitiv nicht dieselbe Motivation. Ich teile eher den Drang von William Goldman, den er mit seiner Brautprinzessin auf die Spitze getrieben hat: Es ist einfach ein Spaß, die Literaturszene ein wenig aufs Kreuz zu legen und einen neuen Kosmos aufzumachen. Deshalb habe ich auch gleich zwei Pseudonyme gewählt; deswegen habe ich die kanadischen Autoren auch direkt in die Geschichte eingebaut, weil sie ab dem Tag nicht nur ein Teil der Kurzhosengang, sondern auch ein Teil meines Lebens wurden. Ich habe keine Ahnung von Kanada, ich war noch nicht da, aber meine zwei fiktiven Schreiber, die kennen sich da aus, die leben dort und wissen genau, wie es da zugeht. Manchmal muss man sich der Realität des eigenen Unvermögens stellen und zu geheimen Türen greifen und sie öffnen.

2005 wurdest du für Die Kurzhosengang mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Hat sich seitdem etwas für dich verändert?

Bei mir hat sich nach all den Preisen nichts verändert. Mein Schreiben bleibt mein Schreiben, und ich tue alles, um die Arroganz und den Hochmut auf Abstand zu halten, die oft im Gepäck der Literaturpreise mitgeliefert werden.

Wie wichtig sind dir namhafte Literaturpreise, wie z.B. der Deutsche Jugendliteraturpreis, der vom Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. verliehen wird?

Wenn du dir anschaust, welche Bücher prämiert werden und was für ein "Quark" mit einer Statue vom Feld geht, da ist es mehr oder weniger peinlich, sich auf die Brust zu klopfen und zu rufen: He, und ich jetzt auch! Anerkennung ist ein zweischneidiges Schwert, denn sie kommt oft von Adressaten mit denen ich nicht dieselbe Postleitzahl teile. Immer wieder gibt es jedoch Bücher, über die ich mich freue, wenn sie eine Krone bekommen.

Aber Geschmäcker sind bekannterweise verschieden und wer Preise braucht, um mit dem Schreiben weiterzumachen, der sollte sich diese Geschmäcker zu Eigen machen und alles gut und nichts schlecht finden, dann fährt er gut und wird prämiert. Jetzt hast du genug Bilder zu Literaturpreisen, um eine Galerie zu bestücken. Simpel gesagt: Die Bücher sind meine Preise an sich, sie genügen mir und damit ist es getan. Ein Preis ist natürlich immer willkommen, aber Saltos schlagen oder gleich die Großmutter deswegen zu verkaufen, nee, nicht wirklich.

Ende März 2015 wird der von vielen bereits ersehnte zweite Band des letzten Engels: Der letzte Engel –  Der Ruf aus dem Eis im Handel erscheinen. Auf welche weiteren Publikationen und Projekte dürfen wir uns in naher Zukunft freuen?

Zwei Monate nach Der Ruf aus dem Eis erscheint ein Gedichtband mit Photographien. Ein Schriftsteller und eine Photographin haben sich ein Jahr lang zusammengetan. Die Photographin ist Corinna Bernburg. Sie hat jeden Tag ein Photo gemacht. Egal von was, egal von wem, egal wo. Wichtig war nur, dass das Photo vor Mitternacht auf meinem PC landete. Bis Mitternacht hatte ich dann Zeit, einen Text zu dem Photo zu schreiben und damit den Tag einzufangen. 

Tag für Tag für Tag für Tag. Ein ganzes Jahr lang. Die Photos sind Portraits, Stillleben, Landschafts- und Momentaufnahmen, die sich in Gedichte, Theaterstücke und Kurzgeschichten verwandeln. Sie sind eine Reise zu Fuß, mit dem Auto und dem Motorrad. Es geht in die Nachbarschaft und nach Berlin, aber auch quer durch Deutschland mit einem Abstecher nach Irland und in die Niederlande. Ein Jahr lang haben Corinna und ich die Zeit in Augenblicken festgehalten. Klar, direkt und in Schwarzweiß. Jeder Tag ist auf zwei Seiten beschränkt – links das Photo, rechts das Gedicht. Danach konnte ich für eine Weile keine Gedichte mehr sehen und habe Corinna mehr als einmal verflucht, wenn die Photos erst kurz vor Mitternacht eintrudelten. Corinna hat mich im Gegenzug mehr als einmal verflucht, wenn mir zu den Photos nichts einfiel und ich herumjammerte, das sei das schlimmste Projekt, an dem ich je teilgenommen hatte. Es war aber auch zum größten Teil meine eigene Schuld, da ich an den ersten Textfassungen so viel gefeilt habe, dass mir die Worte aus den Ohren wuchsen.

Es ist ein Photoband als Gedichtband als Tagebuch als eine Einladung zu einer Reise durch ein Jahr. Ein Dialog zwischen Bild und Wort. Sommer, Herbst, Winter und Frühling werden hier neu betrachtet. Oder anders gesagt: Es ist eine Dokumentation und ein Einblick in das Leben eines Schriftstellers und ein Fenster in die Welt einer Photographin. Wir haben das Jahr in vier Bücher aufgeteilt und Ende Mai 2015 erscheint das erste Buch und es wird Könnte ich meine Sehnsucht nach dir sammeln heißen.

Im Herbst wird Touch the flame erneut bei CBJ aufgelegt und ein neuer Roman sucht ein neues Zuhause. Die nächste Kurzhosengang kratzt an meiner Tür und mit ihr drängen sich an die sieben Buchprojekte und wollen in die Realität eingelassen werden. Im Vordergrund stehen zurzeit aber die Verfilmungen von Die Kurzhosengang, Du und Sorry.

Lieber Zoran, deine vielseitigen und intermedial angelegten Projekte klingen spannend und abwechslungsreich. Wir wünschen dir viele kreative Impulse für dein literarisches Schaffen. Besten Dank für deine schonungslos-ehrlichen Antworten!

Newsletter