von Sabine Planka

Der Folgeband von Century L.O.V.E. – Tödliches Fieber setzt die Handlung um Seth und Eva fort, deren Liebe sich den Hindernissen stellen muss, die einerseits aus der Vergangenheit, andererseits aus dem Paralleluniversum Parallon über sie hereinbrechen und die nur durch einen Besuch in der Zukunft gelöst werden können. Eine gelungene Fortsetzung der Handlung des durchwachsenen ersten Bandes, die hier an Tempo und Spannung zunimmt und mit einem offenen Ende aufwartet.

Shulman, Dee: Century L.O.V.E. 2 – Die Liebe fragt nicht nach dem Morgen
A.d. Engl. v. Anne Brauner
dtv, München 2014
509 S., 9,95 €
ISBN 978-3-423-71569-0

Inhalt
Die Fortsetzung von Century L.O.V.E. – Tödliches Fieber umfasst insgesamt vier Handlungsstränge, die durch unterschiedliche Figuren miteinander verwoben werden. Im ersten Handlungsstrang im London der Gegenwart dreht sich alles um Eva und Seth, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das mysteriöse Virus zu erforschen, das immer mehr Menschen tötet, diese aber zugleich in einer Parallelwelt namens Parallon auftauchen lässt.  Im schuleigenen Labor unternehmen sie heimlich Versuche mit Seth‘ Blut, bis sie herausfinden, dass sich hauptsächlich junge Leute am Virus anstecken, während ältere Leute immunisiert zu sein scheinen. Auch Eva hat die Infektion mit dem Virus überlebt, ist nun jedoch dauerhaft geschwächt. Mehrfach wird sie im Laufe der Handlung ohnmächtig und muss ins Krankenhaus, bis ihr schließlich ein Herzschrittmacher eingesetzt wird.

Der zweite Handlungsstrang, ebenfalls im gegenwärtigen London angesiedelt, dreht sich um die Journalistin Jen, die sich in den Polizisten Nick verliebt hat. Während Jen beim mysteriösen Verschwinden des ersten Opfers zugegen war und an ein nicht-rational erklärbares Geschehen glaubt, hat Nick seitens der Polizei zunächst einen unerklärlichen Tathergang dementiert. Schließlich schenkt er Jen Glauben und machen sich gemeinsam auf Spurensuche, bei der Jen auf insgesamt 700 weitere Fälle von verschwundenen Menschen in der Vergangenheit stößt, die vor ihrem Verschwinden das gleiche Krankheitsbild aufwiesen: Fieber, Erbrechen, Herzstillstand. Bei Recherchen in einem Gefängnis, aus dem ebenfalls Menschen verschwunden sind, steckt sich Nick an, stirbt und landet in Parallon.

Im Fokus des dritten Handlungsstrangs stehen die Erlebnisse von Seth' ehemals besten Freund Matthias in Parallon. War die Parallelwelt im ersten Band noch ein friedlicher Ort, an dem alle Menschen gemeinsam zusammenleben konnten, wandelt sich das Erscheinungsbild massiv, als immer mehr Römer aus Matthias‘ und Seth' Zeit der Antike dort auftauchen. Unter den Römern ist auch ein neuer Magister, der sich als Cassius entpuppt, dem Livia (= Eva) zu ihren Lebzeiten im antiken Londinium als Ehefrau versprochen war. Unter seiner Herrschaft wandelt sich Parallon vom Paradies in eine Hölle: Das Stadtbild wandelt sich und wird durch und durch römisch, die Bewohner werden gezwungen, als Sklaven zu dienen und als Gladiatoren in der neu erschaffenen Arena zur Belustigung der Römer zu kämpfen.

Der dubiose Zackary, der Seth im ersten Band Century L.O.V.E. – Tödliches Fieber in die Geheimnisse Parallons einweiht und ihm den Strudel zeigt, mittels dessen man durch die Zeit in die 'echte' Realität reisen kann, macht sich so große Sorgen, dass er zwei Mal in das London der Gegenwart reist und Seth um Hilfe bittet, der schließlich einwilligt.

An dieser Stelle setzt der vierte Handlungsstrang ein, der im London der Zukunft im Jahr 2043 spielt: Seth versucht, von dem in diesem Handlungsstrang um einige Jahre jüngeren Zackary und dem Physiker Engelmann zu erfahren, wie sich der Strudel so stabilisieren lässt, dass er keine Gefahr für die 'echte' Welt darstellt. Es gelingt Seth jedoch nur teilweise, an Engelmanns Wissen zu kommen: Bei seiner Flucht aus Zackarys Villa infiziert er versehentlich Engelmanns Gehilfin Lauren, die dadurch in Parallon landet, wo sie beginnt, den Strudel zu reparieren. Bevor Seth aus dem Jahr 2043 nach Parallon zurückkehrt, erfährt er zudem, dass Zackary an einem virtuellen, mittels Gedanken konstruierten Parallon geforscht hat. Die Verbindung zwischen dem virtuellen und dem echten Parallon bleibt aber vorerst sowohl Seth als auch dem Leser vorenthalten. Zudem findet Seth heraus, dass Zackary etwas über das Parallon-Virus weiß. Für Seth ist klar, dass Zackary der Schlüssel zu allem ist.

Zuvor versucht Seth jedoch, Eva vor Cassius zu schützen, weshalb er in das London der Gegenwart zurückreist. Er kommt allerdings zu spät: Eva wurde bereits von Cassius umgebracht, der nun weiterhin auf der Suche nach Seth ist. In letzter Sekunde gelingt es Seth doch noch, Eva erfolgreich mit dem Virus zu infizieren, so dass sie nach Parallon verschwindet, anstatt tatsächlich zu sterben.
Ob Eva und die Menschen in Parallon gerettet werden können, wie das echte mit dem virtuellen Parallon zusammenhängt und ob die Liebe zwischen Eva und Seth eine Chance hat, wird der dritte Band der Reihe klären müssen.

Kritik
Die Struktur des zweiten Bandes Century L.O.V.E. 2 – Die Liebe fragt nicht nach dem Morgen erscheint insgesamt klarer, als es noch beim ersten Band der Fall war. Das Motiv der Zeitreise tritt stärker zutage, werden doch Zeitanomalien als potentielle Gefahr eingeführt, die zusammen mit dem instabilen Strudel unvorhergesehene Veränderungen in der Zeit hervorrufen können (vgl. S. 303f.).

Deutlich lassen sich hier vier durch einzelne Protagonisten verknüpfte Handlungsstränge unterscheiden, wobei Seth und Zackary die wohl wichtigste Rolle einnehmen, da sie sowohl in Parallon als auch in der Gegenwart und in der Zukunft Londons auftauchen und dabei vom heterodiegetischen Erzähler begleitet werden. Aber auch Evas Rolle in der Geschichte bleibt nicht unwesentlich, auch wenn sie 'nur' im London der Gegenwart lebt und Parallon (noch) nicht zu Gesicht bekommen hat. Dass Eva das eigentliche Zentrum der Handlung markiert, wird dem aufmerksamen Leser nicht verborgen bleiben, wechselt doch die Erzählperspektive konsequent in eine homodiegetische, wenn sie im London der Gegenwart begleitet wird, um den Leser Evas Gefühle und krankheitsbedingte Aussetzer miterleben zu lassen.

Die Kontrolle, der sich Eva ausgeliefert sieht (durch Seth und die Krankenschwester), korrespondiert mit einer großen Anzahl an Protagonistinnen aus gegenwärtigen Jugendromanen, die zudem auch noch an sich selbst zweifeln. Allen Protagonistinnen ist gemeinsam, dass sie sich selbst als unscheinbar empfinden und von Minderwertigkeitskomplexen geplagt werden, die sie an zwischenmenschlichen Beziehungen zweifeln lassen (vgl. z.B. Twilight, Frostkuss). Diese Konzeption der Protagonistinnen mag zwar die Spannung für den Leser aufrechterhalten hinsichtlich der Frage, ob sie mit dem in ihren Augen perfekten Märchenprinzen am Ende der Handlung alt werden darf, langweilig wird dieses in der Jugendliteratur immer wieder aufgegriffene Schema für einen Vielleser irgendwann aber schon.

Durch die unterschiedlichen Handlungsstränge, denen der Leser erstaunlich gut folgen kann, gewinnt die Handlung an Tempo und Spannung. Einige Fragen werden gelöst – wie z.B. die Identität des Magisters –, andere Fragen wiederum bleiben unbeantwortet und offen. Der Spannungsbogen der Handlung deutet jedoch darauf hin, dass sie im dritten Band (zumindest teilweise) aufgelöst werden.

Fazit
Mit Century L.O.V.E. 2 – Die Liebe fragt nicht nach dem Morgen wird die Geschichte um Seth und Eva (= Livia) gelungen weitergeführt, jedoch nicht aufgelöst. Zahlreiche Elemente sorgen dafür, dass die Spannung im Vergleich zum ersten Band noch gesteigert wird, sodass der Leser sicherlich auf den dritten Band der Reihe warten wird, um den Fortgang der Handlung zu verfolgen.

Da  Century L.O.V.E. 2 vermehrt auf medizinische und physikalische Aspekte eingeht, die Handlung komplexer und durch die Wandlung Parallons ein Stück weit brutaler wird, scheint der Roman für Leser ab ca. 14 Jahren geeignet.

 

 

 


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